GELD-Magazin, Nr. 3/2026

Fondstabelle ab Seite 50: 6.700 Investmentfonds im Härtetest! Österreichische Post AG | MZ 03Z035262 M | 4profit Verlag GmbH, Rotenturmstraße 19/1/29 B, 1010 Wien | Ausgabe Nr. 3/2026 | 6,90 Euro DAS MAGAZIN FÜR WIRTSCHAFT, POLITIK & INVESTMENTPRODUKTE Finanzpolitik + Volkswirtschaft + Länder- und Branchenanalysen + Banking + Investmentfonds + Aktien + Immobilien + Rohstoffe + Blockchain + Alternative Investments + Versicherungen Künstliche Intelligenz Der KI-Boom bringt zahlreiche Profiteure hervor: Jene, die die Infrastruktur errichten und Firmen, die ihre Produktivität damit steigern. Private Banking Was Ihnen die Spezialisten für Vermögensanlage jetzt raten – die besten Positionierungen für das zweite Halbjahr 2026. Märkte & Branchen Was von den großen Regionen und einzelnen Branchen heuer noch zu erwarten ist und wo die höchsten Renditen locken. Techwerte mit Mega-Gewinnen AUSBLICK AUF DAS 2. HALBJAHR 2026 An welchen Trends Sie in der IT-Revolution noch profitieren können – und welche Sie besser meiden sollten.

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Ausgabe Nr. 3/2026 – GELD-MAGAZIN . 3 Der Konflikt zwischen den USA und Israel mit dem Iran ist mit dem Waffenstillstand in den Hintergrund getreten, der Ölpreis ist wieder unter 80 Dollar gefallen. Die Auswirkungen auf Inflation und Wirt‑ schaftswachstum dürften daher begrenzt bleiben. Wesentlich lauter spielt die Musik im Technologiebereich – allen voran bei der Entwicklung Künstlicher‑In‑ telligenz‑Modelle. Allein die vier großen KI‑Infrastruktur‑Player Amazon, Google, Meta und Microsoft werden heuer ihre Investitionen im Vergleich zum Vorjahr um 60 bis 70 Prozent auf 650 bis 700 Milliarden Dollar erhöhen. Zum Vergleich: 2023 lagen die Investitionen noch bei 155 Milliarden Dollar. Das führt zu einem enormen Wachstum in der Zulieferindustrie – bei Errichtern von Rechenzentren, Herstellern von Prozessoren, Energie‑ und Kühlinfrastruk‑ tur sowie Glasfaseranbindungen. Dementsprechend steigen auch die Gewinne und damit die Aktienkurse in diesen Segmenten stark. Ein heimisches Parade‑ beispiel ist AT&S, das IC‑Substrate produziert und nun das Werk in Malaysia ausbauen will, um die Produktionskapazität zu erhöhen. Gleichzeitig mit der Vo‑ lumenszunahme steigen aufgrund der hohen Nachfrage auch die Margen. Der Aktienkurs von AT&S hat seit Anfang 2025 um knapp 2.200 Prozent zugelegt. Die Modelle für Künstliche Intelligenz fließen nun in Anwendungen ein, die in Unternehmen die Produktivität erhöhen. Durch eine Kombination aus Automati‑ sierung, besserer Entscheidungsqualität, höherer Output‑Geschwindigkeit und neuen Prozessdesigns entstehen – je nach Bereich – Produktivitätsgewinne von 20 bis 60 Prozent; in einzelnen Funktionen, etwa in der IT‑ und Softwarebran‑ che, sogar deutlich mehr. Auf die Gesamtwirtschaft wirkt KI wie eine neue in‑ dustrielle Revolution, die ein dauerhaft höheres Potenzialwachstum ermöglicht. Trotz des Booms in der IT‑ und Zulieferbranche sollte man nicht vergessen, die Kapitalanlage zu diversifizieren. Gier war schon immer ein schlechter Ratgeber. Für diese Ausgabe des GELD‑Magazins baten wir daher zahlreiche Anlagespezia‑ listen um einen Ausblick auf das zweite Halbjahr sowie um deren Tipps für eine erfolgreiche Kapitalanlage. Wir wünschen Ihnen einen schönen Sommer! Mario Franzin, Chefredakteur GELD-Magazin KI-Boom editorial impressum MEDIENEIGENTÜMER UND HERAUSGEBER 4profit Verlag GmbH · MEDIENEIGENTÜMER-, HERAUSGEBER- UND REDAKTIONSADRESSE Rotenturmstraße 19/1/29B, 1010 Wien · T: +43/676/570 95 10 · E: [email protected] · GESCHÄFTSFÜHRUNG Snezana Jovic, Mario Franzin · CHEFREDAKTEUR Mario Franzin REDAKTION Mario Franzin, Michael Kordovsky, Wolfgang Regner, Moritz Schuh MSc, Mag. Christian Sec · LEKTORAT Mag. Rudolf Preyer · GRAFISCHE LEITUNG Noura El-Kordy · COVERFOTO NovilyaAyu/stock.adobe.com · DATENANBIETER Lipper Thomson Reuters*, Morningstar · VERLAGSLEITUNG Snezana Jovic · BACKOFFICE & ONLINE REDAKTION Ivana Jovic · MARKETING & ANZEIGENVERKAUF Dr. Anatol Eschelmüller · IT-MANAGEMENT Oliver Uhlir · DRUCK Berger Druck, 3580 Horn, Wiener Str. 80 · VERTRIEB PGV Austria, 5412 Puch, Urstein Süd 13. www.geld-magazin.at ABO-HOTLINE: +43/699/1922 0326 · [email protected] * Weder Lipper noch andere Mitglieder der Reuters-Gruppe oder ihre Datenanbieter haften für Fehler, die den Inhalt betreffen. Performance-Ranglisten verwenden die zur Zeit der Kalkulation verfügbaren Daten. Die Beistellung der Performance-Daten stellt kein Angebot zum Kauf von Anteilen der genannten Fonds dar, noch gilt sie als Kaufempfehlung für Investmentfonds. Für Investoren gilt es zu beachten, dass die vergangenen Performancewerte keine Garantie für zukünftige Ergebnisse darstellen. FOTO: ivanashoots.com

BRENNPUNKT 06 Kurzmeldungen Fußball: WM als Cashcow + Zölle: Hemmschuh der Wirtschaft. 08 OPEC+ Das Ölkartell verliert an Macht. Eine Entspannung der Preise scheint möglich. 12 Roboter-Technologie Die Automatisierung schreitet voran, wie realistisch sind „humanoide Roboter“? WIRTSCHAFT 16 Kurzmeldungen Österreich: Downgrade durch Morningstar + Nahost: Die Folgen des Krieges. 18 Sparkurs Wo die Regierung den Rotstift ansetzt – und welchen (Un-)Sinn das macht. Experten haben nicht nur Lob parat. BANKING 20 Kurzmeldungen Sparkassen: Geld-Tipps für den Urlaub + KI: Immer wichtiger für Banken. 22 Privatbanken-Umfrage Die Finanzprofis setzen auf robuste Depots und globale Streuung. Aber auch selektive Chancen werden genutzt. MÄRKTE & FONDS 28 Kurzmeldungen Emerging Markets: Nicht blind dem Index folgen + Anleihen: Auf den Kupon achten. 32 Trend:Technologie Der KI-Boom geht weiter. 36 Trend: Healthcare Wir werden älter: Der Gesundheitssektor profitiert davon. 40 Trend: Asien Wachstumspotenzial: China, Indien und Co. sind ein Investment wert. 42 Trend: Kryptos Ringen um die Zukunft: Das digitale und analoge Kapital wird neu geordnet. 44 Trend: Anleihen Wie man das richtige Bonds-Segment findet und davon profitiert. 48 Trend: Rohstoffe Warum es für Gold und Silber holprig läuft - plus: Uran als Anlage-Joker. 50 Große Fondstabelle Die besten Produkte im Überblick. Ausgabe Nr. 3/2026 inhalt OPEC+ Das Kartell verliert an Einfluss – Hoffnung auf niedrigere Ölpreise. ab Seite 08 Credits: Cavan Images & Helois & NovilyaAyu/stock.adobe.com 4 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 3/2026

