GELD-Magazin, Nr. 3/2026

Die Märkte liefern ein Lehrstück in Widersprüchen: Hohe Energiepreise, geopolitische Risiken und steigende Langfristzinsen erschweren die Planbarkeit. Gleichzeitig bleiben Unternehmensgewinne, vor allem in den USA und Teilen Asiens, erstaunlich robust. Die Antworten zeigen: Panik ist kein Anlagekonzept. Helmut Siegler, Vorstandsvorsitzender der Schoellerbank, warnt: „Wer Cash hält, entzieht sich dem produktiven Wirtschaftskreislauf.“ Andreas Weidinger, Head of Asset Management der Kathrein Privatbank, mahnt: „Die Inflation ist zurück und wirft viele Prognosen über den Haufen.“ Und Karl Freidl, Leiter Private Banking in Graz Strategie für raue Märkte Ölpreis, Nahost-Risiken, hartnäckige Inflation und hohe Langfristzinsen zwingen vermögende Anleger zu mehr Disziplin. Die befragten Privatbanken setzen auf robuste Depots, mittlere Laufzeiten, globale Streuung und selektive Aktienideen. MICHAEL KORDOVSKY bei der Steiermärkischen Sparkasse, hält hohe Liquiditätsstände, um einem Crash zu entgehen, für möglicherweise „sehr teuer“. Laut Siegler gewinnt Vermögensdiversifikation zunehmend an Bedeutung. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch Christian Sajowitz, Leiter Private Banking Wien bei der Steiermärkischen Sparkasse: „Strukturell sehen wir einen sehr eindeutigen Trend in Richtung Kapitalmarktveranlagung über alle Kundenschichten hinweg. Gerade Stiftungen waren in den letzten 20 Jahren die großen Immobilieninvestoren und öffnen sich jetzt immer stärker auch für Anleihen und Aktieninvestitionen und natürlich auch dem Thema Private Markets (Privatmärkte).“ Robert Karas setzt in unsicheren Märkten auf durchhaltbare Anlagestrategien, breite Anleihestreuung, inflationsgebundene Papiere und eine Bottom-up-Auswahl bei Aktien. Robert Karas von der Bank Gutmann relativiert die Dramatik täglicher Schlagzeilen und verweist auf einen wesentlichen Punkt: „Wichtiger sei eine Strategie, die auch in schwierigen Zeiten durchgehalten werden kann.“ Liquidität sieht Karas nicht als fixe Portfolioquote, sondern als individuelle Reserve außerhalb der Vermögensverwaltung: „Unerwartete Ausgaben und die notwendige Flexibilität, spontan eine Chance zu ergreifen, sind von Person zu Person verschieden“, und er ergänzt: „Innerhalb der Asset Allocation der Vermögensverwaltung haben wir keine explizite Liquiditätsallokation. Aber innerhalb der Anleihen haben wir natürlich auch kurzlaufende Papiere (unter einem Jahr). Diese Quote steuern wir nicht gezielt an, sie ist das Ergebnis der Gesamt-Laufzeitenpolitik (Durationssteuerung). Aktuell beträgt unsere Duration 4,8 Jahre, aber nicht alle Papiere sind genau auf dieser Laufzeit. Wir haben kurzlaufende und langlaufende Anleihen.“ Bei Anleihen ist breite Streuung zentral. Die Bank Gutmann investiert in Unternehmensanleihen, Staatsanleihen, Pfandbriefe, inflationsgebundene Anleihen und Opportunitäten wie Osteuropa, High Yield oder Hybridanleihen. „Die breite Mischung macht es aus.“ Auch der Primärmarkt spielt eine große Rolle: „Wir zeichnen hunderte Neuemissionen pro Jahr. Das bringt den Vorteil der Neuemissionsprämie. Dadurch vermeiden wir auch den Geld-Brief-Spread bei Transaktionen am Sekundärmarkt“, so Karas. In Summe setzt das Haus stark auf Qualität. Besonders interessant: „Im Jahr 2026 hat sich besonders die Allokation in inflationsgebundene Anleihen bewährt.“ Auch bei Aktien denkt Gutmann nicht primär in Regionen, sondern in Geschäftsmodellen. „Wir investieren bottom-up in einzelne Geschäftsmodelle und Themen.“ Daraus resultiert eine globale Aufstellung mit starker US-Gewichtung. Thematisch dominieren Digitalisierung, Dividenden, Wirtschaftsmotoren, Konsumwandel, Defensive und Value sowie Japan. Das Bankhaus Gutmann verzichtet auf strukturierte Produkte oder Laufzeitenfonds und setzt auf Vermögensverwaltung in liquiden und börsennotierten Wertpapieren. STRATEGIE SCHLÄGT SCHLAGZEILE Robert Karas, Chief Investment Officer, Bank Gutmann Credits: beigestellt; Prasong/stock.adobe.com; Christian Sajowitz: Strmk. Spk../Stephan Huger; „Für langfristige Investoren mit ausreichend Risikoverständnis empfehlen wir nach wie vor, ein gutes Maß an Aktien im Portfolio zu halten.“ Christian Sajowitz, Leiter Private Banking Wien, Steiermärkische Sparkasse Ausgabe Nr. 3/2026 – GELD-MAGAZIN . 23

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