GELD-Magazin, Nr. 3/2026

Die EZB-Leitzinsanhebung um 0,25 Prozentpunkte bei allen drei Leitzinsen am 11. Juni war erwartet worden. Vom 1. bis 11. Juni stieg der DreiMonats-Euribor von 2,245 auf 2,401 Prozent. Damit ist ein weiterer Zinsschritt teilweise eingepreist. Aus Futures-Daten ergibt sich laut econforecasting.com bis Juni 2027 ein Drei-Euribor-Peak von 2,74 Prozent, was zwei weitere Leitzinsanhebungen impliziert. Am langen Ende setzte nach den jüngsten Renditeanstiegen eine Gegenbewegung ein: Zehnjährige deutsche Bundesanleihen rentierten auf Zwölf-Monats-Sicht zwar rund 46 Basispunkte höher bei knapp drei Prozent, gaben zuletzt jedoch auf Monatssicht um sieben Basispunkte nach. Staatsanleihen mittlerer Laufzeit John Taylor, Head of European Fixed Income und Director of Global Multisector bei AllianceBernstein (AB), sagte vor der EZBEntscheidung: „In der Eurozone erwarten wir, dass die EZB auf den Inflationsschock zunächst mit weiteren Zinserhöhungen um insgesamt rund 50 Basispunkte reagiert.“ Das entspräche einem Einlagenzins von 2,50 Prozent. 2027 erwartet er wegen schwächerer Wachstumsaussichten Senkungen Richtung zwei Prozent. Für Großbritannien hält Taylor eingepreiste Zinserhöhungen für überzogen, für die USA sieht er stabile Leitzinsen. In Japan dürfte die BoJ ihren vorsichtigen Normalisierungskurs fortsetzen. Aktuelle Chancen sieht Taylor: „Die attraktivsten Chancen sehen wir in entwickelten Märkten, in denen höhere Renditen auf bereits schwächere Wachstumsperspektiven treffen – vor allem in Großbritannien, Deutschland, Australien und Kanada. Sollte der Iran-Konflikt rasch enden, dürften Inflationssorgen nachlassen und Renditen fallen. Sollte er länger anhalten, würden höhere Energiepreise die Nachfrage bremsen und ebenfalls Druck auf mittlere Renditen ausüben.“ Zu Laufzeiten: „Bei Laufzeiten fokussieren wir uns auf den Bereich von fünf bis zehn Jahren. Dort erwarten wir die stärkste Reaktion auf schwächeres Wachstum. Bei sehr langen Laufzeiten sind wir hingegen vorsichtiger, da sie stärker durch fiskalische Risiken belastet werden können“, erklärt Taylor und ergänzt: „Wir steuern Duration über Szenarien statt über einen eindimensionalen Blick auf die Inflation. Höhere Ölpreise treiben kurzfristig die Inflation, belasten mittelfristig aber Wachstum und Nachfrage. Deshalb bevorzugen wir mittlere Laufzeiten von fünf bis zehn Jahren. Diese MÄRKTE & FONDS . Trend 2026 . Anleihen Die richtigen Anleihensegmente zählen Höheren Inflationsraten, Abschwungsrisiken auf der einen Seite, stehen begrenzte Zinsanhebungsrisiken auf der anderen Seite gegenüber. In einer überlegten Anleihensegmentauswahl sehen Experten noch immer Gewinnchancen. MICHAEL KORDOVSKY Die EZB hat den Leitzins im Euro-Raum erstmals seit 2023 wieder angehoben Credits: beigestellt; nmann77/stock.adboe.com „Die attraktivsten Chancen sehen wir in entwickelten Märkten, in denen höhere Renditen auf bereits schwächere Wachstumsperspektiven treffen.“ John Taylor, Head of European Fixed Income and Director of Global Multisector bei AllianceBernstein 44 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 3/2026

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