Credit: B. Stadler/Bwag Schock in Wien Am 21. Dezember 1975 stürmen sechs Terroristen unter Führung des Venezolaners Carlos „der Schakal“ die Zentrale der OPEC in Wien. Die Angreifer nahmen rund 70 Geiseln, darunter mehrere Ölminister. Drei Menschen wurden getötet: ein österreichischer Polizist, ein irakischer Sicherheitsbeamter und ein libyscher Delegierter. Nach stundenlangen Verhandlungen lenkte Bundeskanzler Bruno Kreisky ein, die Terroristen erzwangen ein Flugzeug und flohen mit Geiseln nach Algier. Der Anschlag machte Wien erstmals zum Schauplatz internationalen Terrorismus und sorgte weltweit für Aufsehen – auch, dass „der Schakal“ vom damaligen österreichischen Innenminister, Otto Rösch, per Handschlag verabschiedet wurde. 1960: Die OPEC wird in Bagdad von Iran, Irak, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela gegründet. 1973: Im Zuge des Nahostkriegs verhängen mehrere arabische OPEC-Staaten ein Ölembargo gegen westliche Unterstützer Israels. Die Ölpreise steigen stark an, die OPEC gewinnt erheblichen politischen und wirtschaftlichen Einfluss. 1980er Jahre: Sinkende Nachfrage und Überproduktion führen zu Preisverfall und Spannungen innerhalb des Kartells. Förderquoten werden eingeführt und angepasst, um den Markt zu stabilisieren. 2000er Jahre: Die OPEC festigt ihre Rolle als wichtiger Akteur auf dem globalen Energiemarkt. Steigende Nachfrage aus Schwellenländern lässt die Ölpreise zeitweise stark ansteigen. 2016: Mit der Gründung von „OPEC+“ beginnt die Zusammenarbeit mit wichtigen Nichtmitgliedern, insbesondere Russland. Gemeinsame Förderabsprachen sollen den Ölmarkt stabi- lisieren. 2020: Die COVID-19-Pandemie ver- ursacht einen historischen Nachfragerückgang. DIe OPEC+ beschließt die größten Förderkürzungen ihrer Geschichte, um den Preisverfall zu begrenzen, Öl wird tatsächlich wieder teurer. 2026: Die Vereinigten Arabischen Emirate verlassen das Bündnis. Kurze Geschichte der Opec: 10 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 3/2026 Energie-, Transport- und Versicherungskosten wirken sich zunehmend auf nachgelagerte Wertschöpfungsketten aus“, so wiederum die DekaBank. Auch hier bleibt die Entwicklung also volatil und vom Kriegsgeschehen abhängig. Die Prognosen der EZB und EU-Kommission reichen von Basisszenarien mit 80 Euro pro Megawattstunde (MWh) bis zu Stress-Szenarien von 110 Euro bis Ende 2026 für den europäischen Gaspreis. Der Dutch TTF-Großhandelspreis liegt aktuell bei etwa 48 bis 50 Euro/ MWh. VAE ziehen den Hut In diesen äußerst bewegten Zeiten ließ folgende Meldung aufhorchen: Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind überraschend am 1. Mai 2026 aus der OPEC+ ausgetreten. Als Gründe wurden offiziell nationale Interessen, eine unabhängige Förderpolitik und der Wunsch nach mehr Flexibilität bei der Ölproduktion genannt. Die VAE gehörten zuletzt zu den größten Förderländern innerhalb des Bündnisses. Kein Geheimnis ist, dass es seit Jahren Spannungen zwischen den VAE und Saudi-Arabien rund um die Förderquoten gab. Sprich: Die VAE wollen mehr Öl produzieren, als von der OPEC+ erlaubt und können sich das auch leisten, weil sie nicht so stark von hohen Ölpreisen abhängig sind wie beispielsweise Saudi-Arabien. Denn die Wirtschaft der VAE ist heute wesentlich stärker diversifiziert als in vielen anderen Staaten der OPEC+. Bereiche wie Finanzdienstleistungen, Handel, Logistik, Tourismus und Technologie machen einen großen Teil der Wirtschaftsleistung in den Emiraten aus. Fazit Einen Zerfall der OPEC+ bedeutet der Austritt nicht, tatsächlich sind immer wieder Mitglieder abgesprungen und neue hinzugekommen. Einen kräftigen Schlag für das Bündnis setzt das dennoch, weil seine Marktmacht eingeschränkt wird. Mit langfristig tendenziell dämpfender Wirkung für den Rohölpreis. BRENNPUNKT . Öl- & Gasmarkt OPEC-Zentrale: Seit 1977 residiert die OPEC in Wien und war ursprünglich in der Oberen Donaustraße im 2. Gemeindebezirk angesiedelt. 2009 wechselte sie in das moderne Gebäude im 1. Bezirk, in der Helferstorferstraße.
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