Österreichische Post AG | MZ 03Z035262 M | 4profit Verlag GmbH, Rotenturmstraße 19/1/29 B, 1010 Wien | Ausgabe Nr. 4/2026 | 6,90 Euro Finanzpolitik + Volkswirtschaft + Länder- und Branchenanalysen + Banking + Investmentfonds + Aktien + Immobilien + Rohstoffe + Blockchain + Alternative Investments + Versicherungen DAS MAGAZIN FÜR WIRTSCHAFT, POLITIK & INVESTMENTPRODUKTE DIVERSIFIKATION: Top Mischfonds Zwischen Aktienrally und Zinswende: Welche Mischfonds jetzt besonders gut aufgestellt sind und wo Fondsmanager die größten Chancen und Risiken sehen. Staatsverschuldung Steigende Zinsen belasten immer stärker die Budgets. Wie schlägt das auf die Wirtschaft durch? Nachhaltigkeit Hohe Investitionen, um dem Klimawandel zu begegnen, eröffnen gute Investmentchancen. + AKTIEN SPECIAL Die aktuelle Entwicklung aller Unternehmen des ATX Prime: Welche Notierungen die größten Potenziale aufweisen. ab Seite 58 Stabile Renditen Gerade in unsicheren Zeiten bieten sich Infrastrukturfonds mit inflationsgesicherten Erträgen an.
VERMÖGENSVERWALTER Vermögen erhalten und mehren, indem wir es auf verschiedene Anlageklassen aufteilen. Dieser Grundsatz ist Teil unserer Unternehmens-DNA und damit Wesensmerkmal unserer Multi-Asset-Strategien. Für den langfristigen Vermögensaufbau unserer Anleger. KONSEQUENT UNABHÄNGIG Mehr zu den Multi-Asset-Strategien, Fondsdetails, Chancen und Risiken sowie weitergehende Informationen zur Wertentwicklung finden Sie unter: www.flossbachvonstroch.at/multi-asset-jubilaeum Werte erhalten. Werte schaffen. Unsere Multi-Asset-Strategien. ANZEIGE Dies ist kein Angebot zum Kauf oder zur Zeichnung von Wertpapieren. Die Informationen stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung dar. Der Wert jedes Investments kann sinken oder steigen, und Sie erhalten möglicherweise nicht den investierten Geldbetrag zurück. Vor einer möglichen Investition sollten Sie ein Gespräch mit Ihrer Beraterin / Ihrem Berater führen.
Ausgabe Nr. 4/2026 – GELD-MAGAZIN . 3 Während sich in Europa die Wirtschaftsaussichten etwas verbessert haben, verunsichern die USA die Märkte. Trotz rasant steigender Staatsverschuldung (Seite 10) eskalieren sie den Irankonflikt, was den Preis für ein Fass Rohöl neuerlich über die 100-Dollar-Marke hievte. Das treibt die Inflation und die langfristigen Zinsen in die Höhe, womit die Schulden, nicht nur die 40 Billionen der USA, sondern auch die aller anderen Staaten teurer werden. Um der Inflation gegenzusteuern, hob die EZB die Zinsen am 10. September neuerlich an. Auch die Fed hätte im Juli bereits mit einer Zinsanhebung reagieren müssen. Aber bekanntlich insistiert Donald Trump konsequent, dass die Zinsen gesenkt werden sollten, was aber die Inflationserwartungen und damit die Renditen am langen Ende weiter in die Höhe treibt. Anleger, die in dieser unübersichtlichen Lage ruhig schlafen möchten, greifen daher zu Gemischten Fonds, wobei die Diversifikation der Anlageklassen niedrigere Schwankungsbreiten verspricht und der Aktienanteil eine überproportionale Performance erwarten lässt (Seite 24, Fondstabelle: Seite 28). In Österreich befinden wir uns noch auf einer Insel der Seligen. Die Zinsen sind noch moderat, der Aktienmarkt boomt und die Politik diskutiert Steuererleichterungen für Jung und Alt (Seiten 8, 58 und 72). An der Wiener Börse sind die Zugpferde neben AT&S die Banken, die Versicherungen und die rohstoffassoziierten Werte. Sie können so manch traurige Wertentwicklung, wie etwa jene von Wienerberger, Lenzing, Verbund oder CA Immo überkompensieren. Aber lesen Sie selbst in unserem Aktien-Special (ab Seite 58) über die Halbjahresergebnisse der Unternehmen und die erwarteten weiteren Entwicklungen der wichtigsten Börsennotierten. Ein weiteres brennendes Thema ist die Klimaentwicklung. Der Rekordsommer trieb uns die Schweißperlen auf die Stirn oder hielt uns in klimatisierten Räumen fest. Hitzetote, Dürre, Ernteausfälle, Waldbrände etc. inklusive. Das dürfte in Zukunft häufiger auftreten, was auch für die Geldanlage wichtiger wird. An Neuen Energien, Öko- und Wasserfonds wird kein Weg vorbeiführen (Seite 34). Mario Franzin, Chefredakteur GELD-Magazin Gemengelage editorial impressum MEDIENEIGENTÜMER UND HERAUSGEBER 4profit Verlag GmbH · MEDIENEIGENTÜMER-, HERAUSGEBER- UND REDAKTIONSADRESSE Rotenturmstraße 19/1/29B, 1010 Wien · T: +43/676/570 95 10 · E: [email protected] · GESCHÄFTSFÜHRUNG Snezana Jovic, Mario Franzin · CHEFREDAKTEUR Mario Franzin REDAKTION Mario Franzin, Michael Kordovsky, Wolfgang Regner, Moritz Schuh MSc, Mag. Christian Sec · LEKTORAT Mag. Rudolf Preyer · GRAFISCHE LEITUNG Noura El-Kordy · COVERFOTO nsit0108/stock.adobe.com · DATENANBIETER Lipper Thomson Reuters*, Morningstar · VERLAGSLEITUNG Snezana Jovic · BACKOFFICE & ONLINE REDAKTION Ivana Jovic · SALES CONSULTANT Dr. Anatol Eschelmüller · IT-MANAGEMENT Oliver Uhlir · DRUCK Berger Druck, 3580 Horn, Wiener Str. 80 · VERTRIEB PGV Austria, 5412 Puch, Urstein Süd 13. www.geld-magazin.at ABO-HOTLINE: +43/699/1922 0326 · [email protected] * Weder Lipper noch andere Mitglieder der Reuters-Gruppe oder ihre Datenanbieter haften für Fehler, die den Inhalt betreffen. Performance-Ranglisten verwenden die zur Zeit der Kalkulation verfügbaren Daten. Die Beistellung der Performance-Daten stellt kein Angebot zum Kauf von Anteilen der genannten Fonds dar, noch gilt sie als Kaufempfehlung für Investmentfonds. Für Investoren gilt es zu beachten, dass die vergangenen Performancewerte keine Garantie für zukünftige Ergebnisse darstellen. FOTO: ivanashoots.com
BANKING 16 Kurzmeldungen Japan: Erfolgreiche Zinspolitik + Problem Geldwäsche: Die EU steuert dagegen. 18 Wero Die neue europäische Bezahllösung will PayPal & Co. den Kampf ansagen. MÄRKTE & FONDS 20 Kurzmeldungen China: Immense Investitionen in KI + Indien: Land der großen Möglichkeiten. 22 Interview: Bert Flossbach Der Gründer der deutschen Vermögensverwaltung Flossbach von Storch über Inflation, Spannungen und Investmentchancen. 24 Mischfonds: Strategie Vier ausgewählte Beispiele zeigen, wie unterschiedlich flexible Asset-Allokation in der Praxis funktionieren kann. 28 Mischfonds:Tabelle Die Kombination von Anleihen und Aktien sorgt in der Regel für konstante Renditen – hier finden Sie die besten Produkte. COVERSTORY Mischfonds führen gut diversifiziert zum Erfolg. Seite 24 BRENNPUNKT 06 Kurzmeldungen Inflation: Weiter hoch + China versus EU: Droht der Zollkrieg? 08 Zukunftsdepot Mit einer langfristig steuerfreien Veranlagung für Kinder bieten sich große Chancen. 10 Verschuldung Wenn Staaten ungebremst Geld ausgeben, kann das kritische Folgen für die Weltwirtschaft haben. Worauf müssen sich Anleger jetzt einstellen? WIRTSCHAFT 14 Kurzmeldungen Industrie Österreich: Mehr Dynamik + Online-Handel: Auf Rekordniveau. 15 Gewinnfreibetrag Die Steuerlast mit Wertpapier-Investitionen mindern – eine Gesetzesänderung schiebt dem bald den Riegel vor. Zeit zu handeln gibt es noch bis Jahresende. Ausgabe Nr. 4/2026 inhalt Credits: Bits and Splits & nsit0108 & PixelFoundry/stock.adobe.com, Wiener Börse/Daniel Hinterramskogler GRÜNE INVESTMENTS Extremwetter verursachte Milliardenschäden. Jetzt ist mehr Nachhaltigkeit gefragt. Seite 34 4 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 4/2026
