GELD-Magazin, Nr. 3/2026

Zinsfalken setzen sich durch. Die Streitfrage, ob eine rasche Zinserhöhung notwendig sei, um einen Inflationsschock wie 2022 zu verhindern, als die Europäische Zentralbank (EZB) zu lange zögerte und ihr die Geldentwertung in der Folge 2023 davonlief, ist entschieden: Am 11. Juni wurde der Einlagensatz um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent erhöht. Dies trotz des Risikos, die europäische Konjunktur, die sich vom letzten Zinsschock gerade erst zu erholen beginnt, wieder abzuwürgen. Es besteht die Hoffnung, dass die Geldpolitik bei frühzeitiger Reaktion mit ein, maximal zwei Zinserhöhungen ihr Auslangen finden könnte. Immerhin ist die Inflation zuletzt auf 3,2 Prozent angestiegen und selbst bei einer Befriedung des Iran-Konflikts dürften die Energiepreise vorerst auf erhöhtem Niveau verharren. Allerdings ist die Wirtschaft der Eurozone im ersten Quartal um 0,2 Prozent im Quartalsvergleich geschrumpft. Die Gefahr einer breit angelegten Rezession besteht dennoch nicht, denn hauptverantwortlich für diese Schwäche waren maue Daten aus Irland. Zudem sind die Einzelhandelsumsätze stärker als erwartet gefallen. Hier waren aber Umsatzrückgänge an den Tankstellen infolge des kräftigen Anstiegs der Spritreise der wichtigste Einflussfaktor. Immerhin hat sich die Stimmung der Dienstleister in der Eurozone zuletzt überraschend verbessert, verharrte aber unterhalb der Expansionsschwelle von 50 Zählern. (wr) Zinserhöhung unvermeidlich. Obwohl in Japan die Inflation unter Kontrolle zu sein scheint, wollten Japans Geldhüter kein Risiko eingehen und haben in Reaktion auf die gestiegenen Energiepreise die Leitzinsen erhöht. Dies war allerdings erwartet worden und hatte somit keine Auswirkungen auf die Aktien- und Anleihemärkte. Im Gegenteil: Der Nikkei 225-Index erklomm zuletzt neue Rekordhochs. Das ist kein Widerspruch: Verantwortlich für die Aktienhausse sind nach wie vor Faktoren wie die Stärke im Halbleitersektor, der für Japan sehr wichtig ist, die Hoffnung auf ein weiteres Konjunkturprogramm der Regierung, sowie überraschend starke Wirtschaftsdaten. So sind Japans Exporte weiterhin sehr stark – zuletzt stiegen sie um fast 15 Prozent. Obwohl im ersten Quartal noch nichts von einem Energiepreisschock zu sehen war, hat die Bank of Japan vorsorglich die Zinsen von 0,75 auf 1,0 Prozent angehoben. Ein gewisser Druck war an den Anleihemärkten Japans zu spüren, denn hier sind die Renditen zehnjähriger Staatspapiere auf fast 2,7 Prozent und somit auf den höchsten Stand seit drei Jahrzehnten gestiegen. Starke Lohnerhöhungen und Arbeitskräftemangel sind derzeit die zentralen Themen. Sektoren wie Finanzwerte, auf die Binnenwirtschaft ausgerichtete Firmen und zyklische Bereiche wie Immobilien, Chemie und Bau könnten im derzeitigen Szenario am meisten profitieren. (wr) EUROPA . Das Wagnis der EZB Neues Rekordhoch Der Euro Stoxx 50 Index konnte als Folge der sich abzeichnenden Entspannung im USA-Iran-Konflikt Mitte Juni ein neues Allzeithoch bei gut 6.300 Punkten erklettern. Damit wird die Marke von 6.000 Zählern zu einer starken Unterstützung. Und wieder ein Allzeitrekord Der Nikkei-Aktienindex der 225 größten japanischen Unternehmen ist einfach nicht zu halten: Er durchbrach fast mühelos die Marke von 65.000 Punkten und übersprang im Anschluss daran auch gleich die 70.000-Punkte-Hürde. EURO STOXX 50 NIKKEI 225 JAPAN . Bank of Japan erfüllt die Erwartungen Ausgabe Nr. 3/2026 – GELD-MAGAZIN . 63 Indexpunkte in EUR 3.500 4.000 4.500 5.000 6.500 6.000 5.500 3.000 2021 2022 2023 2024 2025 ´26 Indexpunkte in JPY 70.000 55.000 65.000 60.000 50.000 45.000 35.000 25.000 30.000 40.000 20.000 2021 2022 2023 2024 2025 ´26

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