GELD-Magazin, Nr. 3/2026

Credits: Helmut Siegler: © Schoellerbank/Lukas Bezila; Andreas Weidinger: © Kathrein Privatbank /Sabine Klimpt BANKING . Privatbanken-Umfrage Kathrein reduziert die Aktienquote auf neutral, bleibt bei langen Anleihelaufzeiten vorsichtig und achtet bei Unternehmensanleihen auf sorgfältige Emittentenauswahl. Der MSCI ACWI erreichte laut Bloomberg am 22. Mai 2026 ein neues Hoch, getragen von US-Gewinnen und KI-Phantasie. Gleichzeitig mahnt Andreas Weidinger von der Kathrein Privatbank: „Die Inflation ist zurück und wirft viele Prognosen über den Haufen.“ Als Bewertungswarnsignal nennt Weidinger auch SpaceX mit angestrebtem Unternehmenswert von 1,75 Billionen USDollar bei 18,7 Milliarden US-Dollar Umsatz im Vorjahr. Liquidität ist bei Kathrein „Handlungsreserve und Risikopuffer“. Eine allgemeingültige Zielquote in Prozent wird mit den Kunden individuell festgelegt. Zu den Laufzeiten der Anleihen äußert sich Weidinger: „Wir bleiben bei langen Laufzeiten vorsichtig und haben die Zinssensitivität in den Portfolios deutlich reduziert, weil wenig dafür spricht, dass die Renditen langfristiger Anleihen rasch sinken werden.“ Der größte Baustein im Anleihenportfolio sind EuroStaatsanleihen, ergänzt um währungsgesicherte US-Treasuries und inflationsindexierte Anleihen. Unternehmensanleihen bleiben trotz enger Spreads gefragt, erfordern aber sorgfältige Emittentenauswahl. Staatsanleihen sind aktuell übergewichtet. Im High-Yield-Segment agiert die Kathrein Privatbank vorsichtiger und gibt entsprechende Positionen zugunsten deutscher Staatsanleihen mit Laufzeiten bis zu einem Jahr auf. Bei Aktien wurde die Quote von übergewichtet auf neutral reduziert. Die Europa-Übergewichtung wurde etwas reduziert, Japan und Kanada sind übergewichtet. Die USA wurden erhöht, bleiben aber gegenüber dem Weltindex etwas untergewichtet, um Klumpenrisiken bei großen Technologietiteln zu vermeiden. Emerging Markets sind neutral gewichtet, allerdings ohne China-Exposure. Stilistisch wird defensiver und qualitätsorientierter agiert: Small Caps wurden reduziert, globale defensivere Aktien erhöht. Übergewichtet sind Rohstoffe und Industrietitel, Health Care und nichtzyklischer Konsum wurden aufgestockt. Private Markets gewinnen als Beimischung an Bedeutung, bleiben aber nur geeigneten Investoren vorbehalten. Gold wird als klassischer Diversifikator gesehen, mit einer Faustformel von fünf bis zehn Prozent des Gesamtvermögens als physisch hinterlegte Depotlösung. DEFENSIVE QUALITÄT IM FOKUS Andreas Weidinger, Head of Asset Management, Kathrein Privatbank Robuste Unternehmensgewinne, mittlere Anleihenlaufzeiten und globale Diversifikation prägen die Schoellerbank-Perspektive auf das aktuelle Marktumfeld. Schoellerbank-Vorstandschef Helmut Siegler sieht ein Spannungsverhältnis: „Das aktuelle Marktumfeld ist geprägt von der Gegenläufigkeit starker Fundamentaldaten und erhöhter geopolitischer Unsicherheit.“ Robuste Gewinne in den USA und Asien stützen: „Angetrieben von den Tech-Giganten und deren massiven Investitionen in die KI-Infrastruktur erweist sich die Gewinnentwicklung der Unternehmen als tragende Säule des Wirtschaftswachstums.“ Liquidität gilt als Reserve, nicht als Vermögensmotor. „Liquidität sichert Flexibilität, aber Sachwerte und Laufzeiten schaffen Vermögen.“ Für eine positive Realrendite „führt kein Weg an renditestarken Assetklassen wie Aktien oder Unternehmensanleihen vorbei.“ Bei Renten ist die Linie klar: „Die erhöhte Volatilität langfristiger Renditen veranlasst uns, das lange Ende der Zinskurve derzeit zu meiden und den Schwerpunkt auf das attraktiv bewertete mittlere Laufzeitensegment von rund fünf Jahren zu legen.“ Sehr lange Laufzeiten reagieren empfindlich auf Staatsverschuldung und strukturelle Inflationsrisiken durch Geopolitik und Deglobalisierung. Im Fünfjahresbereich sieht die Schoellerbank dagegen Renditevorteile gegenüber dem Geldmarkt, ohne hohe Volatilität langlaufender Anleihen tragen zu müssen. Bei Anleihen plädiert Siegler für globale Diversifikation. „Ein rein eurozentrierter Ansatz im Anleihenmanagement greift zu kurz.“ Fremdwährungsanleihen hochindustrialisierter Wirtschaftsräume können über asynchrone Notenbankzyklen (etwa in den USA oder Australien) und Safe-Haven-Währungen stabilisieren. Schwellenländeranleihen sind als Beimischung interessant, weil viele Emerging Markets attraktive reale Renditen bieten. Inflationsgeschützte Anleihen runden ab. Die Aktienpositionierung bleibt wachstumsorientiert; US-Aktien bleiben trotz hoher Bewertungen angesichts sehr robusten Wachstums alternativlos. Schwellenländer punkten mit hohem Gewinnwachstum und moderaten Bewertungen. Zudem bietet die Schoellerbank Privatkunden Zugang zu Privatmärkten über den BlackRock Multi-Alternative Growth, einen ELTIF 2.0 mit Anteilsklassen ab 10.000 und ab 500.000 Euro. CHANCEN TROTZ UNSICHERHEIT Helmut Siegler, Vorstandsvorsitzender, Schoellerbank 24 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 3/2026

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