34 Grüne Investments Die letzte Hitzewelle könnte das Bewusstsein für Veranlagungen in Wasser und erneuerbare Energien schärfen. 38 FNG-Marktbericht Wohin steuern nachhaltige Geldanlagen? 40 Trendfolger Das GELD-Magazin befragt Experten zu Strategien und Chancen. 44 Infrastruktur Die Branche befindet sich im Wandel: Welche Investments sich auszahlen. 48 Rohstoffe Erdöl: Spielball des Golfkriegs + Gold: Konsolidierung + Silber: Hohe Kursziele. AKTIEN 50 Kurzmeldungen ATX: SBO fällt raus + Agrana: Übernahme von esarom geplant. 52 Weltbörsen USA: Schwache KI + Europa: Zinsen rauf + China: Exporte unterstützen Wirtschaft. 54 Anlagetipps Investor B: „Volksaktie“ + Engie: KI-Energie + Johnson Controls: KI-Profiteur. 56 Börse Deutschland Die Wirtschaft erholt sich weiter – die Börse konsolidiert. 58 AKTIEN-SPECIAL Mit Aktien werden hohe Renditen erzielt – vorausgesetzt, man findet die richtigen Werte. Das GELD-Magazin bietet dazu den großen Überblick. VERSICHERUNG & VORSORGE 70 Kurzmeldungen Geräteversicherung: Worauf es ankommt + Gute Bilanzen: Uniqa und VIG. 71 FLV-Listing Der monatliche Überblick zu Fondsgebundenen Lebensversicherungen. 72 Altersvorsorge Mit diesen Maßnahmen könnte die „Dritte Säule“ gestützt werden. 74 Buchtipps Barbara Fischer: Start-up-Finanzierung +Hartmut Kruger: Aktien verstehen. AKTIEN-SPECIAL Rendite in Rot-Weiß-Rot: 12 Seiten AKTIEN-SPECIAL zur Börse Wien. ab Seite 58 INFRASTRUKTUR Die Neuordnung der Branche bietet interessante Investments. Seite 44 Ausgabe Nr. 4/2026 – GELD-MAGAZIN . 5
6 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 4/2026 BRENNPUNKT . Kurzmeldungen Credits: beigestellt; pixabay; leungchopan & dbrnjhrj/stock.adobe.com Schuldenberg wächst Bedenkliche Höhe 40 Billionen Dollar. Obwohl in vielen Staaten eigentlich der Sparstift angesagt sein müsste, nimmt die Staatsverschuldung weltweit zu. Das wird dann zum Problem, wenn die Zinsen und Renditen ansteigen und die Verschuldungen weiter aufblähen. Ein besonders krasses Beispiel dazu bietet Uncle Sam: Der Schuldenstand der US-Bundesregierung hat kürzlich die Schwelle von 40 Billionen Dollar überschritten. Der US-Finanzminister muss monatlich bald 100 Milliarden Dollar an Zinsen an seine Gläubiger überweisen. Damit müssen die USA mehr Anleihen emittieren, um diese höheren Zinskosten zu refinanzieren. Zur steigenden Staatsverschuldung kommt noch der hohe Kapitalbedarf der privaten Wirtschaft, insbesondere für KI-Investitionen. Urnengang. Die heiße Phase der politischen Auseinandersetzung steht noch bevor, das endgültige Kandidatenfeld für die Präsidentschaftswahl im Mai 2027 ist längst nicht absehbar – und doch hat der Wahlkampf in Frankreich bereits begonnen. Im TV und in sozialen Medien, aber auch an den Börsen. Dazu heißt es von LFDE: „An den Anleihemärkten nehmen die Spannungen zu. Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen hat die Marke von vier Prozent deutlich überschritten und damit ein Niveau erreicht, das zuletzt 2008 verzeichnet wurde. Zwar geschieht dies vor dem Hintergrund eines weltweiten Zinsanstiegs, doch eine spezifisch französische Risikoprämie ist unverkennbar. Der Renditeabstand zu zehnjährigen deutschen Bundesanleihen ist wieder auf die Höchststände von 2024 gestiegen.“ Zudem muss sich derzeit kein anderes der 21 Länder des Euroraums so teuer finanzieren wie Frankreich. Ein gewisses Misstrauen spiegelt sich aber auch an den Aktienmärkten wider: Seit Jahresbeginn hat der CAC 40 schlechter abgeschnitten als alle anderen europäischen Aktienindizes. Frankreich: Wahl mit langem Schatten Tipps. Mit dem Schulstart erhalten viele Kinder erstmals regelmäßig Taschengeld oder übernehmen mehr Verantwortung für ihr eigenes Budget. Für den Financial Life Park (FLiP) ist das ein wichtiger Schritt zu mehr Finanzkompetenz. Die Experten geben dazu ein paar Tipps: So sollten jüngere Kinder Taschengeld wöchentlich und in bar erhalten. Mit zunehmendem Alter kann auf eine monatliche Auszahlung umgestellt werden. Regelmäßigkeit hilft Kindern dabei, ihr Budget besser einzuteilen. Weiters wichtig: „Taschengeld ist ein Instrument der Finanzbildung und kein Erziehungsmittel. Es sollte daher unabhängig von Schulnoten oder Verhalten ausbezahlt werden.“ Und: „Offene Gespräche über Wünsche, Sparziele und Ausgaben helfen Kindern, ein realistisches Verständnis von Geld und finanziellen Entscheidungen zu entwickeln.“ Schulbeginn: Geld in der Tasche Schlechte Karten für Trump. Am 3. November 2026 finden in den USA die Zwischenwahlen (Midterms) statt. Dabei werden alle 435 Sitze des Repräsentantenhauses sowie ein Drittel der Sitze des Senats neu vergeben. Noch halten die Republikaner die Mehrheit in beiden Kammern. Das könnte sich jedoch ändern, denn derzeit läuft es für Trump und seine Partei nicht rund: Nur noch 35 Prozent der US-Wähler sind mit Trumps Arbeit zufrieden, 61 Prozent zeigen sich unzufrieden mit dem Weißen Haus. Zwar ist es üblich, dass US-Präsidenten in den ersten zwei Jahren ihrer Amtszeit an Zustimmung verlieren, der Beliebtheitseinbruch Trumps ist jedoch deutlich stärker als bei seinen Vorgängern. Dazu analysiert Volkswirtschafts-Experte Felix Schmidt von Berenberg: „Nahezu sicher erscheint, dass die Republikaner zumindest eine der beiden Kammern im Kongress verlieren werden. Für den Präsidenten wird dies das Regieren massiv erschweren. Ein demokratisch geführter Kongress könnte Haushaltsentscheidungen blockieren sowie Trumps Personalvorschläge für Bundesgerichte und Spitzenämter in der Verwaltung stoppen.“ MATCH VS REPUBLIKANER DEMOKRATEN MATCH DES MONATS
