GELD-Magazin, Nr. 3/2026

„Historisch gesehen weisen besicherte Anleihen deutlich höhere Recovery Rates von 60 bis 80 Prozent auf, verglichen mit 30 bis 40 Prozent im unbesicherten Segment.“ Roland Hausheer, Leiter Credit Specialities bei Swisscanto/Zürcher Kantonalbank „Die Risikoaufschläge spiegeln im Moment kein höheres Rezessionsrisiko wider, sondern liegen nahe mehrjähriger Tiefststände. Dies entspricht jedoch auch unserer konjunkturellen Einschätzung, wonach wir die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession eher gering einschätzen“, so Nils Essmann, Portfolio Manager Fixed Income bei M.M.Warburg & CO, der die Höhe der Spreads quantifiziert: Laufzeiten von drei Jahren bei 180 Basispunkten (BP) und fünf Jahren bei 250 BP; Markdurchschnitt: ca. 250 BP. „Das Risiko steigender Ausfallraten sehen wir aufgrund der konjunkturellen Entwicklung als gering an“, so Essmann. „Wichtig bei der Analyse der Kreditqualität sind für uns insbesondere die Verschuldungssituation und die Gewinnentwicklung sowie das Rating und der Ratingausblick. Auch Kennzahlen, die Ertrag und Verschuldung ins Verhältnis setzen – wie beispielsweise Net-Debt to EBITDA – fließen in die Analyse ein“, erklärt Essmann. Emittenten und Anleihen werden nach attraktiven Risikoaufschlägen im historischen Kontext und abhängig von Szenarien selektiert. High Yield Bonds Europa – niedrige Spreads Credit: beigestellt 46 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 3/2026 können dank höherer Ölpreise ihre Margen steigern. Anfällig bleiben Airlines und Automobilzulieferer. Gewinner sieht Hausheer bei Upstream-Energieunternehmen (gesicherte Einnahmen), im Gesundheitswesen und in der Telekommunikation sowie bei infrastrukturnahen Emittenten. Entscheidend sind Emittentenauswahl, Monitoring der Finanzentwicklung, Trends und Branchendynamik sowie direkter Austausch mit dem Management. Zudem prüft Swisscanto/ZKB das Portfolio laufend auf Emittenten mit erhöhtem Refinanzierungsrisiko oder sich verschlechternder Bonität. Beim strukturellen Schutz setzt Hausheer auf besicherte High-Yield-Anleihen: „Historisch gesehen, weisen besicherte Anleihen deutlich höhere Recovery Rates von 60 bis 80 Prozent auf, verglichen mit 30 bis 40 Prozent im unbesicherten Segment. In Stresssituationen kann dies den entscheidenden Unterschied zwischen einem Totalverlust und dem Erhalt des Kapitals ausmachen.“ Ein Beispiel ist der Swisscanto (LU) Bond Fund Committed Secured High Yield EUR, dessen Portfolio an besicherten HY-Bonds 5,82 Prozent Rendite aufweist. Westeuropa ist im Mai mit Anteil von 63,7 Prozent übergewichtet, USA/Kanada mit 26,7 Prozent untergewichtet; fast die Hälfte entfällt auf Laufzeiten von drei bis fünf Jahren. EM-Bonds in Lokalwährung Dass steigende Dollarzinsen und ein fester Dollar schlecht für EM-Bonds sind und umgekehrt, ist allgemein bekannt. Doch speziell das Segment der EM-Bonds in Lokalwährung weist derzeit noch attraktive Zinsen auf. Eine Investmentalternative wäre der IQAM Bond LC Emerging Markets von IQAM Invest, dessen Universum durch den JSTAR GBI-EW-Index definiert ist. Die Selektionskriterien skizziert Fondsmanager Franz Schardax: „Für die Marktauswahl verwenden wir die Faktoren Zinsdifferenz, Realer Wechselkurs, Momentum, Credit Default Swap, Realzins, Leistungsbilanz und Leistungsbilanzschock, mithilfe derer auf Basis eines speziellen Verfahrens die Ländergewichtungen ermittelt werden. Die Laufzeitenauswahl erfolgt auf qualitativer Basis, ist aber im Vergleich zur Länderauswahl untergeordnet.“ Als attraktiv betrachtet Schardax aktuell den Südafrikanischen Rand: „In Relation zu den Kaufkraftparitäten ist Südafrika vergleichsweise günstig und sollte als Ölimporteur von mittelfristig wieder sinkenden Ölpreisen profitieren.“ Per 29. Mai sind der Mexikanische Peso, der Südafrikanische Rand und der Polnische Zloty mit je 13, 11 bzw. zehn Prozent am stärksten gewichtet und die Fondsrendite liegt über ein Jahr bei 9,2 Prozent. Frühindikatoren für eine Verschlechterung der Kreditqualität: Spread-Ausweitung: Auffällige Vergrößerung der Spreads einzelner Emittenten im Vergleich zur PeerGroup. Liquiditätsentwicklung: Rückgang der Liquiditätsreserven in Kombination mit einem steigenden Anteil kurzfristiger Schulden. Covenant-Headroom: Analyse des Puffers bis zur nächsten potenziellen Verletzung von Kreditklauseln. Netto-Leverage-Trend: Entwicklung der Nettoverschuldung über vier Quar- tale hinweg – der Trend ist hierbei aussagekräftiger als der absolute Wert. Quelle: Roland Hausheer/Swisscanto/ZKB MÄRKTE & FONDS . Trend 2026 . Anleihen

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