Vor rund zwei Jahren saß ein Mitarbeiter des britischen Ingenieur- und Beratungskonzerns Arup in einer Videokonferenz. Sein Finanzchef und vertraute Kollegen erschienen am Bildschirm. Die Anweisung war ungewöhnlich, aber nicht völlig abwegig: Er sollte Geld überweisen. Erst später stellte sich heraus: Die Personen waren per Deepfake nachgebildet. Die Konferenz war eine Inszenierung, 25 Millionen Dollar waren spurlos verschwunden. Der Fall zeigt, dass es bei KI-Betrug nicht mehr nur um Spam-Mails geht, sondern um künstlich erzeugtes Vertrauen. Genau dieses Vertrauen ist auch für Versicherungen zentral – und wird nun zum realen Angriffspunkt. Der Voice-Security-Anbieter Pindrop hat bei Kunden aus der Versicherungswelt über 1,2 Milliarden Anrufe analysiert. Das Ergebnis ist beängstigend: KI-gestützte Betrugsversuche sind 2025 um 1.210 Prozent gestiegen. Bereits 2024 stiegen Deepfake-Betrugsversuche laut dem Voice Intelligence and Security Report von Pindrop um 1.300 Prozent. Laut Signicat, einem Anbieter für Betrugsprävention, sind inzwischen 42,5 Prozent aller Betrugsversuche KI-getrieben, fast jeder dritte davon ist erfolgreich. Die KI-Betrüger setzen zunehmend auf skalierbare Modelle, bei denen synthetische Stimmen und automatisiertes Social Engineering klassische Sicherheitsprüfungen binnen Sekunden umgehen können, schreibt Pindrop. „Für Unternehmen ist das nicht einfach nur ein weiterer Trend. Es ist eine grundlegende Verschiebung der Bedrohungslage – und natürlich auch der Art, wie Vertrauen im großen Stil ausgenutzt wird.“ Was machen Versicherer? Deepfakes beschränken sich längst nicht mehr auf Fotos, Videos und Stimmen, sondern erfassen auch Textstile, handschriftliche Dokumente oder biometrische Bewegungsdaten. Gerade im Schadensbereich stellen KI-gestützte Manipulationen Versicherer vor neue Herausforderungen: Bilder, Videos oder Belege lassen sich binnen Sekunden erzeugen und sind oft kaum von echten Aufnahmen zu unterscheiden. Die Betrugswerkzeuge sind nicht mehr Spezialisten vorbehalten, sondern frei zugänglich – mit etwas krimineller Energie kann bereits ein Prompt zum Einstieg in den DeepfakeBetrug reichen. Daher muss auch die Gegenseite aufrüsten. Deepfake-Abwehrtools analysieren eingehende Anrufe binnen Sekunden und zeigen Mitarbeitern in Echtzeit an, ob ein Mensch spricht oder eine Maschine. Bei Videokonferenzen basieren die Analysen auf Unregelmäßigkeiten bei Lippenbewegungen, Atemrhythmus oder Intonation. Laut dem Guardian entdeckte der britische Versicherungskonzern Aviva betrügerische VERSICHERUNG . Cybersecurity Gefälschtes Vertrauen Deepfakes machen Versicherungsbetrug schneller – und schwerer erkennbar. Für Kunden geht es um den Schutz ihrer sensiblen Daten, Datensicherheit und berechtigten Ansprüche. CHRISTIAN SEC KI-Betrug ist für Versicherungsunternehmen eine gewaltige Sicherheitsherausforderung Credits: beigestellt; Archiv; MZ/stock.adobe.com 80 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 3/2026
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