Da verstehe noch einer die Welt: In Zeiten extremer Krisen (Naher Osten, Ukraine etc.) hat Gold schwere Einbußen hinnehmen müssen. Just als Donald Trump das (angebliche) Kriegsende im Iran verkündete, zog das Edelmetall aber wieder an. Krisenwährung ade? So einfach ist das nicht, werfen wir dazu einen Blick in die jüngere Geschichte. Vom Hoch zum Crash Im Jänner 2026 verzeichnete Gold den größten monatlichen Anstieg seit September 1999 und markierte mit 4.600 Euro pro Feinunze ein All-Time-High. Dann krachte es bald gehörig: Im März erlitt das Edelmetall den stärksten monatlichen Absturz seit Juni 2013. Somit war das erste Quartal des Jahres 2026 für das Edelmetall außergewöhnlich ereignisreich, der Trendpfeil war in weiterer Folge abwärts gerichtet. Wie geht es jetzt weiter? Nitesh Shah, Rohstoff-Experte bei WisdomTree, zeichnet drei Szenarien auf Sicht eines Jahres: Erstens, Konsensszenario: Trotz steigender Inflation, höherer Anleiherenditen und eines vorübergehend stärkeren Dollars wird erwartet, dass der Goldpreis im kommenden Jahr auf 5.500 Dollar je Unze steigen wird und damit nahezu ein neues Rekordniveau erreicht. Zweitens, Bullenszenario: Die Inflation steigt infolge der Energiekrise und anhaltender Lieferkettenprobleme auf vier Prozent, während zugleich die Anleiherenditen trotz einer zurückhaltenden Federal Reserve weiter zulegen. Der Dollar würde dabei stärker abwerten als im Konsensszenario. Sollte die Fed trotz hoher Inflation auf eine Straffung verzichten, dürfte Gold als Schutz vor Fiatgeldentwertung deutlich an Attraktivität gewinnen. Drittens, Bärenszenario: Es gelingt der Fed, die Inflation durch höhere Leitzinsen wieder auf zwei Prozent zu senken, allerdings zulasten des Wirtschaftswachstums. Die restriktivere Geldpolitik würde den Greenback deutlich stärken und gleichzeitig die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen auf etwa 3,5 Prozent drücken. In diesem Umfeld dürfte der Goldpreis auf 4.600 bis 4.650 US-Dollar pro Unze zurückfallen und damit ungefähr das Niveau von Anfang 2026 erreichen. Nitesh Shah resümiert: „Selbst im Konsensszenario erreicht der Goldpreis auf Schlusskursbasis wieder ein Allzeithoch und übertrifft die bisherigen Spitzenwerte, wenn man den kurzlebigen Tageshöchststand vom Januar 2026 ausschließt.“ Der „Anker“ Ein anderer hochangesehener EdelmetallSpezialist, der Österreicher Ronald Stöferle vom Vermögensverwalter Incrementum, fasst seine Sicht der Dinge zusammen: „Gold ist kein Allheilmittel, sondern ein Anker. Deshalb haben wir bereits im ‚In GoldWe TrustMÄRKTE & FONDS . Trend 2026 . Rohstoffe Was ist bloß mit Gold los? Das Edelmetall hat im heurigen Jahr die Erwartungen vieler Anleger enttäuscht - waren die Hoffnungen zu hoch gesteckt? Dabei sollte man aber nicht auf die vorhergehende starke Gold-Performance vergessen. HARALD KOLERUS Gold ist nicht immer gleich Gold – zumindest im Sinne der Asset Allocation. Credits: beigestellt; ANDREY PROFOTO/stock.adobe.com „Selbst im Konsensszenario erreicht der Goldpreis wieder ein Allzeithoch.“ Nitesh Shah, Leiter für Rohstoff- und MakroResearch für Europa bei WisdomTree 48 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 3/2026
RkJQdWJsaXNoZXIy MzgxOTU=