AKTIEN 60 Kurzmeldungen Biogena Good Vibes: Börsegang geplant + AT&S: Wandelanleihe platziert. 62 Weltbörsen USA: Space X überstrahlt alles + Europa: Das Wagnis der EZB + Japan: Zinserhöhung war unvermeidlich, aber erwartet. 64 Anlagetipps Ferrovial: Stabile Pfeiler + Nexans: Lukrative Märkte + ITT: Starkes Wachstum. 66 Börse Deutschland Hängepartie: Dem DAX fällt es schwer, aus dem Seitwärtstrend auszubrechen. 68 Börse Wien Erfreuliches Bild: Sonderfaktoren treiben den ATX weiter in die Höhe; dem Iran-Krieg wurde erfolgreich getrotzt. IMMOBILIEN 72 Kurzmeldungen CA Immo: Green Building in Berlin + Wien: Alarm im Wohnbau! 74 Wohnbaufinanzierung Hohe Hürden: Banken verhalten sich bei der Kreditvergabe restriktiv. Wie kann man sich die eigenen vier Wände noch leisten? BLOCKCHAIN 76 Kurzmeldungen Europa: Umbruch am Krypto-Markt + USA: Washington forciert Krypto-Reserve. VERSICHERUNG & VORSORGE 78 Kurzmeldungen Wiener Städtische: Wechsel im Vorstand + Altersvorsorge: KESt-freies Produkt. 79 FLV-Listing Der monatliche Überblick zu Fondsgebundenen Lebensversicherungen. 80 Cyber-Security Deepfakes machen Versicherungsbetrug immer schwerer erkennbar. Für Kunden geht es um den Schutz sensibler Daten und berechtigte Ansprüche. 82 Buchtipps Bogle/Bernstein: Knowing Enough + Andreas Lipkow: Erfolgreich Strategisch anlegen mit ETFs. COVERSTORY Die KI-Revolution ist noch nicht vorbei: Mit TechWerten gewinnen. Seite 32 Auf dem Vormarsch KI drängt in unseren Alltag. Jetzt kommen „humanoide Roboter“. Seite 12 Ausgabe Nr. 3/2026 – GELD-MAGAZIN . 5

Nachhaltigkeit Neue Regeln Credits: beigestellt/Archiv; pixabay; Danyllo & Teeradej/stock.adobe.com Wichtiger Schritt. Mit dem 2. Juli werden ESGRatingagenturen, die im Gebiet der EU tätig sind, erstmals einem Regulierungsrahmen und der Aufsicht durch die ESMA (Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde) unterstellt, die bereits für die Aufsicht über Kreditratingagenturen zuständig ist. Die Experten von EthiFinance kommentieren: „Diese beispiellose Entwicklung definiert die Spielregeln des ESG-Marktes neu. Dieser Rechtsrahmen markiert einen wichtigen Schritt bei der Strukturierung der nachhaltigen Finanzwirtschaft in Europa. Das Ziel ist klar: mehr Transparenz, höhere Ratingqualität und stärkeres Vertrauen der Investoren.“ Die Regulierung ist Teil einer breiteren Entwicklung zur Strukturierung des europäischen Marktes für nachhaltige Finanzen und steht im Zusammenhang mit der künftigen Überarbeitung der SFDR (Sustainable Finance Disclosure Regulation). BRENNPUNKT . Kurzmeldungen 6 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 3/2026 DIE ZAHL DES MONATS 100 Prozent Wohlhabend. Die 2026 Global Private Wealth Survey von Edelman Smithfield liefert wieder einmal interessante Erkenntnisse: Demnach nutzen 100 Prozent der befragten europäischen Wealth-Management-Professionals (WMPs), zum Beispiel Vermögensverwalter oder Family Offices, KI-Plattformen wie ChatGPT, Claude oder Gemini, um sich über Private-Markets-Anbieter und deren Angebote für den Wealth-Markt zu informieren. Bei europäischen High-Net-Worth Individuals (HNWIs) sind es 92 Prozent. Für 63 Prozent der europäischen WMPs und 58 Prozent der europäischen HNWIs ist KI sogar die primäre Recherchemethode. Gleichzeitig fällt es vielen Wealth-Investoren schwer, Private-Markets-Anbieter klar voneinander zu unterscheiden. Nur 43 Prozent der europäischen HNWIs halten Private-Markets-Firmen und ihre Produkte für klar differenzierbar. Unter europäischen WMPs liegt dieser Wert bei 63 Prozent. „Viele Private-Markets-Anbieter klingen aus Sicht von Wealth-Investoren noch immer austauschbar. Gleichzeitig wird KI zunehmend zum ersten Analysten im Entscheidungsprozess“, heißt es. Beautiful Bill? „Die USSchuldenquote könnte binnen zehn Jahren von 100 auf bis zu 125 Prozent des BIP steigen; die amerikanische Fiskalpolitik bringt die Staatsverschuldung unter Auf- wärtsdruck. Trumps One Big Beautiful Bill verschärft die Defizitentwicklung weiter“, analysiert Sam Vereecke, CIO Fixed Income bei DPAM. Der Finanz-Fachmann meint außerdem: „Trumps Zollpolitik birgt Inflationsrisiken und könnte die Fed zur Zurückhaltung bei Zinssenkungen zwingen. Die realen US-Renditen liegen auf historisch attraktivem Niveau von über zwei Prozent.“ Europa zeige hingegen ein schwächeres Wachstumsbild. Die Inflation sei normalisiert, die Europäische Zentralbank habe Spielraum für weitere Zinssenkungen. Der Experte sieht alles in allem eine positive Positionierung über die gesamte Laufzeitstruktur hinweg. Die Kreditspreads bleiben eng; die Positionierung bei Investment Grade und High Yield ist neutral. USA: Riesiger Schuldenberg Sam Vereecke, CIO Fixed Income bei DPAM Anpfiff erfolgt. Die Fußballweltmeisterschaft 2026 sprengt alle bisherigen Dimensionen: 48 Mannschaften, 104 Spiele verteilt über den nord- und mittelamerikanischen Kontinent. Über 6,5 Millionen Besucher erwarten die Gastgeber Kanada, Mexiko und USA – und alle wollen übernachten, essen, feiern und reisen. Da bleibt ordentlich etwas hängen, bei den Hotels und Wohnungsanbietern, bei den Restaurants und Essenslieferanten sowie den Flug- und Autoverleihgesellschaften. Laut BNP werden rund elf Milliarden Dollar Umsatz erwartet – 1.000-mal so viel wie bei der ersten WM im Jahr 1930. Als Sieger der WM 2026 wurden bereits vor dem Anpfiff die Niederlande gehandelt. Joachim Klement, Ökonom bei einer Londoner Investmentbank, hat ein Prognosemodell entwickelt, das schon die Sieger der vergangenen drei Weltmeisterschaften richtig vorausgesagt hat. Nun sollen es die Niederlande sein. Fußball-WM: Superlative

