5 Es ist nie zu früh – Ruhestandsplanung JETZT „Retirement Planning“ ist in den USA und Australien ein angesehener Beruf. In Europa gibt es besonders in Großbritannien, der Schweiz aber auch in Deutschland auf Ruhestandsplanung spezialisierte FinanzdienstleisterInnen. Professionelle Unterstützung ist immer sinnvoll. Erst recht, wenn sich Einkünfte im Ruhestand auf mehrere Säulen stützen; also staatliche, betriebliche und private Vorsorgen. Gängig ist dabei die Vorstellung, ca. 10-15 Jahre vor dem geplanten Ruhestand mit der entsprechenden Planung zu beginnen. Und das ist ein Teil des Problems. Ganzheitliche Ruhestandsplanung erfordert Wissen und interdisziplinäres Zusammenwirken Um die künftigen Leistungen der staatlichen Sozialsysteme beurteilen zu können, benötigt man Kenntnisse zur Demografie und zur Resilienz umlagefinanzierter Pensionssysteme. Um Chancen und Risken kapitalgedeckter Vorsorgen beurteilen zu können, sind umfassende Kenntnisse über Pensionskassen, Kapitalversicherungen, Wertpapiere und alternative Anlagen nötig. Um optimierte Vermögensweitergabe sicher zu gewährleisten, bedarf es rechtlicher und steuerrechtlicher Gestaltung durch Profis. Pensionsschock ade? Wie sieht es mit dem berüchtigten Pensionsschock aus, wie mit Erwachsenenvertretung oder Patientenverfügungen, wie mit Präventionsprogrammen und Gesundheitsförderung? Wie steht es um die psychosozialen Wechselwirkungen von Körper und Geist oder was passiert bei den Risiken bei fehlender körperlicher Vorsorge? Spezialisierung versus „allwissende Müllhalde“ Besonders wissensbasierte Berufe spezialisieren sich immer stärker. Das hat mit den steigenden Haftungen zu tun, vor allem aber mit der ständig steigenden Komplexität unseres Lebens. Egal ob in der Finanzindustrie, bei Pensionskassen, Rechtsanwälten, Notaren, Wirtschaftstreuhändern: überall spaltet sich die Beratung in immer speziellere Bereiche auf. Dasselbe gilt im Bereich von Immobilien, Gesundheitsvorsorge oder Lebens- und Sozialberatung. Gibt es eine fundierte, strukturierte und interdisziplinäre Risikobetrachtung? Der 2-semestrige Lehrgang zum „Zertifizierten Ruhestandsplaner“ beim renommierten Austrian Standards Institute (ASI) hat es sich zur Aufgabe gestellt, eine Qualitätsmarke zertifizierter Experten am österreichischen Beratungsmarkt zu etablieren. Die AbsolventInnen werden in die Lage gebracht, individuelle Ruhestandspläne zu entwickeln, finanzielle, rechtliche, psychosoziale und körperliche Aspekte zu erkennen, Risiken bei fehlender Vorsorge zu definieren und zu kommunizieren und ihre KlientInnen fachlich und empathisch durch Übergangsphasen zu begleiten. Wunderwuzzis versus Netzwerk Abgesehen vom österreichischen Berufs-und Gewerberecht, welches „Universalgenies“ ohnehin strenge bürokratische Grenzen setzt, ist es natürlich vollkommen klar, dass NIEMAND alle aufgezählten Bereiche abdecken kann. Jeder Zertifizierte Ruhestandsplaner bleibt daher natürlich in seinem „Quellberuf“, und er DARF weiterhin alles, was er schon vorher durfte. Doch er/sie hat nicht nur zusätzliches Wissen erworben, sondern verfügt auch über ein Netzwerk zu anderen Wissensberufen. Das ist nützlich und vertrauensbildend. Ansprüche an das Sozialsystem, Ausbildung der Kinder, finanzielle Vorsorge, Erbschaften, Betriebsweitergaben, gesundheitsbewusstes Leben, beizeiten Hobbies und Freundeskreis für den Ruhestand planen … Es gibt vieles, das zeitgerechte Planung erfordert. Wir leben im Zeitalter der „Checks“ – beim Auto, beim Urlaub, bei Schulen und Universitäten. Aber die wesentlichsten und individuellsten Checks unterbleiben häufig, oder sind unkoordiniert. Der Zertifizierte Ruhestandsplaner greift diesen notwendigen „holistischen“ Beratungsansatz auf. www.ruhestandsplaner.jetzt Rudolf Mittendorfer, Projektleiter „Zertifizierter Ruhestandsplaner:in“, IDD Akademie GASTBEITRAG . Rudolf Mittendorfer FOTO: Archiv Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder. Ausgabe Nr. 3/2026 – GELD-MAGAZIN . 17
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