Ausgabe Nr. 4/2026 – GELD-MAGAZIN . 7 Klimawandel. Der Kampf gegen die Erderwärmung muss nicht nur Geld kosten: Kaliforniens Emissionshandel „Cap-and-Invest“ hat seit 2014 rund 36,2 Milliarden Dollar für Klimaprogramme eingenommen. 15,5 Milliarden davon flossen bereits in 122 Programme und über 600.000 Projekte – von Wohnbau über Verkehr bis Klimaresilienz. 76 Prozent der eingesetzten Mittel kommen einkommensschwachen und benachteiligten Gemeinden zugute. Das Cap-and-InvestProgramm, das bis September 2025 unter dem Namen Cap-and-Trade lief, ist Kaliforniens Instrument zur Bepreisung der Treibhausgasemissionen der größten Verursacher im Bundesstaat. „Ein Beispiel dafür, wie ein CO₂-Preis auch als Sozialpolitik funktioniert“, so umweltdialog.de. Die Experten meinen weiter: „Für die internationale ESG-Debatte hat das kalifornische Modell Signalwirkung. In einer Zeit, in der die Trump-Administration Klima-Regulierung auf Bundesebene zurückfährt, dokumentiert Kalifornien, wie ein CO₂-Preis operativ funktionieren kann – inklusive belastbarer Verteilungswirkung.“ Emissionshandel: Goldene Kuh Spannungen. Nach sehr schwachen Julidaten deuten die Einkaufsmanagerindizes in China zumindest für das verarbeitende Gewerbe eine Erholung im August an. Wichtigster Treiber bleibt die Exportnachfrage, während die Konsumentwicklung schwach bleibt. Ein wichtiger Grund für die Zurückhaltung der Verbraucher ist die anhaltende Immobilienkrise. Wobei die Experten der DekaBank analysieren: „Die Situation für die chinesische Wirtschaft könnte sich in den kommenden Monaten noch verschärfen, wenn auch der Export gebremst wird. Die Europäische Union scheint immer klarer gewillt, auf den aus ihrer Sicht unfairen Wettbewerb aus China mit Abwehrmaßnahmen zu reagieren. Beschlüsse hierzu könnten im Oktober gefasst werden.“ Man ist sich in Europa allerdings bewusst, dass China durch die Möglichkeit, den Export von Seltenen Erden zu begrenzen, ein starkes Druckmittel in der Hand hat. Die Maßnahmen der EU dürften sich daher zunächst auf wenige Produktgruppen beschränken. Szenenwechsel: Im Vorfeld des Treffens von Donald Trump und dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping erscheint eine erneute Eskalation im Zollkonflikt zwischen den USA und China unwahrscheinlich, doch im Anschluss an das Treffen nimmt auch hier das Risiko neuer Spannungen zu. China: Neuer Zollkrieg? Europa emanzipiert sich. Seit Ende Juli gewann der Euro gegenüber dem Dollar an Wert – Rückenwind erhielt die europäische Gemeinschaftswährung dabei gleich aus mehreren Richtungen. Zum einen wirkt das schwindende Vertrauen in die US-Währung als sicherer Hafen zugunsten des Euro. Zum anderen verschiebt sich das Zinsgefüge zunehmend zugunsten der Gemeinschaftswährung. Unterstützung liefern dabei auch die jüngsten und überraschend robust ausgefallenen Konjunkturdaten aus Deutschland. Als Stütze für den Euro erwies sich laut den Experten von BNP Paribas Asset Management insbesondere das Ifo-Geschäftsklima, das im August den vierten Monat in Folge und zudem stärker als von Analysten erwartet zulegte. Sowohl die Geschäftserwartungen als auch die Einschätzung der aktuellen Lage fielen positiver aus. Damit zeichnet sich für die Eurozone ein Szenario ab, das der EZB wieder etwas mehr Spielraum bei den Zinsen geben könnte: Die robusteren Konjunkturdaten treffen auf eine im Juli leicht gestiegene Inflation. Währungen: Euro könnte zulegen Ölschock & Co. Die weltweiten Daten deuten auf ein Umfeld hin, in dem sich das Wachstum zwar verbessert, aber weiterhin unter den Erwartungen bleibt. Das meint Jan Felix Gloeckner, Senior Investment Specialist, Insight Investment – und er hat auch wenig gute Nachrichten für Konsumenten parat: „Die Inflation liegt weiterhin über dem Zielwert und steigt in einigen Bereichen an. Die Daten zeigen nach wie vor eine deutlichere Übertragung von Energie- und geopolitischen Belastungen, und der kurzfristige Ausblick deutet darauf hin, dass dieser Druck wahrscheinlich anhalten wird, solange der Ölschock besteht.“ Die Auswirkungen dürften in Europa und Asien am stärksten zu spüren sein, wo größere Energieimporteure offenbar stärker einem weiteren Kostendruck ausgesetzt sind. In der Eurozone dürfte die Gesamtinflationsrate 2026 bei 2,7 Prozent liegen; 2027 werden 2,3 Prozent erwartet. Inflation: Weiter hoch Jan Felix Gloeckner, Senior Investment Specialist, Insight Investment
Das österreichische Vorsorgesystem steht vor einem strukturellen Wendepunkt. Die demografische Entwicklung, die Kapitalmarktferne breiter Bevölkerungsschichten und die geringe Aktienquote in der privaten Vermögensbildung führen dazu, dass die langfristige finanzielle Resilienz vieler Haushalte gefährdet ist. Österreich zählt im internationalen Vergleich zu den Ländern mit der niedrigsten Aktienbeteiligung privater Haushalte – ein Befund, den die OECD seit Jahren kritisch kommentiert. 2025 erreichte das Finanzvermögen in Österreich laut OeNB mit 969 Milliarden Euro einen neuen Höchststand. Laut Statistik Austria liegt davon der größte Teil noch auf kaum verzinsten Girokonten und Sparbüchern. 24 Prozent der Haushalte sind laut Brokertest in Fonds investiert, rund sechs Prozent direkt in Aktien. Rechnet man die Aktienanteile der Fonds hinzu, ergibt sich in Österreich eine Aktienquote von 15 bis 20 Prozent des Nettofinanzvermögens. Länder wie Schweden, Dänemark oder die Niederlande zeigen, dass eine höhere Kapitalmarktteilnahme nicht nur die private Vermögensbildung stärkt, sondern auch die Innovationskraft der Volkswirtschaft. Das geplante Zukunftsdepot soll genau hier ansetzen: Es ist ein staatlich reguliertes, steuerlich begünstigtes Wertpapierdepot, das langfristiges Investieren erleichtert und die Kapitalmarktteilnahme breiter Bevölkerungsschichten fördert. Die Idee ist nicht neu, wird aber in Österreich erstmals politisch konkretisiert. Zukunftsdepot für Kinder Bundeskanzler Christian Stocker stellte Ende August im Rahmen der ORF-Sommergespräche die Eckpunkte des mit Anfang 2027 geplanten Zukunftsdepots vor: Eltern, die für das Neugeborene ein Zukunftsdepot eröffnen, würden vom Staat ein Startguthaben Förderung in jungen Jahren Bundeskanzler Christian Stocker kündigte an, jedem Neugeborenen bis zum 18. Lebensjahr ein KESt- und gebührenfreies Wertpapierdepot zu ermöglichen. Damit soll Aktiensparen in der breiten Bevölkerung ankommen. MARIO FRANZIN BRENNPUNKT . Zukunftsdepot Credit: IBEX.Media/stock.adobe.com; Mit dem Zukunftsdepot soll die Möglichkeit geschaffen werden, eine finanziell unabhängigere Generation zu fördern. RENDITE-BEISPIELE BEI HÖCHSTEINZAHLUNGEN UND BEI UNTERSCHIEDLICHEN SPARRATEN RENDITE P.A. ENDWERT NACH 18 JAHREN DAVON ERTRAG EINGEZAHLT ERSPARTE KEST 6,7 % 176.243 € 86.243 € 90.000 € (18 x 5.000 €) 23.717 € 5,0 % 147.695 € 57.695 € 90.000 € (18 x 5.000 €) 15.866 € 4,0 % 133.356 € 43.356 € 90.000 € (18 x 5.000 €) 11.923 € SPARRATE ENDWERT BEI 6,7 % ENDWERT BEI 5,0 % EINGEZAHLT ERSPARTE KEST BEI 5,0 % 50 €/Monat 20.533 € 17.333 € 10.800 € 1.797 € 100 €/Monat 41.067 € 34.666 € 21.600 € 3.593 € 200 €/Monat 82.133 € 69.333 € 43.200 € 7.186 € Quelle: finfo.at 8 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 4/2026