Fragmentierung. Das globale Finanzsystem ist nach wie vor eng vernetzt, doch ein neuer Bericht des Weltwirtschaftsforums in Zusammenarbeit mit der internationalen Strategieberatung Oliver Wyman warnt vor einer zunehmenden Fragmentierung. Zölle, Sanktionen, Investitionsbeschränkungen und divergierende Regelungen erschweren es Unternehmen, grenzüberschreitend tätig zu sein, und Kapital, frei zu zirkulieren. Die Fragmentierung ist bereits Realität: „Die quantitative Analyse des Berichts schätzt, dass bestehende Handels- und Finanzbeschränkungen die globale Wirtschaftsleistung bereits um 213 bis 307 Milliarden Dollar reduzieren und gleichzeitig die Inflation anheizen“, heißt es in der Untersuchung. Sollte die Fragmentierung zu einer vollständigen globalen wirtschaftlichen Entkopplung führen – dem Worst-Case-Szenario der Analyse –, könnten die Kosten für die Weltwirtschaft sogar auf bis zu 6,9 Billionen Dollar steigen. Der Bericht fordert klarere Regeln und eine bessere Koordinierung, damit das globale Finanzsystem berechenbar bleibt. Zölle: Hemmschuh der Wirtschaft Überbewertete Aktien. In ihrer jüngsten Frühjahrsprognose kommt die OECD zu dem Schluss, dass das reale Bruttoinlandsprodukt der Welt weiterhin mit einer Rate von rund drei Prozent expandieren wird. „Das erwarten auch fast alle Ökonomen, die für Forschungsinstitute und Banken arbeiten. Die dynamischsten großen Volkswirtschaften sind China und Indien; aber auch Länder wie Brasilien, Mexiko, Indonesien und der Rest Ostasiens, ebenso wie etwa Nigeria oder Polen, wachsen äußerst kräftig“, so Dieter Wermuth von Wermuth Asset Management. Gleichzeitig hat er warnende Worte parat: „Wie in der Vergangenheit hält auch diesmal kaum jemand eine neue Finanzkrise oder eine globale Rezession für wahrscheinlich, obwohl, wie ich finde, vieles dafür spricht.“ Er sieht das Risiko einer Stagflation und bezeichnet Finanzaktiva als überbewertet, vor allem mit Blick auf Aktien aus den USA und Japan. Weltwirtschaft: Neue Krise? Dieter Wermuth, Mitgründer von Wermuth Asset Management 918 Milliarden Euro. Eine sehr kleine Gruppe Superreicher verursacht durch ihren Lebensstil und insbesondere ihre Unternehmensbeteiligungen extrem hohe Klimaschäden. Allein für das Jahr 2022 werden den Investitionen und Beteiligungen der reichsten 0,01 Prozent der Welt (rechnerisch etwa 800.000 Privatpersonen) Klimaschäden in Höhe von geschätzt 992 Milliarden Dollar (918 Mrd. Euro) zugerechnet. Das zeigt ein auf der Bonner Klimakonferenz veröffentlichter Report von Greenpeace Africa. Klimaverantwortung lässt sich laut der Untersuchung nicht allein am klimaschädlichen Lebensstil festmachen, etwa Privatjet-Flügen. Bei Hochvermögenden falle nämlich insbesondere die Klimawirkung ihrer Investitionen und Beteiligungen ins Gewicht. „An extremen Vermögen hängen noch größere Klimaschäden als bisher angenommen. Die Spitze der Superreichen trägt besonders stark zur Klimakrise bei und muss nach dem Verursacherprinzip auch stärker an den Kosten beteiligt werden“, fordert Clara Thompson, GreenpeaceExpertin für Klima- und Steuergerechtigkeit. Klimaschäden: Superreiche in der Schuld Ausgabe Nr. 3/2026 – GELD-MAGAZIN . 7 Weit weg von Europa? Soeur JeanneCécile Atimnedi ist Gesundheitskoordinatorin der Diözese Bunia im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Sie erlebt die Ebola-Epidemie täglich aus nächster Nähe. Erst vor kurzem starb in ihrer Nachbarschaft eine ganze Familie an Ebola, beide Eltern und die fünf Kinder. Der Alltag von Atimnedi und ihre Schilderungen gegenüber der Caritas sind erschütternd. „In Bunia gibt es derzeit 30 bis 40 Beerdigungen pro Tag“, berichtet sie. Für die Stadt ist das ungewöhnlich viel. Für Soeur Jeanne-Cécile steht fest: Die Region befindet sich erst am Anfang der Epidemie. Die Zahl der Erkrankten steigt weiter an, während die Diagnosemöglichkeiten kaum Schritt halten können. Oft bleibt unklar, ob Menschen tatsächlich an Ebola erkrankt sind oder an anderen schweren Krankheiten wie Malaria. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Die Aufklärungsarbeit zeigt Wirkung. Immer mehr Menschen verstehen, wie ansteckend Ebola-Verstorbene sind, und informieren die Gesundheitsdienste selbstständig. Ebola: Tägliches Sterben

BRENNPUNKT . Öl- & Gasmarkt 8 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 3/2026 Schmiermittel der Weltwirtschaft, hier eine Ölplattform im Golf von Mexiko

