Dichter Nebel, aber ruhige See im 2. Halbjahr 2026 In dem derzeitigen Marktumfeld ist es eigentlich nicht möglich, solide und vor allen Dingen valide Aussagen zu den zukünftigen Entwicklungen an den Wertpapiermärkten zu treffen. Zu schnell ändern sich die politischen, fiskalischen und geopolitischen Rahmenbedingungen und beeinflussen die Ökonomie ebenso wie die Finanzmärkte. Die derzeit global wieder steigende Inflation führt dazu, dass die Zentralbanken ihre bisherige eher lockere Geldpolitik überdenken und die Zinsen in der zweiten Jahreshälfte nicht wie von vielen Marktteilnehmern erwartet, senken werden, sondern diese zumindest unverändert lassen oder sogar anheben. Zinsen Steigende Zinsen sind sowohl für die Besitzer festverzinslicher Wertpapiere als auch für Aktienbesitzer keine guten Nachrichten, da diese zu Kursverlusten führen können. Während bei festverzinslichen Anlagen der Zins (bei Verkauf) über einen niedrigeren Preis an den marktüblichen Zins angepasst wird, ändern steigende Zinsen für Aktien das allgemeine Umfeld. Steigende Zentralbankzinsen führen in der Regel zu steigenden Finanzierungskosten für die Unternehmen, was deren Gewinne drückt. Da fallende oder stagnierende Gewinne von den Investoren negativ bewertet werden, könnten steigende Zinsen kurz- bis mittelfristig den Aktienmarkt negativ beeinflussen. Zudem könnten festverzinsliche Wertpapiere durch steigende Zinsen für Investoren, die regelmäßige Ausschüttungen benötigen, attraktiver werden als Aktien, die eine Dividende zahlen. Somit können steigende Zinsen, zumindest in einem begrenzten Umfang, zu einer Anlageklassenrotation weg von Aktien hin zu festverzinslichen Wertpapieren führen. Rohstoffe Auch Edelmetalle wie Gold, Silber oder Platin können bei steigenden Zinsen weitere Kursverluste erleiden. Gold galt lange als sicherer Hafen, der auch zum Schutz gegen Inflation genutzt werden konnte. Doch wenn die Zinsen über ein gewisses Maß hinaus steigen, scheinen viele Anleger festverzinsliche Wertpapiere mit einer niedrigen Realverzinsung attraktiver zu finden als das zinslose Gold. Diese Aussagen treffen generell auch auf andere liquide zinslose Anlagen, wie zum Beispiel Bitcoin, zu. Allerdings spielen bei Kryptowährungen noch viele andere Einflussfaktoren eine wichtige Rolle, was eine verlässliche Prognose noch schwieriger macht. Aktienmärkte Schaut man sich diese Rahmendaten an, müssten wir uns eigentlich in einem negativen Marktumfeld befinden. In Wirklichkeit eilen viele Aktienmärkte unter einer erhöhten Volatilität von einem Rekordhoch zum nächsten. Genau diese gegenläufige Entwicklung ist es, die eine Prognose für die zweite Jahreshälfte des Jahres 2026 so schwer macht. Da es nicht möglich ist, eine eindeutige Vorhersage zu treffen, sollten Anleger in der zweiten Jahreshälfte in Risikoanlagen wie Aktien vorerst weiterhin leicht übergewichtet bleiben und auf etwaige negative Nachrichten sofort reagieren. In dem derzeitigen Marktumfeld kann eine einzelne schlechte Nachricht auf Unternehmensebene, insbesondere bei den hochbewerteten Technologiewerten, den ganzen Markt in Mitleidenschaft ziehen. Anleihen Im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere müssen die Anleger die Rhetorik der einzelnen Notenbanken im Auge behalten. Schließlich wollen die Notenbanken die Märkte mit ihren Entscheidungen nicht überraschen, da überraschende geldpolitische Entscheidungen die Aktien- und Rentenmärkte stark belasten können. Somit sollten Anleger ihr Depot in dieser Periode mit unklaren Markt- und Rahmenbedingungen, wie ihren PKW im Nebel, auf Sicht steuern und nicht mit Höchstgeschwindigkeit in der Hoffnung, dass schon nichts passieren wird, fahren. [email protected] Detlef Glow, Research Lead ETFs, LSEG Data & Analytics GASTBEITRAG . Detlef Glow, LSEG Lipper Dieser Artikel dient nur der Information und stellt unter keinen Umständen eine Anlageempfehlung dar. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von der LSEG. FOTO: beigestellt Ausgabe Nr. 3/2026 – GELD-MAGAZIN . 59
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