„Das Zukunftsdepot als Win-Win-Situation stärkt unseren Kapitalmarkt und die Finanzvorsorge der nächsten Generation.“ Wolfgang Hattmannsdorfer, Bundesminister für Wirtschaft, Energie und Tourismus von 500 Euro erhalten. Zu budgetieren wären bei rund 76.000 Geburten im Jahr damit rund 38 Millionen Euro p.a. Auf das Zukunftsdepot dürften im Anschluss Höchsteinzahlungen von 5.000 Euro pro Kind und Jahr geleistet werden. Mit Vollendung des 18. Lebensjahres des Kindes würde das Depot automatisch ins Eigentum des Kindes übergehen. Modellrechnungen ergeben, dass bei Höchsteinzahlungen (90.000 Euro) und einer angenommenen Rendite von 6,7 Prozent p.a. nach 18 Jahren rd. 175.000 Euro am Konto stehen würden. Wer weniger einzahlt oder weniger Rendite erzielt, landet natürlich deutlich darunter (s. Tabelle links). Details fehlen noch Was noch fehlt, ist das Gesetz. Selbst ein Begutachtungsentwurf liegt aktuell nicht vor, denn noch sind zahlreiche Details zu klären. Offen ist z.B., welche Wertpapiere zugelassen werden, ob die Steuerfreiheit nur bis zum 18. Lebensjahr gelten soll oder auch darüber hinaus. Oder wie geht man damit um, wenn das Geld vor Ablauf der 18 Jahre gebraucht wird? Fraglich ist auch die Zweckwidmung für Ausbildung, Immobilienkauf, Unternehmensgründung, Vorsorge, etc. Volkswirtschaftliche Vorteile Sollte das Zukunftsdepot realisiert werden, würde einerseits die finanzielle Resilienz der Haushalte steigen. Auf der anderen Seite würde der Kapitalmarkt als Wachstumsmotor gestärkt – mehr Eigenkapital für Unternehmen, die zudem von einer breiteren Aktionärsbasis profitieren würden. Mehr langfristiges Kapital würde stabilere Finanzierungsstrukturen, höhere Investitionsfähigkeit und stärkere Innovationskraft bedeuten. Ein Zukunftsdepot würde auch die Wiener Börse durch höhere Liquidität und attraktivere Rahmenbedingungen für IPOs strukturell stärken. Ausgabe Nr. 4/2026 – GELD-MAGAZIN . 9 Innovationskraft, Europa punktet mit attraktiveren Bewertungen.“ Asien entwickelt sich differenziert, bleibt insgesamt aber chancenreich – insbesondere in den Bereichen KI, Speicher- und Halbleitertechnologie. „Wir verfolgen weiterhin einen global diversifizierten Ansatz und sind aktuell neutral gewichtet“, so Fusek. Im Anleihesegment bieten höhere Renditen wieder attraktivere Einstiegsmöglichkeiten. (Disclaimer: Investitionen bergen Risiken.) www.steiermaerkische.at Wolfgang Fusek, Leitung Wertpapiergeschäft Steiermärkische Sparkasse Zwischen KI-Dynamik und Zinsdruck Die internationalen Wirtschaftsperspektiven bleiben dynamisch, das Umfeld jedoch anspruchsvoll. Neben Inflation und Zinsentwicklung prägen vor allem der KI-Boom sowie geopolitische Spannungen die Märkte. Wolfgang Fusek, Steiermärkische Sparkasse: „Die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklungen ist außergewöhnlich, gleichzeitig führen steigende Finanzierungskosten zu erhöhter Unsicherheit.“ Die ersten sechs Monate waren von teils deutlicher Volatilität geprägt, konnten insgesamt aber gut genutzt werden. „Unsere Portfolios waren sehr gut positioniert und haben entsprechend partizipiert“, so Fusek. Wesentlicher Renditetreiber war erneut der Aktienteil, während Anleihen vor allem stabilisierend wirkten. Gleichzeitig wurde bewusst auf breite Diversifikation statt einer ausschließlichen Fokussierung auf Technologie gesetzt. Der KI-getriebene Investitionsboom bleibt ein dominierendes Thema. Massive Investitionen und Börsengänge – etwa von SpaceX, OpenAI oder Anthropic – sorgen für zusätzliche Dynamik, werfen aber auch Bewertungsfragen auf. „Die mittelfristigen Auswirkungen von KI werden noch unterschätzt. Gleichzeitig muss sich die hohe Investitionstätigkeit zunehmend in konkreter Monetarisierung niederschlagen“, betont Fusek. Das makroökonomische Umfeld bleibt herausfordernd: Die Inflation ist erhöht, die Zinsen verharren auf höherem Niveau. Regional zeigt sich ein heterogenes Bild. „Die USA überzeugen mit starken Unternehmenszahlen und hoher GASTBEITRAG . Wolfgang Fusek, Steiermärkische Bank und Sparkassen AG FOTO: beigestellt Credit: Wolfgang Hattmannsdorfer/Philipp-Albert
Über ein Jahrzehnt lang schien die Schwerkraft der Ökonomie außer Kraft gesetzt, als Zentralbanken mit künstlich erzeugten Null- und Negativzinsen das Anhäufen von Schulden scheinbar kostenlos machten. Nicht nur Assetpreise, sondern auch die Politik profitierte überproportional von dieser neuen Ära des billigen Geldes und trieb die nationalstaatlichen Verbindlichkeiten rund um den Globus auf neue historische Höchststände. Was über Jahre ein vernachlässigbarer Haushaltsposten war, mutiert mit der Zinswende in einigen Ländern nun jedoch langsam zur fiskalischen Fessel. Der Schuldendienst explodiert, jährliche Zinszahlungen bewegen sich teilweise im zweistelligen Bereich relativ zu den laufenden Steuereinnahmen und verdrängen zunehmend produktive Ausgaben. Dieses Zinsdilemma trifft viele Staaten zu einer denkbar ungünstigen Zeit, wenn tatsächlich gewaltige Investitionen in Verteidigung, den demografischen Wandel, sowie Technologie- und Energiewende Budgets in naher Zukunft unweigerlich weiter belasten dürften. Risse im globalen Gefüge Dass diese Entwicklungen das System bereits erschüttern, betonen auch namhafte Investoren wie Ray Dalio, der bereits seit längerer Zeit einen Regimewechsel hin zur „fiskalischen Dominanz“ ortet. Weil Staatsausgaben und Schuldenstände astronomisch hoch sind, bestimmen Finanzministerien die Geldschöpfung und Marktbedingungen heute stärker als die Zentralbanken. Seiner Meinung nach entsteht Geld zunehmend nicht mehr durch klassische Bankkredite, sondern durch staatliche Schuldenexpansion. Auch in Europa treten diese Risse bereits offen zutage. Frankreichs Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen kletterten zuletzt über 4,1 Prozent und lagen damit erstmals über den Renditen vergleichbarer italienischer Papiere. Auch Großbritannien kämpft mit gravierenden Haushaltsnöten. Während Deutschland mit einer moderaten offiziellen Schuldenquote scheinbar solide dasteht, wird der Konsolidierungserfolg durch vernachlässigte Infrastruktur, schleppende Digitalisierung und verfehlte Energiepolitik teuer erkauft. Und auch in Österreich schränkt die steigende Zinslast die politiTeures Erbe der Niedrigzinspolitik Zur denkbar ungünstigsten Zeit setzen explodierende Refinanzierungskosten fiskalischen Spielräumen weltweit harte Grenzen. Warum das globale Schuldenregime wankt und worauf sich Anleger einstellen müssen. MORITZ SCHUH Credits: Word Economic Forum/Boris Baldinger; World Bank Group/Grant Ellis; EZB-Maurice Weiss/Ostkreuz „Aufgrund der hohen Verschuldung und Staatsausgaben üben die Finanzministerien mittlerweile einen größeren Einfluss auf die Geldmärkte und die Geldpolitik aus als die Zentralbanken – wir treten in eine Phase der fiskalischen Dominanz ein.“ Ray Dalio, Gründer von Bridgewater Associates BRENNPUNKT . Staatsverschuldung EZB-Präsidentin Christine Lagarde während der Sitzung des EZB-Rats am 10. September 2026 in Berlin. Der EZB-Rat beschloss eine Anhebung der Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte auf 2,50 Prozent. 10 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 4/2026