Vorweg: Die Macht der OPEC+ ist weder zu unter- noch zu überschätzen. Die Hard Facts: Die Mitgliedstaaten des Kartells kontrollieren den Großteil der weltweit nachgewiesenen Erdölreserven, die Drosselung bzw. Ausweitung der Fördermengen hat somit einen spürbaren Einfluss auf die globale Preisgestaltung des „schwarzen Goldes“. Die weltweit nachgewiesenen Rohölreserven beliefen sich Ende 2025 auf 1.572 Milliarden Barrel, davon ent- fielen knapp 80 Prozent auf Mitgliedsländer der OPEC+. Keine unbegrenzte Macht Allerdings hat der Ende Februar losgetretene Iran-Krieg deutlich vor Augen geführt, dass auch der Einfluss der OPEC+ begrenzt ist. Vor allem das Gezerre um die Straße von Hormus hat den Ölpreis in lichte Höhen katapultiert. Je nach Nachrichtenlage und kursierende Gerüchte um eine Beendigung des Konflikts fallen oder steigen die Preise. In einer Analyse der DekaBank vom Juni heißt es dazu: „In unserem Hauptszenario sollte die Straße von Hormus in absehbarer Zeit wieder passierbar sein (ohne genaue Eingrenzung des Zeithorizonts, Anm.). Die Verwerfungen durch den Nahost-Krieg werden sich am Rohölmarkt allerdings nur allmählich auflösen.“ Die Ölnachfrage dürfte laut den Experten zwar durch konjunkturelle Schleifspuren aufgrund des Nahost-Konflikts und durch die höheren Ölpreise etwas gebremst werden, aber das Überangebot, das vor dem Krieg im Nahen Osten den globalen Ölmarkt geprägt hatte, wird aufgrund der Angebotsbeschränkungen in diesem und im nächsten Jahr nicht zurückkehren.“ Prognose der DekaBank: „Es wird noch einige Quartale dauern, bis sich die technischen und logistischen Schwierigkeiten bei der Ölförderung, beim Transport und bei der Weiterverarbeitung auflösen. All das bedeutet im Prognosezeitraum zwar einen fallenden Ölpreistrend, aber ein erhöhtes Ölpreisniveau im Vergleich zu der Zeit vor dem Nahost-Krieg.“ In den kommenden zwölf Monaten erwarten die Rohstoff-Spezialisten unterm Strich einen Preis der Sorte Brent von 70 US-Dollar pro Barrel. Das würde einen erheblichen Abfall bedeuten, denn Mitte Juni notierte Brent bei rund 90 US-Dollar. Es bleibt also turbulent und volatil am Ölmarkt, vor allem weil niemand seriös abschätzen kann, wie sich die Situation in Nahost – auch nach möglichen diplomatischen Erfolgen – langfristig weiterentwickelt. Turbulente Zeiten Wie sieht es im Vergleich dazu mit den Gaspreisen aus? Auf diesen hat die OPEC+ noch viel weniger und nur indirekten Einfluss als auf Erdöl. Es existiert das Gas Exporting Countries Forum (GECF, 20 Mitgliedsländer), dem unter anderem Katar, Russland, die Vereinigten Arabischen Emirate, Venezuela, Iran und Algerien angehören. Aber GECF im internationalen Gasgeschäft ist bei weitem nicht mit der Rolle der OPEC+ im Erdölbereich zu vergleichen. Denn die Gasmärkte sind regionaler strukturiert – Öl wird weltweit relativ einfach transportiert und gehandelt. Erdgas ist oft an Pipelines oder an die Infrastruktur für Flüssigerdgas (LNG) gebunden. Außerdem spielen langfristige Lieferverträge beim Gas traditionell eine größere Rolle als bei Erdöl. Wobei der Konflikt um die Straße von Hormus auch den Gaspreis ansteigen ließ. „Der europäische Erdgasmarkt blieb von der Unsicherheit über die Lieferketten geprägt. Die höheren OPEC minus Dem mächtigen Kartell geht mit den Vereinigten Arabischen Emiraten ein wichtiges Mitglied verloren. Was bedeutet das für die internationalen Erdölpreise? Und zerbröckelt gar die OPEC+? MARIO FRANZIN Credit: Cavan Images/stock.adobe.com Öl als Spielball des Krieges Der Iran-Konflikt hat dem Ölpreis einen ordentlichen Schub versetzt und die Grenzen der Macht der OPEC+ vor Augen geführt. Ausgabe Nr. 3/2026 – GELD-MAGAZIN . 9 in USD/Barrell 55 110 100 120 130 80 70 60 90 ´26 2022 2023 2024 2025

Credit: B. Stadler/Bwag Schock in Wien Am 21. Dezember 1975 stürmen sechs Terroristen unter Führung des Venezolaners Carlos „der Schakal“ die Zentrale der OPEC in Wien. Die Angreifer nahmen rund 70 Geiseln, darunter mehrere Ölminister. Drei Menschen wurden getötet: ein österreichischer Polizist, ein irakischer Sicherheitsbeamter und ein libyscher Delegierter. Nach stundenlangen Verhandlungen lenkte Bundeskanzler Bruno Kreisky ein, die Terroristen erzwangen ein Flugzeug und flohen mit Geiseln nach Algier. Der Anschlag machte Wien erstmals zum Schauplatz internationalen Terrorismus und sorgte weltweit für Aufsehen – auch, dass „der Schakal“ vom damaligen österreichischen Innenminister, Otto Rösch, per Handschlag verabschiedet wurde. 1960: Die OPEC wird in Bagdad von Iran, Irak, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela gegründet. 1973: Im Zuge des Nahostkriegs verhängen mehrere arabische OPEC-Staaten ein Ölembargo gegen westliche Unterstützer Israels. Die Ölpreise steigen stark an, die OPEC gewinnt erheblichen politischen und wirtschaftlichen Einfluss. 1980er Jahre: Sinkende Nachfrage und Überproduktion führen zu Preisverfall und Spannungen innerhalb des Kartells. Förderquoten werden eingeführt und angepasst, um den Markt zu stabilisieren. 2000er Jahre: Die OPEC festigt ihre Rolle als wichtiger Akteur auf dem globalen Energiemarkt. Steigende Nachfrage aus Schwellenländern lässt die Ölpreise zeitweise stark ansteigen. 2016: Mit der Gründung von „OPEC+“ beginnt die Zusammenarbeit mit wichtigen Nichtmitgliedern, insbesondere Russland. Gemeinsame Förderabsprachen sollen den Ölmarkt stabi- lisieren. 2020: Die COVID-19-Pandemie ver- ursacht einen historischen Nachfragerückgang. DIe OPEC+ beschließt die größten Förderkürzungen ihrer Geschichte, um den Preisverfall zu begrenzen, Öl wird tatsächlich wieder teurer. 2026: Die Vereinigten Arabischen Emirate verlassen das Bündnis. Kurze Geschichte der Opec: 10 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 3/2026 Energie-, Transport- und Versicherungskosten wirken sich zunehmend auf nachgelagerte Wertschöpfungsketten aus“, so wiederum die DekaBank. Auch hier bleibt die Entwicklung also volatil und vom Kriegsgeschehen abhängig. Die Prognosen der EZB und EU-Kommission reichen von Basisszenarien mit 80 Euro pro Megawattstunde (MWh) bis zu Stress-Szenarien von 110 Euro bis Ende 2026 für den europäischen Gaspreis. Der Dutch TTF-Großhandelspreis liegt aktuell bei etwa 48 bis 50 Euro/ MWh. VAE ziehen den Hut In diesen äußerst bewegten Zeiten ließ folgende Meldung aufhorchen: Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind überraschend am 1. Mai 2026 aus der OPEC+ ausgetreten. Als Gründe wurden offiziell nationale Interessen, eine unabhängige Förderpolitik und der Wunsch nach mehr Flexibilität bei der Ölproduktion genannt. Die VAE gehörten zuletzt zu den größten Förderländern innerhalb des Bündnisses. Kein Geheimnis ist, dass es seit Jahren Spannungen zwischen den VAE und Saudi-Arabien rund um die Förderquoten gab. Sprich: Die VAE wollen mehr Öl produzieren, als von der OPEC+ erlaubt und können sich das auch leisten, weil sie nicht so stark von hohen Ölpreisen abhängig sind wie beispielsweise Saudi-Arabien. Denn die Wirtschaft der VAE ist heute wesentlich stärker diversifiziert als in vielen anderen Staaten der OPEC+. Bereiche wie Finanzdienstleistungen, Handel, Logistik, Tourismus und Technologie machen einen großen Teil der Wirtschaftsleistung in den Emiraten aus. Fazit Einen Zerfall der OPEC+ bedeutet der Austritt nicht, tatsächlich sind immer wieder Mitglieder abgesprungen und neue hinzugekommen. Einen kräftigen Schlag für das Bündnis setzt das dennoch, weil seine Marktmacht eingeschränkt wird. Mit langfristig tendenziell dämpfender Wirkung für den Rohölpreis. BRENNPUNKT . Öl- & Gasmarkt OPEC-Zentrale: Seit 1977 residiert die OPEC in Wien und war ursprünglich in der Oberen Donaustraße im 2. Gemeindebezirk angesiedelt. 2009 wechselte sie in das moderne Gebäude im 1. Bezirk, in der Helferstorferstraße.

