GELD-Magazin, Nr. 3/2026

Wie setzen die Privatbanken ihre Rentenstrategien bevorzugt um? Unter Kostenaspekten stellen vermögende Kunden diese Frage. Die Bank Gutmann setzt je nach Kundenbedürfnis Mandate über Einzeltitel, Publikumsfonds, Dachfonds oder als eigenen Spezialfonds um. Ebenfalls eine individuelle Umsetzung erfolgt bei der Schoellerbank. Dazu Siegler: „In der Schoellerbank Vermögensverwaltung nutzen wir hierzu unsere hauseigenen Bausteinfonds, selektiv Fremdfonds etablierter Fondsgesellschaften und bei höheren Anlagevolumina auch Einzeltitel.“ Auf bewährte ‚Hausmittel‘ setzt Weidinger von der Kathrein Privatbank: „Wir setzen auf unsere hauseigenen, aktiv gemanagten Anleihenfonds als zentralen Baustein. Unsere Devise lautet aktive Steuerung der Laufzeiten, um auf Veränderungen schnell reagieren zu können.“ Die Steiermärkische Sparkasse verweist darauf, dass auch hier die spezielle Antwort konkret mit den Kunden gefunden werden muss. Als interessante Beimischung erwähnt Schoellerbank-Chef Siegler Schwellenländer-Anleihen und begründet dies wie folgt: „Viele Emerging Markets präsentieren sich fundamental disziplinierter als westliche Staaten, gestützt auf hohes Wachstum und niedrige Verschuldung. Da ihre Zentralbanken konsequent agieren, profitieren Anleger von attraktiven realen Renditen bei geringer Korrelation zu den Heimatmärkten.“ Als besonderes Spezialprodukt im Bereich Privatmarktanlagen bietet die Schoellerbank mit dem BlackRock Multi-Alternative Growth (MAG) einen ELTIF 2.0 an. Dieser ermöglicht durch den Multi-Alternative-Portfolio-Ansatz eine erhöhte Diversifikation in Privatmärkten, da er in mehrere Privatmarktanlageklassen und -strategien investiert. „Mit BlackRock konnten wir einen der renommiertesten Investmentmanager gewinnen. Die innovative Evergreen-Struktur ermöglicht es Anlegern, dieses Investment auch in späteren Phasen zu tätigen und einen ersten Exit ab Ende März 2027 durch Rücknahme der Anteile durch die Verwaltungsgesellschaft in Anspruch zu nehmen“, erklärt Siegler. Faktor Erbe: Christian Sajowitz von der Steiermärkischen Sparkasse beobachtet einen wichtigen Trend: „Wir sehen, dass die vermögende Kundschaft immer jünger wird, daher selbst noch stark im Berufsleben involviert ist und sich gerne nach ihren Vorgaben für Vermögensverwaltungsmandate entscheidet.“ Viele ‚jüngeren‘ Kunden zählen zur Erbengeneration. Dazu Andreas Weidinger von der Kathrein Privatbank: „Der Vermögensübergang ist das wesentliche Thema im Private Banking zur Zeit. Bis 2050 werden laut Zahlen der Arbeiterkammer 500 Milliarden Euro in Österreich vererbt werden.“ Aktien bleiben ein Thema, doch die Experten der Steiermärkischen Sparkasse warnen vor zu hohen Cashbeständen, Indexkonzentrationen und überzogener KI-Fantasie. Karl Freidl, Leiter Private Banking Graz der Steiermärkischen Sparkasse, sieht wegen politischer Risiken und Ölpreisen ein sehr volatiles Umfeld. Die Unternehmensergebnisse im ersten Quartal sind hingegen positiv ausgefallen und die Erwartungen für 2026 konnten nach oben revidiert werden, besonders bei US-Aktien. Freidl warnt vor zu viel unverzinster Liquidität: „Hohe Liquiditätsstände zu halten, um einem möglichen Crash zu entgehen, kann sehr teuer werden.“ Rücksetzer seien in den vergangenen zwei Jahren rasch aufgeholt worden. Zudem gebe es wieder Zinsen über alle Laufzeiten. Sinnvoll seien liquide sichere Anlagen, um handlungsfähig zu bleiben und stärkere Rücksetzer an Aktienmärkten zu nutzen. Bei Anleihen sieht Freidl Chancen. Da für zwölf Monate bei längeren Laufzeiten nur Renditeanstiege von 0,05 bis 0,15 Prozent erwartet werden, könne es sinnvoll sein, in Euro längere Laufzeiten zu prüfen. Eskaliere der Iran-Konflikt und steige Öl über 100 US-Dollar, bleibe das Zinsänderungsrisiko erhöht. Sein Fazit: „Höheres Risiko bedeutet ja auch höhere Chancen.“ Christian Sajowitz, Leiter Private Banking Wien, zufolge wird ein Kundenportfolio von Veranlagungszielen und Risikoneigung bestimmt. Er konkretisiert: „Für langfristige Investoren mit ausreichend Risikoverständnis empfehlen wir nach wie vor, ein gutes Maß an Aktien im Portfolio zu halten.“ Euro-Anleihen und selbst österreichische Staatsanleihen seien nicht unattraktiv, könnten aktuell inflationsbedingt die Kaufkraft nicht erhalten. Bei Aktien sieht Sajowitz Wachstum primär in den USA, warnt aber vor blinder Übernahme klassischer Index-Allokationsmodelle, weil Länder- und Branchenkonzentrationen zugenommen haben. Europa sei attraktiver bewertet, aber langsamer im Wachstum. Emerging Markets böten eine Mischung aus beiden Welten. Small Caps halten die Experten der Steiermärkischen Sparkasse nach langer Underperformance für lohnenswert. Strukturell rücken resiliente Portfolios, Profitabilität und Dividendenwerte in den Fokus. Pointiert ist Sajowitz bei KI und Technologie: „Wir wollen zwar nicht von der Index Bubble sprechen – aber unserer Meinung nach ist da etwas zu viel KI und Technologie Phantasie bereits eingepreist.“ NICHT BLIND DEM INDEX FOLGEN Karl Freidl, Leiter Private Banking Graz, Steiermärkische Sparkasse UMSETZUNG RENTENSTRATEGIE UND SPEZIALPRODUKTE Credits: Karl Freidl: © Steiermärkische Sparkasse/Margit Kundigraber Ausgabe Nr. 3/2026 – GELD-MAGAZIN . 25

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