Wann kippt das System? Belastungsgrenzen der Staatsschulden Ferguson-Grenze Der britische Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson untersuchte den Niedergang historischer Weltmächte wie Habsburg-Spanien, des Osmanischen Reiches und des British Empire. Sein empirisches Gesetz: Sobald die Zinszahlungen eines Staates seine Verteidigungsausgaben übersteigen, verliert die Großmacht ihre strategische Handlungsfähigkeit und leitet den geopolitischen Abstieg ein. In den USA ist diese Schwelle seit dem Fiskaljahr 2024 überschritten. Penn-Wharton-Limit Forscher des Penn Wharton Budget Model (University of Pennsylvania) berechnen die absolute Tragfähigkeit über freie Kapitalmärkte. Ihr Ergebnis: Steigt die US-Verschuldung auf über 175 bis maximal 200 Prozent des BIP, können Anleihemärkte das Volumen nicht mehr aufnehmen, ohne dass Renditen unkontrolliert explodieren. Ab diesem Kipppunkt reichen selbst drastische Steuererhöhungen oder Ausgabenkürzungen rechnerisch nicht mehr aus – das System zwingt unweigerlich zu monetärer Entwertung oder Restrukturierung. schen Spielräume bereits merklich ein und zwingt unter dem Druck reaktivierter EUDefizitverfahren zu harten Budgetdebatten. Verteilungskampf auf Pump Über die rein fiskalischen Beschränkungen hinaus offenbaren die Rekordschulden auch eine tiefgreifende soziale Schieflage. Wie Ökonomen im Umfeld des Internationalen Währungsfonds betonen, wirkt der immer weiter steigende Zinsdienst nämlich wie ein negativer Umverteilungsmechanismus. Während die Mittel für Kuponzahlungen aus dem allgemeinen Steueraufkommen der breiten Bevölkerung aufgebracht werden, fließen die Zinserträge überwiegend an vermögende Privatpersonen und institutionelle Investoren. Eine hohe Staatsverschuldung fördert damit die soziale Ungleichheit, indem Kapital aus Arbeit in Richtung Vermögen fließt. Gleichzeitig untergräbt der wachsende Schuldenberg indirekt den Generationenvertrag. Jeder Euro oder Dollar, der zur Bedienung alter Verbindlichkeiten gebunden ist, fehlt nämlich bei zukunftsorientierten öffentlichen Investitionen. Ob Modernisierung der Bildungssysteme, der Wechsel zu erneuerbaren Energien oder der Ausbau digitaler Infrastruktur: Künftige Generationen erben nicht nur die angehäuften Tilgungsverpflichtungen und kaufkraftgeschwächte Währungen, sondern auch alle vernachlässigten strategischen Investitionen. Wenn der Staat seine Investitionsquote zugunsten von Zinszahlungen kürzt, werden die Schulden von heute zur Bremse für den Wohlstand von morgen. Austerität versus MMT Doch wie viel Verschuldung verträgt eine Volkswirtschaft wirklich, bevor das System Schaden nimmt? An dieser Frage scheiden sich die ökonomischen Denkschulen. Zwar erwies sich die einst viel zitierte 90-ProzentSchwelle von Reinhart und Rogoff (2012) nach gravierenden Rechenfehlern rasch als empirisch unhaltbar, doch die klassische Warnung vor einem lähmenden „Debt Overhang“ blieb. In der modernen Makroökonomie debattiert man heute vor allem über das Zins-Wachstums-Differenzial, gemäß welchem Verbindlichkeiten primär dann als tragfähig gelten, solange die reale Wachstumsrate die Refinanzierungskosten übersteigt – ein Verhältnis, das sich mit der Zinswende vielerorts dramatisch ins Negative verkehrt hat. Auf der anderen Seite steht seit einigen Jahren die populäre Modern Monetary Theory (MMT), die argumentiert, dass monetär souveräne Staaten mit eigener Währung nicht nominell zahlungsunfähig werden können und Ausgaben daher primär durch reale Kapazitäten begrenzt sind. Doch die Rückkehr der Inflation und der rapide Zinsanstieg haben dieses Paradigma rasch entzaubert. Sobald Notenbanken die Zinsen anheben müssen, um die Kaufkraft zu sichern, stößt das Modell des schmerzlosen Schuldenmachens in der Realität an seine Grenzen. Gleichzeitig erweist sich auch die breite Hoffnung auf technologische Auswege als trügerisch. Einige jüngere Analysen hegen Zweifel daran, ob selbst ein Produktivitätsschub durch breiten Einsatz Künstlicher Intelligenz ausreichen wird, um die Schuldenberge rein über zusätzliches Wachstum abzutragen. Die Fessel der Verbindlichkeiten verlangt am Ende des Tages nach echten strukturellen Entscheidungen und fairer Besteuerung. Der realistische Weg Doch wie löst die Politik ein solches Überschuldungsdilemma in der Realität wirklich auf? Formelle Staatspleiten oder Haircuts gelten in den führenden Industrienationen faktisch als undenkbar, da sie das globale Bankensystem sofort destabilisieren würden. Auch unpopuläre Steuererhöhungen sind in unserer globalisierten Welt mit ihrem seit Jahrzehnten andauernden „Race to the Bottom“ und für eine auf Wiederwahl bedachte Politik nicht das Mittel der ersten Wahl. Die Wirtschaftsgeschichte liefert stattdessen ein denkbar einfaches und erprobtes Drehbuch: Finanzielle Repression gepaart mit schleichender Entwertung. Um den Schuldendienst bezahlbar zu halten, greifen Staaten dabei auf Regulierungen zurück, die Banken und Pensionsfonds dazu drän- „Die Kombination aus hohen Schulden und steigenden Zinsen frisst die Puffer auf, die Staaten für künftige Schocks dringend bräuchten.“ Kristalina Georgieva, geschäftsführende Direktorin des IMF Ausgabe Nr. 4/2026 – GELD-MAGAZIN . 11
„Staatsverschuldung wirkt zunehmend wie ein Umverteilungsmechanismus, der die Ressourcen von Steuerzahlern zu Anleihegläubigern umverteilt.“ Atif Mian, Wirtschaftsprofessor, Princeton University „So wie es derzeit läuft, wird es zu einer Art Anleihenkrise kommen – und dann müssen wir uns damit auseinandersetzen.“ Jamie Dimon, CEO, JPMorgan Chase Credits: UK Government/Lauren Hurley;IMF 12 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 4/2026 gen, Staatsanleihen auch zu Renditen unterhalb der Inflationsrate zu halten. Verharren die Realzinsen im negativen Bereich, schrumpft die reale Schuldenlast dabei Jahr für Jahr – eine Entlastung der öffentlichen Kassen, die für Sparer und Gläubiger faktisch einer verdeckten Vermögensabgabe gleichkommt. Während Schwellenländer bei Währungskrisen oft in harte IWF-Programme gezwungen werden, wählen westliche Staaten den Weg der schleichenden Geldentwertung. Das unausgesprochene Endspiel lautet nicht Staatsbankrott, sondern kontinuierlicher Kaufkraftverlust. Die Staatsschulden werden nicht getilgt, sondern über die Zeit ganz einfach weginflationiert. Der „Debasement Trade“ Dieses Szenario einer dauerhaften Geldentwertung hat an den internationalen Finanzmärkten längst eine handfeste Gegenbewegung ausgelöst. Während Anleihenmärkte unter Druck stehen und Investoren für langlaufende US-Staatsanleihen bereits Renditen von über 5 Prozent fordern, vollzieht sich bei anderen Anlageklassen eine bemerkenswerte Fluchtbewegung. Dieses Phänomen wird als „Debasement Trade“ bezeichnet und beschreibt das gezielte Ausweichen in knappe, reale Werte als Absicherung gegen eine monetäre Verwässerung. Gold trat vor diesem Hintergrund bereits vor einigen Jahren in seinen Wettlauf um historische Höchststände ein, während Bitcoin parallel dazu als digitale Alternative ebenfalls verlässlich und nach seinen eigenen Spielregeln immer wieder neue Rekordniveaus erklimmt. Beide Vermögenswerte profitieren von demselben fundamentalen Treiber – dem schwindenden Vertrauen in die Fähigkeit der Politik und ihrer Zentralbanken, die Staatsschulden ohne fortlaufende Entwertung der Fiat-Währungen zu stabilisieren. Doch auch Aktien solider Unternehmen fungieren immer mehr als nominaler Inflationsschutz. Wer im Zeitalter fiskalischer Dominanz auf rein zinstragende Papierwerte setzt, verliert real, denn die Gewinner dieses Zyklus werden Sachwerte mit inhärenter Knappheit sein. Wir haben nichts zu verlieren als unsere Ketten Das teure Erbe der Niedrigzinspolitik markiert das endgültige Ende einer beispiellosen finanzpolitischen Illusion: Schulden sind nicht kostenlos, und Notenbanken können die Gesetze der ökonomischen Schwerkraft nicht dauerhaft für nichtig erklären. Für Staaten bedeutet die neue Realität schmerzhafte Prioritätensetzungen. Ohne tiefgreifende Struktur- und Steuerreformen, den Abbau bürokratischer Ineffizienzen und eine gezielte Neuausrichtung öffentlicher Mittel auf echte Zukunftsinvestitionen droht vielen Volkswirtschaften eine langanhaltende Phase schleichender Stagnation. Für Bürger und Anleger wiederum erfordert dieses Umfeld einen radikalen Paradigmenwechsel im eigenen Vermögensaufbau. Die Zeiten, in denen risikoarme Zinspapiere verlässlich reale Kaufkraft erhalten konnten, sind bis auf Weiteres vorbei. Bei anhaltender fiskalischer Dominanz und negativen Realzinsen führt kein Weg an einer konsequenten Ausrichtung auf knappe, produktive und globale Sachwerte vorbei. Wer die Mechanismen dieses Schuldenzyklus versteht, verfällt nicht in Panik, sondern stellt sein Kapital auf ein krisenfestes Fundament abseits hohler Versprechen des ungezügelten Finanzkapitalismus. Schuldenquoten: Staatsschulden im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt der G7-Länder Die Ära des scheinbar kostenlosen Geldes ist vorbei: Explodierende Zinskosten schränken die Handlungsfähigkeit westlicher Staaten massiv ein. BRENNPUNKT . Staatsverschuldung Quelle: www.reuters.com 1980 0 Prognosen 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2025 2030 20 40 60 80 100 120 140 160 120 200 220% USA Großbritannien Kanada Frankreich Deutschland Italien Japan
Der Wirtschafts-Compass liefert ein Gesamtbild der österreichischen Wirtschaft: tagesaktuell, detailliert und umfassend. Die nahtlose Vernetzung mit Ihren Geschäfts- prozessen und Compliance-Prüfungen schafft Sicherheit und gibt transparente Einblicke zu Ihren Geschäftspartner:innen. Die Compass-Gruppe steht seit 157 Jahren für verlässliche und aktuelle Wirtschaftsinformation. wirtschaftscompass.at compass.at Wirtschaft vernetzt betrachten.
Online-Handel Auf Rekordniveau Credit: Tayiba Studio/stock.adobe.com Zahn zugelegt. Eine aktuelle Analyse von RegioData Research zeigt: Fast 15 Prozent der relevanten Konsumausgaben fließen mittlerweile ins Internet – so viel wie nie zuvor. Im Durchschnitt gibt jeder Österreicher rund 1.400 Euro pro Jahr im Internet aus. Doch vom wachsenden Onlinekuchen profitieren nicht alle gleichermaßen: Internationale Marktplätze gewinnen weiter an Bedeutung, chinesische Anbieter bauen ihre Position rasant aus und gleichzeitig sinkt die Zahl der aktiven Onlineshops. Negativ betroffen sind vor allem kleinere, wenig spezialisierte Shops „Die Zeiten, in denen ein breites Sortiment und ein technisch funktionierender Webshop ausreichten, um automatisch vom Wachstum des Onlinehandels zu profitieren, sind vorbei“, so die Experten. WIRTSCHAFT . Kurzmeldungen UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex Quelle: S&P Global, UniCredit Bank Austria 2020 2022 saisonbereinigt unbereinigt 2023 2024 2025 2026 70 65 60 55 50 45 40 35 30 70 65 60 55 50 45 40 35 30 2021 14 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 4/2026 012345 DIE ZAHL DES MONATS 0,3 Prozent Konjunkturentwicklung Deutschland. Das BIP der Bundesrepublik ist im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal um 0,3 Prozent gestiegen. (Innerhalb der EU-27 waren es im gleichen Zeitraum 0,5 Prozent plus.) Das Statistische Bundesamt kommentierte dazu: „Die Wachstumsdynamik der deutschen Wirtschaft vom Jahresbeginn setzt sich fort.“ Berauschend ist die Performance der deutschen Gesamtwirtschaft in der Bundesrepublik allerdings auch wieder nicht. Dazu passt folgende Meldung der Deutschen Industriebank: „Trotz drei Quartalen in Folge mit positivem Wachstum bleibt die Investitionsbereitschaft der Unternehmen in Deutschland zurückhaltend. Entscheidend ist, wie überzeugend und nachhaltig die Konjunkturerholung wahrgenommen wird. Solange Zweifel bestehen, bleibt die BIP-Wachstumsschwelle hoch, die überschritten werden muss, um den Investitionsknoten zu lösen.“ Umso wichtiger sind Wachstumsimpulse durch Sondervermögen und Strukturreformen. Handlungsbedarf. Angriffe aus dem Internet werden zu einem zunehmenden Problem. Die EU hat reagiert und den Cyber Resilience Act (CRA) aus der Taufe gehoben. Er soll die Cyber-Sicherheit von Produkten, die eine digitale Komponente enthalten, verbessern und verpflichtet Hersteller und Einzelhändler, die CyberSicherheit während des gesamten Lebenszyklus ihrer Produkte mit digitalen Komponenten sicherzustellen. Die Regelungen der Verordnung sind in Österreich erst ab 11. Dezember 2027 vollständig anwendbar, wobei bestimmte Pflichten bereits vor diesem Datum in Kraft treten. Der Fachverband Finanzdienstleister informiert, dass seit 11. September 2026 die Meldepflichten für aktiv ausgenutzte Schwachstellen und schwerwiegende Sicherheitsvorfälle für Hersteller gelten. Zurücklehnen gilt also nicht – es herrscht Handlungsbedarf. Cyber-Sicherheit: Neue Vorgaben für Unternehmen Industrie Österreich: Dynamik nimmt zu Positiv. Der UniCredit Bank Austria EinkaufsManagerIndex ist im August auf 54,4 Punkte gestiegen und erreichte damit den höchsten Wert seit dem Frühjahr 2022. Gegenüber dem Vormonat legte der Indikator um 2,9 Punkte zu und liegt nun deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die österreichische Industrie hat somit ihren Erholungskurs im August deutlich beschleunigt. Rückenwind kam vor allem von der kräftigen Erholung der deutschen Industrie und der steigenden Nachfrage im Rest der Eurozone. Ebenfalls positiv: Der Beschäftigungsindex stieg im August auf 51,3 Punkte und signalisiert erstmals seit rund 40 Monaten wieder einen Beschäftigungsaufbau in der heimischen Industrie.