Eine Information der HYPO NOE Landesbank für Niederösterreich & Wien AG, Hypogasse 1, 3100 St. Pölten. Stand 06/2026. Werbung. Bei der HYPO NOE beraten wir Sie auch bei Business-Lösungen von Mensch zu Mensch. Denn nur ein persönlicher Zugang auf Augenhöhe macht maßgeschneiderte Lösungen möglich. Mehr dazu auf hyponoe.at EINE LANDESBANK FÜR GANZ ÖSTERREICH. Die Business ganz persönlich Bank.

Neue Robotergenerationen rücken in Zeiten von KI und Automatisierung verstärkt in den Fokus der Investoren. BRENNPUNKT . Humanoide Robotik 12 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 3/2026

Die Zukunft hat bereits begonnen. Tesla führt immer wieder den Optimus öffentlichkeitswirksam vor, einen 1,73 Meter großen humanoiden Roboter, der laut Tesla „sich wiederholende und langweilige Aufgaben übernehmen soll“ – etwa auch Saubermachen und Kochen. Roboter können aber auch Arbeitskräfte ersetzen, wie z.B. in der Lagerhaltung. Anfang 2027 soll Optimus auf den Markt kommen – zu einem Preis von 20.000 bis 25.000 Dollar. Neben Tesla sind aber zahlreiche andere Unternehmen bereits in der Entwicklung weiter, die aktuell eng mit datengetriebenen Verfahren zusammenhängen. Verbesserte Bildverarbeitung und sprachbasierte Schnittstellen erweitern die Einsatzmöglichkeiten. Dennoch bleibt die Aussagekraft vieler Demonstrationen begrenzt. „Wann immer man die beeindruckenden Videos sieht, beispielsweise jene von tanzenden humanoiden Robotern, dann fällt auf, dass die Roboter nicht mit der Umwelt interagieren oder wenn doch, dann nur unter sehr sorgsam kontrollierten Bedingungen“, erklärt Oliver Brock, Professor für Robotik an der Technischen Universität Berlin. Entscheidend für den realen Einsatz sei jedoch die Fähigkeit, auch außerhalb solcher kontrollierten Szenarien zuverlässig zu agieren. Daten entscheiden Im industriellen Kontext verschiebt sich der Fokus zunehmend von der Hardware zur Datenbasis. „Die größte Herausforderung der humanoiden Robotik ist heute nicht mehr die Hardware, sondern der Zugang zu hochwertigen, realitätsnahen Trainingsdaten. Das drängendste Problem ist die Datenlücke: Humanoide KI-Modelle verfügen über weniger Trainingsdaten als ausgereifte Sprachmodelle. Während große Sprachmodelle auf riesige Datenmengen aus dem Internet zugreifen können, sind Daten aus der Interaktion physischer KI mit realen Menschen und Objekten noch vergleichsweise rar. Diese Datenlücke zu schließen, wird der entscheidende Durchbruch sein“, so David Reger, CEO von NEURA Robotics. Er sieht kognitive Robotik als „next big thing“: „Wir sprechen hier von einem der größten Märkte weltweit, weit größer als der Smartphone-Markt. Gemeinsam mit strategischen Partnern wie Bosch, Qualcomm, Schaeffler und Vorwerk baut NEURA Robotics heute Europas Zwischen Aufbruch und Realität Roboter mit menschenähnlicher Form gelten als nächste Stufe der Automatisierung. Doch zwischen Demonstrationen und realem Einsatz liegen weiterhin strukturelle und ökonomische Hürden. MICHAEL KORDOVSKY „Die größte Herausforderung der humanoiden Robotik ist heute nicht mehr die Hardware, sondern der Zugang zu hochwertigen, realitätsnahen Trainingsdaten.“ David Reger, CEO und Gründer von NEURA Robotics Credits: Helois/stock.adobe.com; beigestellt Vor dem großen Durchbruch müssen noch einige Hürden überwunden werden. Die größten Herausforderungen liegen laut Markus Vincze, Professor am Institut für Automatisierung und Regelungstechnik an der TU Wien, weiterhin in der Bewegungsplanung und der präzisen Steuerung von Greifprozessen. Auch die visuelle Wahrnehmung bleibt ein Engpass, da Roboter ihre Umgebung häufig nur als zweidimensionale Farbbilder erfassen und komplex interpretieren müssen. „Fortschritte hängen daher maßgeblich von leistungsfähigeren Algorithmen ab. Anwendungen im Alltag, etwa beim Aufräumen im Haushalt, sind grundsätzlich denkbar, stoßen jedoch noch an technische Grenzen. Zudem habe sich in der Vergangenheit gezeigt, dass weniger die Technologie selbst, als vielmehr deren Vermarktung und Integration in reale Umgebungen die größte Hürde darstellt. Insgesamt bleibe humanoide Robotik in vielen Bereichen vorerst Zukunftsmusik und werde den Menschen eher ergänzen als ersetzen“, erklärt Vincze. David Reger, CEO von NEURA Robotics, indes sieht die größte aktuelle Herausforderung der humanoiden Robotik im Zugang zu hochwertigen sowie tatsächlich realitätsnahen Trainingsdaten. Herausforderungen in der humanoiden Robotik Ausgabe Nr. 3/2026 – GELD-MAGAZIN . 13

