Vorweg: Die Macht der OPEC+ ist weder zu unter- noch zu überschätzen. Die Hard Facts: Die Mitgliedstaaten des Kartells kontrollieren den Großteil der weltweit nachgewiesenen Erdölreserven, die Drosselung bzw. Ausweitung der Fördermengen hat somit einen spürbaren Einfluss auf die globale Preisgestaltung des „schwarzen Goldes“. Die weltweit nachgewiesenen Rohölreserven beliefen sich Ende 2025 auf 1.572 Milliarden Barrel, davon ent- fielen knapp 80 Prozent auf Mitgliedsländer der OPEC+. Keine unbegrenzte Macht Allerdings hat der Ende Februar losgetretene Iran-Krieg deutlich vor Augen geführt, dass auch der Einfluss der OPEC+ begrenzt ist. Vor allem das Gezerre um die Straße von Hormus hat den Ölpreis in lichte Höhen katapultiert. Je nach Nachrichtenlage und kursierende Gerüchte um eine Beendigung des Konflikts fallen oder steigen die Preise. In einer Analyse der DekaBank vom Juni heißt es dazu: „In unserem Hauptszenario sollte die Straße von Hormus in absehbarer Zeit wieder passierbar sein (ohne genaue Eingrenzung des Zeithorizonts, Anm.). Die Verwerfungen durch den Nahost-Krieg werden sich am Rohölmarkt allerdings nur allmählich auflösen.“ Die Ölnachfrage dürfte laut den Experten zwar durch konjunkturelle Schleifspuren aufgrund des Nahost-Konflikts und durch die höheren Ölpreise etwas gebremst werden, aber das Überangebot, das vor dem Krieg im Nahen Osten den globalen Ölmarkt geprägt hatte, wird aufgrund der Angebotsbeschränkungen in diesem und im nächsten Jahr nicht zurückkehren.“ Prognose der DekaBank: „Es wird noch einige Quartale dauern, bis sich die technischen und logistischen Schwierigkeiten bei der Ölförderung, beim Transport und bei der Weiterverarbeitung auflösen. All das bedeutet im Prognosezeitraum zwar einen fallenden Ölpreistrend, aber ein erhöhtes Ölpreisniveau im Vergleich zu der Zeit vor dem Nahost-Krieg.“ In den kommenden zwölf Monaten erwarten die Rohstoff-Spezialisten unterm Strich einen Preis der Sorte Brent von 70 US-Dollar pro Barrel. Das würde einen erheblichen Abfall bedeuten, denn Mitte Juni notierte Brent bei rund 90 US-Dollar. Es bleibt also turbulent und volatil am Ölmarkt, vor allem weil niemand seriös abschätzen kann, wie sich die Situation in Nahost – auch nach möglichen diplomatischen Erfolgen – langfristig weiterentwickelt. Turbulente Zeiten Wie sieht es im Vergleich dazu mit den Gaspreisen aus? Auf diesen hat die OPEC+ noch viel weniger und nur indirekten Einfluss als auf Erdöl. Es existiert das Gas Exporting Countries Forum (GECF, 20 Mitgliedsländer), dem unter anderem Katar, Russland, die Vereinigten Arabischen Emirate, Venezuela, Iran und Algerien angehören. Aber GECF im internationalen Gasgeschäft ist bei weitem nicht mit der Rolle der OPEC+ im Erdölbereich zu vergleichen. Denn die Gasmärkte sind regionaler strukturiert – Öl wird weltweit relativ einfach transportiert und gehandelt. Erdgas ist oft an Pipelines oder an die Infrastruktur für Flüssigerdgas (LNG) gebunden. Außerdem spielen langfristige Lieferverträge beim Gas traditionell eine größere Rolle als bei Erdöl. Wobei der Konflikt um die Straße von Hormus auch den Gaspreis ansteigen ließ. „Der europäische Erdgasmarkt blieb von der Unsicherheit über die Lieferketten geprägt. Die höheren OPEC minus Dem mächtigen Kartell geht mit den Vereinigten Arabischen Emiraten ein wichtiges Mitglied verloren. Was bedeutet das für die internationalen Erdölpreise? Und zerbröckelt gar die OPEC+? MARIO FRANZIN Credit: Cavan Images/stock.adobe.com Öl als Spielball des Krieges Der Iran-Konflikt hat dem Ölpreis einen ordentlichen Schub versetzt und die Grenzen der Macht der OPEC+ vor Augen geführt. Ausgabe Nr. 3/2026 – GELD-MAGAZIN . 9 in USD/Barrell 55 110 100 120 130 80 70 60 90 ´26 2022 2023 2024 2025
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