5 Beginnen wir etwas technisch: Der investitionsbedingte Gewinnfreibetrag (IGFB) ist eine steuerliche Begünstigung, um einen Teil des Gewinns von der Steuer zu befreien. Wirtschaftspolitischer Hintergrund: Diese Maßnahme soll Investitionen fördern und die Eigenkapitalbildung von Unternehmen stärken. Dabei ist der IGFB keineswegs auf die „oberen Zehntausend“ begrenzt: Ihn können natürliche Personen mit Einkünften aus einer betrieblichen bzw. selbstständigen Tätigkeit nutzen. Dazu zählen unter anderem Freiberufler, Mitunternehmer, Land und Forstwirte oder geschäftsführende Gesellschafter. Nicht anwendbar ist der Gewinnfreibetrag auf nichtselbständige Einkünfte (zum Beispiel Gehalt) oder Kapitalvermögen. So funktioniert‘s Wie kommt man nun zum IGFB? Bei einem Jahresgewinn bis 33.000, Euro steht ein Grundfreibetrag von bis zu 4.950, Euro zur Verfügung, ohne dass eine Investition getätigt werden muss. Bei einem Jahresgewinn über 33.000, Euro kann zusätzlich eben der IGFB geltend gemacht werden. Wichtig ist dabei: Dieser muss in bestimmte Wertpapiere (gemäß § 14 Abs 7 Z 4 EStG, Haltefrist zumindest vier Jahre) veranlagt oder durch Investitionen in begünstigtes Anlagevermögen (das sind körperliche, abnutzbare Anlagegüter, zum Beispiel Maschinen, Computer, Lkw) gedeckt werden. Noch Zeit bis zum Jahresende Soweit, so gut. Allerdings: Der Gesetzgeber hat beschlossen, dass der IGFB schon bald nicht mehr durch Investments in Wertpapieren geltend gemacht werden kann. Diese Einschränkung soll (nach heutigem Stand der Dinge) befristet für die Jahre 2027 bis 2029 gelten. In diesem Zeitraum soll für die Nutzung des IGFB lediglich die Anschaffung/Herstellung von bestimmten körperlichen Wirtschaftsgütern zulässig sein. Die Steuerberatung TPA analysiert: „Ohne die flexible Steuerungsmöglichkeit über Wertpapieranschaffungen verpufft der investitionsbedingte Gewinnfreibetrag bei allen Unternehmen, die keine kapitalintensiven Neuanschaffungen in Sachanlagen planen oder benötigen (beispielsweise im Dienstleistungssektor oder bei Freiberuflern wie Ärzten). Dies kommt einer faktischen Steuererhöhung für erfolgreiche Unternehmer gleich.“ Laut TPA kann der Verlust der Wertpapiermöglichkeit beim Gewinnfreibetrag die Einzelunternehmer und Gesellschafter von Personengesellschaften im Extremfall bis zu 22.797,50 Euro an reiner Einkommensteuer pro Jahr kosten. Das sind keine „Good News“. Gut ist aber, dass man noch heuer mit ausgesuchten Wertpapieren etwas gegensteuern kann – siehe links. WIRTSCHAFT . Gewinnfreibetrag Zeit, zu handeln Der investitionsbedingte Gewinnfreibetrag kann die steuerliche Belastung spürbar senken. Doch Achtung: Mit dem Jahreswechsel zu 2027 tritt eine einschneidende Gesetzesänderung in Kraft – davon sollte man sich nicht überrumpeln lassen. MARIO FRANZIN WIEVIEL MAN PROFITIERT GEWINN GEWINNFREIBETRAG < 33.000 € (Grundfreibetrag) 15,0 % 33.000 - 178.000 € 13,0 % 178.000 - 353.000 € 7,0 % 353.000 - 583.000 € 4,5 % > 583.000 € 0 % Quelle: bundesschatz.at Bei einem Jahresgewinn bis 33.000 Euro steht ein Grundfreibetrag zur Verfügung. Darüber hinaus lindern Investitionen die Steuerlast. Berechnungshilfe unter: https://www.bundesschatz.at/gewinnfreibetrag Bis Ende des Jahres kann man noch den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag (IGFB) durch den Erwerb von ausgesuchten Wertpapieren nützen und so die Steuerlast mindern. Wichtig ist dabei: Man darf nicht „blindlings“ auf Einkaufstour gehen und zum Beispiel einen x-beliebigen ETF erwerben. Erlaubt sind nur Wertpapiere gemäß § 14 Abs 7 Z 4 EStG; die Haltefrist beträgt zumindest vier Jahre. Ein Beispiel: der grüne Bundesschatz „4 Jahre“. Es handelt sich hierbei um ein fixverzinstes Wertpapier der Republik Österreich. Das investierte Kapital fließt in umweltfreundliche Maßnahmen. Die aktuelle Verzinsung liegt bei 2,7 Prozent per annum. Ein weiteres Beispiel ist der Raiffeisen Gewinnfreibetrag Mix (ISIN: AT0000811674), ein globaler Mischfonds, der vorwiegend in Anteile anderer Invest- mentfonds investiert. Im Fokus sind dabei: Ökologie und Soziale Nachhaltigkeit. Von Fonds bis Anleihen Ausgabe Nr. 4/2026 – GELD-MAGAZIN . 15
BANKING . Kurzmeldungen 16 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 4/2026 Credit: beigestellt/Archiv 01234567890 Japan: Erfolgreiche Zinspolitik Günstiges Umfeld. Nach Jahrzehnten extrem niedriger Zinsen begann die Bank of Japan (BoJ) im März 2024 mit der Normalisierung ihrer Geldpolitik, beendete die Negativzinsen und gab die Steuerung der Zinsstrukturkurve auf. Seitdem sind die Renditen japanischer Staatsanleihen gestiegen, was ein günstigeres Gewinnumfeld für Banken und Versicherer geschaffen hat. Janus Henderson zieht Bilanz: „Die Normalisierung der Zinssätze in Japan bedeutet für Banken und Versicherer einen strukturellen Wandel weg von einem niedrigen Renditeumfeld hin zu einem Rahmen, der einen klareren Weg zu einer verbesserten Profitabilität bietet.“ Dies zeigte sich kürzlich an den starken Gewinnergebnissen japanischer Unternehmen für das Quartal April bis Juni, insbesondere bei den Banken. Wichtiges Gesetz. Im vergangenen Jahr haben illegale Geldströme laut einer US-Studie weltweit ein Volumen von 4,4 Billionen Dollar erreicht. In Europa wird jetzt gegengesteuert: Die EUGeldwäscheverordnung tritt am 10. Juli 2027 in allen 27 Mitgliedstaaten in Kraft und ersetzt fragmentierte nationale Regelungen durch ein einziges harmonisiertes Regelwerk zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Es ändern sich damit nicht nur die Regeln, sondern auch die Beweisanforderungen, informiert Shufti, eine Plattform zur Verhinderung von Finanzkriminalität. Verpflichtete Unternehmen müssen in der Lage sein, nachzuweisen, dass ihre AML-Kontrollen (Anti-Money Laundering) wirksam sind. Das neue Regelwerk richtet sich unter anderem an in der EU tätige Banken, Zahlungs- und E-Geld-Institute, Fintechs und Dienstleister für digitale Vermögenswerte. Höhere Margen. Die – nennen wir es einmal – spendable Ausgabenpolitik der Staaten treibt die Zinsen nach oben. Das kann bekanntlich die Wirtschaft bremsen. Es gibt aber auch Branchen, die von steigenden Zinsen profitieren. Dazu zählen besonders Versicherungskonzerne und Banken, die aufgrund der gestiegenen Zinsmarge höhere Erträge erzielen. Robert Beer, Geschäftsführer der gleichnamigen Investmentgesellschaft, kommentiert: „Die gute Ertragslage der europäischen Banken verstärkt den Konsolidierungsprozess, da nun genügend Kapital für Aufkäufe vorhanden ist.