Trotz großer Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz bleiben zentrale Herausforderungen der Robotik bestehen. „Die Entwicklungen in der KI beschleunigen die Entwicklung von Robotersystemen deutlich, insbesondere bei der maschinellen Wahrnehmung und bei sprachbasierten Nutzerschnittstellen. Dennoch sieht es im Moment nicht so aus, als ob die heutige KI bereits die besonderen Herausforderungen, die die Robotik mit sich bringt, lösen könnte“, so Robotik-Professor Oliver Brock. Entscheidend sei die Fähigkeit zur sogenannten Generalisierung: Roboter müssten einmal erlernte Aufgaben flexibel auf neue, unbekannte Situationen übertragen können. „Was für Menschen selbstverständlich ist – etwa das Öffnen einer Tür, die sie noch nie gesehen haben –, stellt für Roboter weiterhin eine große Hürde dar, an deren Lösung mit großer Intensität geforscht wird.“ Hinzu komme, dass viele aktuelle Demonstrationen nur unter kontrollierten Bedingungen funktionieren. „Die Tatsache, dass es Menschen so leicht fällt, aber für Roboter bei interessanten Problemen noch nahezu unmöglich erscheint, deutet darauf hin, dass wir etwas Grundlegendes noch nicht verstanden haben, so Brock. Warum KI alleine nicht reicht „In Restaurants, Hotels, Altersheimen oder Krankenhäusern hingegen geht es – zumindest aus Sicht des Roboters – drunter und drüber.“ Oliver Brock, Professor für Robotik an der Technischen Universität Berlin Credit: Oliver Brock : Science of Intelligence 14 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 3/2026 größtes Robotik-Ökosystem. Unser Ziel: mehrere Millionen humanoide Roboter bis 2030“, und er ergänzt: „Bei NEURA Robotics entwickeln wir nicht nur die Hardware, sondern auch das Betriebssystem für physische KI: das Neuraverse. Die KI-Plattform ist ein gemeinsames Gehirn. Es durchbricht Datensilos, indem es Roboter über eine gemeinsame Plattform verbindet, auf der Erfahrungen und Wissen gesammelt und geteilt werden können. Beherrscht ein Roboter eine Aufgabe, steht diese Fähigkeit sofort allen anderen vernetzten Robotern zur Verfügung“. Darüber hinaus sollen alle Partner und Entwickler Zugang zu realen Trainingsumgebungen erhalten. Damit schafft NEURA die Grundlage dafür, „dass kognitive Roboter sicher lernen und ihre Fähigkeiten schneller skalieren können.“ Industrie zuerst Der wirtschaftliche Einsatz humanoider Robotik dürfte sich zunächst auf klar strukturierte Bereiche konzentrieren. „Kurzfristig erwarten wir die größten Produktivitätsgewinne dort, wo strukturierte Umgebungen und vorhandene Daten den Einsatz humanoider Roboter erleichtern, insbesondere in der Automobilindustrie, der Fertigung und der Logistik“, so Reger. In diesen Sektoren lassen sich Prozesse standardisieren. Roboter übernehmen repetitive Aufgaben und ermöglichen Effizienzsteigerungen. Mittelfristig wird sich laut Reger der Einsatz humanoider Roboter zunehmend auf den Service-Bereich, etwa in Krankenhäusern, Hotels und im Einzelhandel, ausweiten. Brock skizziert Unterschiede zwischen Logistikanwendungen und dem Einsatz im Service: „Das liegt daran, dass man in Logistikzentren das Umfeld des Roboters sehr genau gestalten kann. In Restaurants, Hotels, Altersheimen oder Krankenhäusern hingegen geht es aus Sicht des Roboters drunter und drüber. Alles ist in Bewegung, Menschen laufen herum, jeder Tag ist anders und die Aufgaben wechseln ständig.“ Selbst wenn die technischen Voraussetzungen erfüllt sind, bleiben laut Brock viele Fragen offen: „Die Verwendung von Robotern muss gesetzlich geregelt werden, auf unterschiedliche Weise in verschiedenen Anwendungsgebieten, mit Standards, Normen, Zertifizierungen, Versicherungen usw. Das dauert seine Zeit. Bei der Verwendung von humanoiden Robotern in der Fertigung müssen unter Umständen die Herstellungsprozesse von Grund auf neu gestaltet werden.“ Europa im Rennen Im globalen Wettbewerb hat Europa eine solide industrielle Basis und eine starke Ausgangsposition, steht jedoch unter erheblichem Druck. „Europa hat noch nicht das passende Mindset. Oft überwiegt Skepsis, wo Mut und Vision gefragt sind“, sagt Reger. Gleichzeitig sind die strukturellen Stärken klar definiert: „Deutschland verfügt über exzellentes technologisches Know-how, leistungsfähige Industriepartner, hochqualifizierte Fachkräfte und langjährige Erfahrung in Hightech-Maschinenbau und Automatisierung. Unternehmen wie Schaeffler, Bosch oder Schunk sind Meister darin, Bewegung, Kraft und Präzision in Einklang zu bringen – sie liefern die mechanischen ,Muskeln‘ und ,Gelenke‘ der Roboter, die weltweit Fabriken am Laufen halten werden“, so Reger. NEURA Robotics verlagerte 2024 die gesamte Produktion kognitiver Roboter von China nach Deutschland. BRENNPUNKT . Humanoide Robotik

EINSCHALTUNG – FOTO: beigestellt Da KI die Softwarebranche grundlegend verändert, rückt Robotik in den Fokus KI verändert die Softwarebranche tiefgreifend: SaaS-Modelle geraten unter Druck, während KI-Agenten Aufgaben zunehmend autonom übernehmen und Robotik als Wachstumstreiber an Bedeutung gewinnt. KI-Agenten entwickeln sich über die reine Unterstützung hinaus und übernehmen zunehmend die Ausführung von Aufgaben. Tools wie Claude Cowork, die Aufgaben in den Bereichen Recht, Marketing und Analyse eigenständig ausführen können, haben unter Anlegern eine intensive Diskussion ausgelöst: Besteht die Gefahr, dass Teile des SaaS-Ökosystems (Software-as-a-Service) strukturell an Bedeutung verlieren und umgangen werden? Seit August 2025 sind die Bewertungsmultiplikatoren von Softwareunternehmen gesunken, da das Disruptionsrisiko durch KI gestiegen ist, insbesondere im Vergleich zu den Profiteuren der KI-Infrastruktur. Der Markt bewertet sowohl die Wachstumserwartungen als auch die Tragfähigkeit der Geschäftsmodelle neu. Über Jahre hinweg profitierten Software- und SaaSUnternehmen von einer Bewertungsprämie, gestützt durch wiederkehrende Umsätze, hohe Visibilität der Erträge, hohe Bruttomargen und eine geringe Kapitalintensität. Diese Prämie hat sich verringert, da sich Anleger zunehmend auf die rechenintensive Natur großer KI-Modelle konzentrieren. Im Gegensatz dazu muss Software im Allgemeinen erst noch eine vergleichbare Monetarisierung von KI nachweisen. Wenn KI-Systeme Aufgaben ausführen können, die zuvor menschliche Interaktion über mehrere Soft- waretools hinweg erforderten, könnte dies das Risiko einer Disintermediation bei SaaS-Lösungen erhöhen. Der Markt preist zunehmend eine kurzfristige Erosion der Gewinne ein, was die Sorgen über steigende KI- Investitionen der Softwareanbieter, Preisdruck und Verdrängung durch Wettbewerber widerspiegelt. Wir glauben, dass das Disruptionsrisiko je nach Geschäftsmodell erheblich variiert. Nicht alle Softwaresegmente sind gleichermaßen betroffen. Softwaretools, die hauptsächlich eine Benutzeroberfläche für standardisierte Aufgaben bereitstellen, könnten anfälliger sein, da autonome KI-Agenten diese Ober- fläche umgehen könnten. Anbieter, die KMU bedienen, könnten ebenfalls stärker exponiert sein, da ihre Kunden preissensibler sind und KI-native Tools schneller übernehmen können. Wir sind jedoch der Ansicht, dass bestimmte Segmente des Softwaremarktes widerstandsfähigere Geschäftsmodelle aufweisen: Cybersicherheit, komplexe Softwareplattformen, die tief in Unternehmensprozesse eingebettet sind, sowie Softwaretools für stark regulierte Branchen wie das Gesundheitswesen oder den öffentlichen Sektor. Es ist unwahrscheinlich, dass KI die Ökonomie von Softwaredienstleistungen beseitigt, doch sie verteilt den Wert innerhalb des Ökosystems neu. Für Anleger liegt die Chance darin, jene Segmente zu identifizieren, die strukturell anfällig sind, und jene, die weiterhin positioniert sind, um in einer KI-gestützten Wirtschaft Mehrwert zu schöpfen. Da KI von digitalen Arbeitsabläufen in die physische Wirtschaft übergeht, könnten auch Robotik und Automatisierung zu wichtigen Profiteuren werden. Unsere RoboticsStrategie nutzt diesen Übergang mit einem selektiven Ansatz, der auf Unternehmen fokussiert ist, die Innovation in die Praxis umsetzen – unterstützt durch Reshoring, Cybersicherheit, Elektrifizierung, KI-Adoption und Smart Factories. www.candriam.com Ausgabe Nr. 3/2026 – GELD-MAGAZIN . 15 GASTBEITRAG . Candriam Risiken: Alle Anlagen in die Robotics-Strategie sind mit Risiken verbunden. Die wichtigsten Risiken sind: Kapitalverlustrisiko, Aktienrisiko und Wechselkursrisiko.Die aufgeführten Risiken sind nicht erschöpfend; weitere Einzelheiten zu den Risiken finden sich in den regulatorischen Dokumenten. Disclaimer: Diese Marketingmitteilung dient ausschließlich Informationszwecken. Sie stellt weder ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar noch eine Anlageempfehlung oder die Bestätigung irgendeiner Transaktion, sofern dies nicht ausdrücklich vereinbart wurde. Obwohl Candriam die in diesem Dokument enthaltenen Daten und Quellen sorgfältig auswählt, können Fehler oder Auslassungen nicht von vornherein ausgeschlossen werden. Candriam kann nicht für direkte oder indirekte Verluste haftbar gemacht werden, die sich aus der Verwendung dieses Dokuments ergeben. Die geistigen Eigentumsrechte von Candriam sind jederzeit zu respektieren; der Inhalt dieses Dokuments darf ohne vorherige schriftliche Genehmigung nicht vervielfältigt werden. Candriam empfiehlt Anlegern grundsätzlich, vor einer Anlage in einen unserer Fonds über unsere Website www.candriam.com das Basisinformationsblatt, den Prospekt sowie alle weiteren relevanten Informationen, einschließlich des Nettoinventarwerts („NIW“) der Fonds, einzusehen. Diese Informationen sind entweder auf Englisch oder in den jeweiligen Landessprachen für jedes Land verfügbar, in dem der Vertrieb des Fonds zugelassen ist. Präzision und Innovation: Ein Industrieroboter optimiert moderne Fertigungsprozesse.

