GELD-Magazin, Nr. 3/2026

Trotz großer Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz bleiben zentrale Herausforderungen der Robotik bestehen. „Die Entwicklungen in der KI beschleunigen die Entwicklung von Robotersystemen deutlich, insbesondere bei der maschinellen Wahrnehmung und bei sprachbasierten Nutzerschnittstellen. Dennoch sieht es im Moment nicht so aus, als ob die heutige KI bereits die besonderen Herausforderungen, die die Robotik mit sich bringt, lösen könnte“, so Robotik-Professor Oliver Brock. Entscheidend sei die Fähigkeit zur sogenannten Generalisierung: Roboter müssten einmal erlernte Aufgaben flexibel auf neue, unbekannte Situationen übertragen können. „Was für Menschen selbstverständlich ist – etwa das Öffnen einer Tür, die sie noch nie gesehen haben –, stellt für Roboter weiterhin eine große Hürde dar, an deren Lösung mit großer Intensität geforscht wird.“ Hinzu komme, dass viele aktuelle Demonstrationen nur unter kontrollierten Bedingungen funktionieren. „Die Tatsache, dass es Menschen so leicht fällt, aber für Roboter bei interessanten Problemen noch nahezu unmöglich erscheint, deutet darauf hin, dass wir etwas Grundlegendes noch nicht verstanden haben, so Brock. Warum KI alleine nicht reicht „In Restaurants, Hotels, Altersheimen oder Krankenhäusern hingegen geht es – zumindest aus Sicht des Roboters – drunter und drüber.“ Oliver Brock, Professor für Robotik an der Technischen Universität Berlin Credit: Oliver Brock : Science of Intelligence 14 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 3/2026 größtes Robotik-Ökosystem. Unser Ziel: mehrere Millionen humanoide Roboter bis 2030“, und er ergänzt: „Bei NEURA Robotics entwickeln wir nicht nur die Hardware, sondern auch das Betriebssystem für physische KI: das Neuraverse. Die KI-Plattform ist ein gemeinsames Gehirn. Es durchbricht Datensilos, indem es Roboter über eine gemeinsame Plattform verbindet, auf der Erfahrungen und Wissen gesammelt und geteilt werden können. Beherrscht ein Roboter eine Aufgabe, steht diese Fähigkeit sofort allen anderen vernetzten Robotern zur Verfügung“. Darüber hinaus sollen alle Partner und Entwickler Zugang zu realen Trainingsumgebungen erhalten. Damit schafft NEURA die Grundlage dafür, „dass kognitive Roboter sicher lernen und ihre Fähigkeiten schneller skalieren können.“ Industrie zuerst Der wirtschaftliche Einsatz humanoider Robotik dürfte sich zunächst auf klar strukturierte Bereiche konzentrieren. „Kurzfristig erwarten wir die größten Produktivitätsgewinne dort, wo strukturierte Umgebungen und vorhandene Daten den Einsatz humanoider Roboter erleichtern, insbesondere in der Automobilindustrie, der Fertigung und der Logistik“, so Reger. In diesen Sektoren lassen sich Prozesse standardisieren. Roboter übernehmen repetitive Aufgaben und ermöglichen Effizienzsteigerungen. Mittelfristig wird sich laut Reger der Einsatz humanoider Roboter zunehmend auf den Service-Bereich, etwa in Krankenhäusern, Hotels und im Einzelhandel, ausweiten. Brock skizziert Unterschiede zwischen Logistikanwendungen und dem Einsatz im Service: „Das liegt daran, dass man in Logistikzentren das Umfeld des Roboters sehr genau gestalten kann. In Restaurants, Hotels, Altersheimen oder Krankenhäusern hingegen geht es aus Sicht des Roboters drunter und drüber. Alles ist in Bewegung, Menschen laufen herum, jeder Tag ist anders und die Aufgaben wechseln ständig.“ Selbst wenn die technischen Voraussetzungen erfüllt sind, bleiben laut Brock viele Fragen offen: „Die Verwendung von Robotern muss gesetzlich geregelt werden, auf unterschiedliche Weise in verschiedenen Anwendungsgebieten, mit Standards, Normen, Zertifizierungen, Versicherungen usw. Das dauert seine Zeit. Bei der Verwendung von humanoiden Robotern in der Fertigung müssen unter Umständen die Herstellungsprozesse von Grund auf neu gestaltet werden.“ Europa im Rennen Im globalen Wettbewerb hat Europa eine solide industrielle Basis und eine starke Ausgangsposition, steht jedoch unter erheblichem Druck. „Europa hat noch nicht das passende Mindset. Oft überwiegt Skepsis, wo Mut und Vision gefragt sind“, sagt Reger. Gleichzeitig sind die strukturellen Stärken klar definiert: „Deutschland verfügt über exzellentes technologisches Know-how, leistungsfähige Industriepartner, hochqualifizierte Fachkräfte und langjährige Erfahrung in Hightech-Maschinenbau und Automatisierung. Unternehmen wie Schaeffler, Bosch oder Schunk sind Meister darin, Bewegung, Kraft und Präzision in Einklang zu bringen – sie liefern die mechanischen ,Muskeln‘ und ,Gelenke‘ der Roboter, die weltweit Fabriken am Laufen halten werden“, so Reger. NEURA Robotics verlagerte 2024 die gesamte Produktion kognitiver Roboter von China nach Deutschland. BRENNPUNKT . Humanoide Robotik

RkJQdWJsaXNoZXIy MzgxOTU=