“ In Spanien stechen dem Fachmann zufolge die zwei hervorragenden Banken, Banco Santander und Banco Bilbao, heraus. Banco Santander hat erst kürzlich die US-amerikanische Bank Webster für circa 10,5 Milliarden Euro übernommen. In Italien ringt die Intesa Sanpaolo darum, die Banca Monte dei Paschi di Siena zu übernehmen. Auch die operativ exzellent geführte Unicredit ist dabei, die Commerzbank zu übernehmen und hält bereits ca. 50 Prozent der Anteile. Die Commerzbankführung versuchte mit Rückendeckung der Politik, die Übernahme zu blockieren, was jedoch gescheitert ist. Die Regierung sollte nun die Konsolidierung nutzen, um in Verhandlungen die Mittelstandsfinanzierung zu stärken. Anschließend sollte der Anteil mit Gewinn verkauft werden, um die Konsolidierungswelle zu unterstützen. In den USA gab es diese Konsolidierung bereits nach der Finanzkrise 2008, was den USA zu einem starken Kapitalmarkt verholfen hat. Höhere Zinsen: Banken profitieren „Besonders Versicherungskonzerne und Banken profitieren von höheren Zinsen.“ Robert Beer, Geschäftsführer, Robert Beer Investment DIE ZAHL DES MONATS 4,4 Billionen Nach der Dürre Rasche Hilfe gefragt Hitzeschäden. Das Jammern und Zähneklappern ist nach dem Rekord-Sommer groß: Die extreme Trockenheit und die damit verbundenen Ernteausfälle setzen viele landwirtschaftlichen Betriebe in Österreich unter Druck. Um betroffenen Kunden rasch und unbürokratisch zu unterstützen, bietet die Erste Bank, Tiroler Sparkasse und Sparkasse Hainburg ab sofort eine Dürre-Soforthilfe in Form eines zinsen- und spesenfreien Überziehungsrahmens von bis zu 25.000 Euro an. Landwirtschaftliche Betriebe mit nachweisbaren Ertrags- bzw. Einkommensausfällen aufgrund der Trockenheit können das Darlehen als kurzfristige Liquiditätshilfe in Anspruch nehmen. Die Unterstützung wird unabhängig von möglichen zukünftigen staatlichen Förder- oder Zuschussmaßnahmen bereitgestellt und soll Betrieben helfen, die finanziellen Folgen der Dürre rasch abzufedern. Betroffene Bestandskunden können das Finanzierungsangebot direkt bei ihrer Erste Bank oder Sparkasse anfragen, persönlich, telefonisch oder per E-Mail. Die Dürre-Soforthilfe wird über das Geschäftskonto abgewickelt und kann bis Ende des Jahres abgeschlossen werden. Für die Beantragung braucht es keine weiteren Bankformulare.
Ausgabe Nr. 4/2026 – GELD-MAGAZIN . 17 Credits: beigestellt; Oberbank © Joachim Haslinger Oberbank: Positive Zahlen Starkes operatives Geschäft. Im ersten Halbjahr 2026 hat die Oberbank, deren Ursprünge bis ins Jahr 1869 zurückgehen, einen Überschuss nach Steuern in der Höhe von 199 Millionen Euro erwirtschaftet. Das ist ein Plus von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das operative Geschäft der Bank zeigte sich erneut äußerst robust. Getrieben vom starken Firmenkundengeschäft, ist das Kreditvolumen auf 22,4 Milliarden Euro herangewachsen. Im Kommerzkreditgeschäft zeigt sich das erste Halbjahr mit einem Anstieg um 850,7 Millionen oder 4,8 Prozent auf 18,6 Milliarden Euro stark und liegt erneut deutlich über dem Gesamtmarkt Österreich (plus 2,5 % laut OeNB). Martin Seiter, Generaldirektor der Oberbank, hat also Grund zur Freude: „Im anhaltend schwierigen geopolitischen Umfeld konnten wir den Überschuss nach Steuern um elf Prozent auf 199 Millionen Euro steigern. Unsere Stärke ist das operative Geschäft mit Zuwächsen im Kreditgeschäft und bei den Einlagen. Ebenso haben sich das Dienstleistungs- und das Beteiligungsergebnis hervorragend entwickelt.“ Das präsentierte Halbjahresergebnis habe sogar die eigenen Erwartungen übertroffen. Martin Seiter, Generaldirektor, Oberbank Robuste Aktien. Asset Manager Markus Dürnberger und Portfoliomanager Daniel Briesemann vom Bankhaus Spängler analysieren aktuelle Themen rund um das Wirtschaftsgeschehen: „An den Finanzmärkten richtet sich der Fokus derzeit auf Anleihen, denn deren Renditen sind in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Setzt sich dieser Trend fort, könnte das die Konjunktur belasten und die derzeitigen Erholungstendenzen rasch wieder zunichte machen“, so Dürnberger. Stark steigende Anleiherenditen bremsen für gewöhnlich die Aktienmärkte – dieses Jahr zeigen sie sich jedoch weitgehend widerstandsfähig: In den USA legte der breite Markt zweistellig zu. „Bemerkenswert ist, dass der Anstieg nicht mehr nur von den großen Technologiewerten getragen wird“, sagt Dürnberger. Spängler: Kapitalmarktupdate Markus Dürnberger, Asset Manager im Bankhaus Spängler Sicherheitsbedürfnis sind von Mensch zu Mensch verschieden. Die Expertinnen und Experten der HYPO NOE nehmen sich Zeit für eine umfassende Beratung und stimmen die einzelnen Bausteine individuell auf die jeweilige Situation ab. So kann aus kleinen Beträgen frühzeitig ein durchdachter Vorsorgeplan entstehen – und aus regelmäßigem Sparen ein wertvoller Beitrag für die persönliche Zukunft. www.hyponoe.at Matthias Förster Bereichsleiter Vertriebsstrategie, Digitalisierung & Retail Banking Früh starten, später mehr Spielraum Wer in jungen Jahren mit dem Sparen beginnt, muss nicht gleich große Summen zur Seite legen. Oft reicht bereits ein kleiner, regelmäßig investierter Betrag, um eine wichtige Gewohnheit zu entwickeln – und Schritt für Schritt ein finanzielles Polster aufzubauen. Ob Ausbildung, erste eigene Wohnung, Familiengründung oder ein anderer großer Wunsch: Wer früh vorsorgt, schafft sich später mehr Möglichkeiten und kann Vorhaben mit größerer Sicherheit planen. Entscheidend ist dabei nicht nur, wie viel man spart, sondern auch, wie das Geld angelegt wird. Klassische Sparformen wie Sparkonto oder Bausparen können weiterhin sinnvolle Bausteine sein. Wer jedoch ausschließlich darauf setzt, lässt möglicherweise zusätzliche Ertragschancen ungenutzt. Je nach persönlicher Situation, Anlagehorizont und Risikobereitschaft können auch chancenreichere Anlage- und Vorsorgeformen wie Wertpapiere oder ausgewählte Versicherungslösungen eine passende Ergänzung darstellen. Ein breit aufgestellter Mix hilft, unterschiedliche Ziele miteinander zu verbinden: kurzfristig verfügbare Reserven, mittelfristige Wünsche und langfristiger Vermögensaufbau. Dabei geht es nicht um ein Entweder-oder, sondern um eine ausgewogene Kombination. Gerade bei Wertpapieren gilt es allerdings, mögliche Wertschwankungen und Risiken bewusst zu berücksichtigen. Welche Lösung die richtige ist, lässt sich deshalb nicht pauschal beantworten. Einkommen, Lebensphase, Zukunftspläne und KOLUMNE . HYPO NOE Landesbank für Niederösterreich und Wien AG FOTO: Copyright: HYPO NOE / Bollwein
RkJQdWJsaXNoZXIy MzgxOTU=