Österreich Downgrade Credit: Tayiba Studio/stock.adobe.com Schulden belasten. Morningstar hat das langfristige Emittentenrating der Republik Österreich in Fremd- und Landeswährung von AAA auf AA herabgestuft und den Trend von negativ auf stabil geändert. Die Herabstufung spiegelt die Einschätzung von Morningstar wider, dass sich die Kennzahlen zur Staatsverschuldung aufgrund des anhaltend hohen Haushaltsdrucks in den kommenden Jahren in einem schwierigen geopolitischen und makro- ökonomischen Umfeld weiter verschlechtern werden. Die Ratingagentur scheint also nicht ganz an den Erfolg des Sparprogramms der heimischen Bundesregierung zu glauben. Trotz der Konsolidierungsbemühungen wird die österreichische Verschuldungsquote demnach weiterhin langsam steigen. Morningstar erwartet, dass sie 2030 rund 85 Prozent des BIP erreichen wird. WIRTSCHAFT . Kurzmeldungen UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator Österreich Quelle: Statistik Austria, Wifo, UniCredit 2021 2022 UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator BIP (real; Veränderung zum Vorjahr in %) 2023 2024 2025 ´26 14 12 10 8 6 4 2 0 -2 -4 -6 -8 14 12 10 8 6 4 2 0 -2 -4 -6 -8 16 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 3/2026 012345 DIE ZAHL DES MONATS 40 Prozent China-Schock. Die steigende Importkonkurrenz aus China setzt den Industriestandort Österreich unter Druck. Eine neue Analyse des Supply Chain Intelligence Institute Austria, des WIFO und der OeNB deutet auf einen verstärkten China-Schock in Österreich hin – also auf einen deutlich zunehmenden Wettbewerbsdruck durch rasch wachsende, preisgünstige und technologisch fortgeschrittene Importe aus dem Reich der Mitte. Die im Rahmen der Analyse durchgeführte Befragung unter heimischen Industrieunternehmen deutet auf einen verschärften Anpassungsdruck hin: Insgesamt geben ca. 30 Prozent aller Teilnehmer an, ihre Produktion bis 2030 im Ausland ausbauen zu wollen – bei besonders stark von chinesischer Konkurrenz betroffenen sind es sogar über 40 Prozent. Etwa 35 Prozent planen, zumindest eine Unternehmensfunktion zu verlagern. Besonders häufig betroffen: die Fertigung. Österreich betroffen. Es bleibt zu hoffen, dass der jüngste Deal zwischen Washington und Teheran halten wird, schwerer wirtschaftlicher Schaden ist bereits angerichtet. Der Iran-Krieg hat zu Preiserhöhungen bei fossilen Brennstoffen geführt, was die Inflation anheizt, und die Investitionsbereitschaft der Unternehmen dämpft. Hinzu kommt die unberechenbare Handelspolitik der USA. Angesichts des undurchsichtigen Umfelds hat das WIFO drei Szenarien ausgearbeitet. Je nach Szenario wird in Österreich das Wachstum des realen BIP im Jahr 2026 zwischen 0,2 und 1,1 Prozent liegen, die Inflationsrate zwischen 2,5 und 4,1 Prozent und die Arbeitslosenquote zwischen 7,3 und 7,5 Prozent. Im optimistischen Szenario ist der Krieg bald vorbei: Die Infrastruktur der Golfstaaten für die Gewinnung, Verarbeitung, Verladung und den Transport von Rohöl wird nicht wesentlich beschädigt. Im Basisszenario ist der Krieg ebenfalls von kurzer Dauer, die Preise für fossile Brennstoffe steigen jedoch stärker als im optimistischen Szenario. Im pessimistischen Szenario dauern die Kampfhandlungen bis zum Ende des Sommers an und zerstören wichtige Infrastruktur, der Ölpreis bleibt bis September hoch. Eher optimistisch stimmt der Konjunkturindikator der UniCredit (siehe unten), er zeigt eine gewisse Stabilisierung. Iran-Krieg: Schmerzhafte wirtschaftliche Folgen

