GELD-Magazin, Nr. 4/2026

In Konkurrenz mit etablierten Bezahldiensten Wero tritt dabei nicht in einen leeren Markt ein. Mit PayPal, Apple Pay und Klarna konkurriert die europäische Bezahllösung mit Anbietern, die bei Konsumenten und Händlern bereits stark verankert sind. Während PayPal und Apple Pay vor allem den digitalen Checkout prägen, ist Klarna insbesondere im Onlinehandel und beim „Buy now, pay later“-Geschäft stark. EPI-Chefin Martina Weimert bezeichnet Wero in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung ausdrücklich als europäische Alternative zu Apple Pay und PayPal. Auch der Zahlungsverkehrsberater Flagship Advisory Partners ordnet Wero als europäische Alternative zu etablierten Anbietern wie Visa, Mastercard und PayPal ein. Wie schwer der Einstieg in den etablierten Markt werden dürfte, zeigt ein Blick auf Deutschland und Österreich. PayPal war 2025 laut einer Erhebung bereits in 71 Prozent der österreichischen Webshops als Zahlungsoption verfügbar. In Deutschland verfügte PayPal nach eigenen Angaben zuletzt über rund 35 Millionen aktive Kundenkonten. Auch Apple Pay und Google Pay sind als mobile Bezahllösungen etabliert. Zweifel an der Durchsetzung Damit steht Wero vor einem klassischen Henne-Ei-Problem: Je mehr Konsumenten einen Bezahldienst nutzen, desto attraktiver wird er für Händler – und je mehr Händler ihn anbieten, desto größer wird der Anreiz für Konsumenten, ihn zu nutzen. Wero muss daher beide Seiten gleichzeitig für sich gewinnen. Dass dies nicht von heute auf morgen gelingen dürfte, zeigt eine aktuelle Umfrage des Vergleichsportals Verivox in Deutschland. Demnach konnten nur 39 Prozent der Erwachsenen korrekt zuordnen, dass es sich bei Wero um einen Zahlungsdienst handelt. 58 Prozent zweifelten daran, dass Wero sich als führender europäischer Zahlungsdienst durchsetzen wird. Für die Alltagstauglichkeit wird entscheidend sein, wie einfach Wero tatsächlich zu nutzen ist – und vor allem, wo die Lösung akzeptiert wird. Bei P2P-Zahlungen genügt bereits die Telefonnummer, während Wero beim Onlinehandel direkt aus der Banking- oder Wero-App heraus genutzt werden kann. Doch genau bei der Händlerakzeptanz liegt noch eine Herausforderung. „Um sich zu etablieren, muss Wero bei den Online-Shops in die Fläche kommen“, sagt Stephanie Heise von der Verbraucherzentrale NRW. Auch EPIChefin Martina Weimert räumt ein, dass die technische Integration für Händler noch ein aufwendiges IT-Projekt sein kann. Souveränität und Datenhoheit Wero will sich von der Konkurrenz allerdings nicht nur über seine Funktionalität, sondern auch über seine europäische Herkunft absetzen. Für mehr europäische Unabhängigkeit beim digitalen Bezahlen sollten aus Sicht der Deutschen Bundesbank Wero und der digitale Euro miteinander verzahnt werden. Bundesbank-Vorstand Lutz Lienenkämper brachte etwa die Integration des digitalen Euro in die Wero-Wallet ins Spiel. Eine weitere Frage ist die Datenhoheit. Deloitte hat sich in einem Industry Briefing vom August 2026 mit der Daten- und Infrastrukturfrage von Wero beschäftigt. Demnach werden die Daten von Wero in europäischen Rechenzentren gespeichert; zugleich kontrolliert Wero Verschlüsselung und Architektur. Allerdings weist Deloitte auch auf einen Widerspruch hin: Wero nutzt teilweise die Cloud-Infrastruktur des US- Konzerns Amazon Web Services. Die europäische Datenspeicherung allein beantwortet damit noch nicht die Frage, wie weit die digitale Infrastruktur tatsächlich souverän europäisch ist. Datenschutz wird damit für Wero zu einem weiteren Argument im Wettbewerb. EPIChefin Martina Weimert verweist gegenüber Reuters ebenfalls auf die Abhängigkeit Europas von US-Zahlungsinfrastrukturen und sieht darin angesichts geopolitischer Risiken ein Problem für die europäische finanzielle Autonomie. Wero soll deshalb nicht nur eine weitere Bezahllösung werden, sondern langfristig einen nachhaltigen Beitrag dazu leisten, Europas Abhängigkeit von außereuropäischen, insbesondere von US-Zahlungsinfrastrukturen zu verringern. „Wero ist eine überzeugende und sichere Lösung.“ Gerda Holzinger-Burgstaller, CEO, Erste Bank „Mit Wero bieten wir künftig den Kunden mehr Wahlfreiheit im Zahlungsverkehr.“ Johann Strobl, Ex-CEO, Raiffeisen Bank International Wero in Zahlen 55 Millionen Nutzer zählt Wero nach eigenen Angaben inzwischen. 2024 Start in Deutschland, Frankreich und Belgien. 2027 Geplanter Start von Wero in Österreich. 2028 Ab Anfang 2028 soll Wero bei Raiffeisen NÖ-Wien integriert werden. Telefonnummer Für P2P-Zahlungen reicht die Telefonnummer des Empfängers – eine IBAN ist nicht nötig. Vier Bereiche Wero soll Zahlungen zwischen Privat- personen, im Onlinehandel sowie künftig im stationären Handel ermöglichen und perspektivisch auch weitere Zahlungsdienste integrieren. Eine europäische Alternative Das Ziel: eine grenzüberschreitende Bezahllösung als europäische Alter- native zu internationalen Anbietern. Ausgabe Nr. 4/2026 – GELD-MAGAZIN . 19

RkJQdWJsaXNoZXIy MzgxOTU=