5 Es ist nie zu früh – Ruhestandsplanung JETZT „Retirement Planning“ ist in den USA und Australien ein angesehener Beruf. In Europa gibt es besonders in Großbritannien, der Schweiz aber auch in Deutschland auf Ruhestandsplanung spezialisierte FinanzdienstleisterInnen. Professionelle Unterstützung ist immer sinnvoll. Erst recht, wenn sich Einkünfte im Ruhestand auf mehrere Säulen stützen; also staatliche, betriebliche und private Vorsorgen. Gängig ist dabei die Vorstellung, ca. 10-15 Jahre vor dem geplanten Ruhestand mit der entsprechenden Planung zu beginnen. Und das ist ein Teil des Problems. Ganzheitliche Ruhestandsplanung erfordert Wissen und interdisziplinäres Zusammenwirken Um die künftigen Leistungen der staatlichen Sozialsysteme beurteilen zu können, benötigt man Kenntnisse zur Demografie und zur Resilienz umlagefinanzierter Pensionssysteme. Um Chancen und Risken kapitalgedeckter Vorsorgen beurteilen zu können, sind umfassende Kenntnisse über Pensionskassen, Kapitalversicherungen, Wertpapiere und alternative Anlagen nötig. Um optimierte Vermögensweitergabe sicher zu gewährleisten, bedarf es rechtlicher und steuerrechtlicher Gestaltung durch Profis. Pensionsschock ade? Wie sieht es mit dem berüchtigten Pensionsschock aus, wie mit Erwachsenenvertretung oder Patientenverfügungen, wie mit Präventionsprogrammen und Gesundheitsförderung? Wie steht es um die psychosozialen Wechselwirkungen von Körper und Geist oder was passiert bei den Risiken bei fehlender körperlicher Vorsorge? Spezialisierung versus „allwissende Müllhalde“ Besonders wissensbasierte Berufe spezialisieren sich immer stärker. Das hat mit den steigenden Haftungen zu tun, vor allem aber mit der ständig steigenden Komplexität unseres Lebens. Egal ob in der Finanzindustrie, bei Pensionskassen, Rechtsanwälten, Notaren, Wirtschaftstreuhändern: überall spaltet sich die Beratung in immer speziellere Bereiche auf. Dasselbe gilt im Bereich von Immobilien, Gesundheitsvorsorge oder Lebens- und Sozialberatung. Gibt es eine fundierte, strukturierte und interdisziplinäre Risikobetrachtung? Der 2-semestrige Lehrgang zum „Zertifizierten Ruhestandsplaner“ beim renommierten Austrian Standards Institute (ASI) hat es sich zur Aufgabe gestellt, eine Qualitätsmarke zertifizierter Experten am österreichischen Beratungsmarkt zu etablieren. Die AbsolventInnen werden in die Lage gebracht, individuelle Ruhestandspläne zu entwickeln, finanzielle, rechtliche, psychosoziale und körperliche Aspekte zu erkennen, Risiken bei fehlender Vorsorge zu definieren und zu kommunizieren und ihre KlientInnen fachlich und empathisch durch Übergangsphasen zu begleiten. Wunderwuzzis versus Netzwerk Abgesehen vom österreichischen Berufs-und Gewerberecht, welches „Universalgenies“ ohnehin strenge bürokratische Grenzen setzt, ist es natürlich vollkommen klar, dass NIEMAND alle aufgezählten Bereiche abdecken kann. Jeder Zertifizierte Ruhestandsplaner bleibt daher natürlich in seinem „Quellberuf“, und er DARF weiterhin alles, was er schon vorher durfte. Doch er/sie hat nicht nur zusätzliches Wissen erworben, sondern verfügt auch über ein Netzwerk zu anderen Wissensberufen. Das ist nützlich und vertrauensbildend. Ansprüche an das Sozialsystem, Ausbildung der Kinder, finanzielle Vorsorge, Erbschaften, Betriebsweitergaben, gesundheitsbewusstes Leben, beizeiten Hobbies und Freundeskreis für den Ruhestand planen … Es gibt vieles, das zeitgerechte Planung erfordert. Wir leben im Zeitalter der „Checks“ – beim Auto, beim Urlaub, bei Schulen und Universitäten. Aber die wesentlichsten und individuellsten Checks unterbleiben häufig, oder sind unkoordiniert. Der Zertifizierte Ruhestandsplaner greift diesen notwendigen „holistischen“ Beratungsansatz auf. www.ruhestandsplaner.jetzt Rudolf Mittendorfer, Projektleiter „Zertifizierter Ruhestandsplaner:in“, IDD Akademie GASTBEITRAG . Rudolf Mittendorfer FOTO: Archiv Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder. Ausgabe Nr. 3/2026 – GELD-MAGAZIN . 17

Es ist ein Budget in einer Krise, aber kein Krisenbudget“, hieß es in einer gemeinsamen Aussendung von ÖVP, SPÖ und NEOS zum aktuellen Sparprogramm. Lassen wir diese etwas seltsame Formulierung zur Seite, klar ist: Es wird der Rotstift angesetzt und es werden Einnahmequellen gesucht, auch wenn auf der anderen Seite einige Investitionen starten. Übergeordnetes Ziel: Das Maastricht-Defizit soll bis 2028 wieder unter drei Prozent sinken. Das ist auch unter Wirtschaftsfachleuten unumstritten, aber über die Wege dorthin lässt sich trefflich streiten. Sanierung durch Einnahmen? Beim wirtschaftsliberalen Thinktank Agenda Austria heißt es: „Das Doppelbudget 2027/28 folgt dem vertrauten Muster: Der Schwerpunkt liegt erneut auf der Einnahmenseite statt auf einer nachhaltigen Reduktion der Ausgaben. Entlastungen gibt es nur im Tandem mit neuen Belastungen.“ Neu sei dabei nur, dass ein und dieselbe Zielgruppe gleichzeitig be- und entlastet werde: „Die Mehrwertsteuersenkung zahlen sich die Konsumenten selbst über die Paketabgabe. Die Senkung der Lohnnebenkosten zahlen sich die Unternehmen über die höhere Körperschaftsteuer und verlängerte Bankenabgaben selbst“, so Agenda Austria. Dabei sei Österreichs zentrales Budgetproblem seit langem bekannt: „Der Staat verfügt über die dritthöchsten Einnahmen aller Euroländer und machte daraus 2025 das vierthöchste Defizit, weil die Ausgaben viel zu hoch sind. Die Diagnose ist daher wenig umstritten: Wer die öffentlichen Finanzen nachhaltig sanieren will, muss auf der Ausgabenseite ansetzen.“ Der Thinktank zieht den Schluss: „Die größten Ausgabentreiber des Staates – Pensionen und Gesundheit – bleiben weitgehend unberührt. Dabei entfällt mehr als die Hälfte des Anstiegs der WIRTSCHAFT . Österreich Budget in der Krise Die Dreierkoalition hat den Rotstift angesetzt, um das aus dem Rahmen gelaufene Budgetdefizit einzudämmen. Dazu gibt es mehr Lob als Kritik von der Opposition, aber auch von Wirtschaftsforschern. MARIO FRANZIN Credit: Markus Marterbauer: © Parlamentsdirektion/ Bernadette Sattler-Remling Die Opposition ließ – wie nicht anders zu erwarten – kaum ein gutes Haar am Sparprogramm. So konnte zum Beispiel Arnold Schiefer (FPÖ) nach der Budgetrede des Finanzministers keine nachhaltige Sanierung des Staatshaushalts er- kennen, da auch weiterhin jährlich die Schulden und somit auch der Zinsendienst steigen würden. Die Hauptlast des Budgets zahle zudem der Mittelstand. Schiefer vermisst Reformen in den Be- reichen Gesundheit und Bürokratieabbau sowie beim Föderalismus. Jakob Schwarz (Grüne) kritisierte wiederum: „Dieses Budget ist in Zahlen gegossene Ungerechtigkeit“. Im Gegensatz zu „Millionenerben und Superreichen“ müssten die Familien, arbeitende Men- schen, Pensionistinnen und Pensionisten sowie Frauen „massive Beiträge zur Konsolidierung“ leisten. Zudem ist für Schwarz das „Zurückschrauben des Klima- und Umweltschutzes absolut unverantwortlich“. Laut Elisabeth Götze (ebenfalls Grüne) würde der „große Wurf“ fehlen. Opposition: Stimmen der Kritik „ Sparkurs: Eckpunkte Arbeitnehmer tragen in der Höhe von 0,3 Milliarden Euro 2027 und 0,5 Milliarden Euro 2028 zum Sparpaket bei. Dazu zählen etwa die Neugestaltung der einkommensunabhängigen Arbeitslosenversicherungsbeiträge oder die Abschaffung der während der COVID-19-Pandemie eingeführten Telearbeits-Pauschale. Auch Unternehmen, Banken und Beteiligungen des Bundes werden mit 0,8 Milliarden Euro 2027 und 2,2 Milliarden Euro 2028 zur Kasse gebeten. Wichtige Maßnahmen sind die Verlängerung des Sonderbeitrags von Banken auf dem Niveau von 2026 für zwei Jahre, die Einführung eines progressiven Körperschaftsteuersatzes ab 2028 und eine temporäre Einschränkung der begünstigten Wirtschaftsgüter für den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag. Weiters erfolgt die Abschaffung des Arbeitsplatzpauschales. Laut Bundesregierung beläuft sich der Konsolidierungsbeitrag von Pensionisten auf 0,3 Milliarden Euro 2027 und 0,6 Milliarden Euro 2028. 18 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 3/2026

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