20 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 4/2026 Osteuropa Aufholjagd geht weiter Credits: beigestellt/Archiv; marchello74/stock.adobe.com;pixabay Wachstum. „Die wirtschaftliche Konvergenz dürfte sich in vielen europäischen Volkswirtschaften mit mittlerem Einkommen fortsetzen“, so Marius Schulte, Experte für Staatsratings bei Morningstar. Gemeint sind damit die Länder Mittel- und Osteuropas sowie Südeuropas, die gegenüber den hochentwickelteren Industriestaaten des Westens ein schnelleres Wachstumstempo eingeschlagen haben. Auch wenn unterschiedliche Wirtschaftsstrukturen und Herausforderungen wahrscheinlich zu auseinanderlaufenden langfristigen Wachstumspfaden führen werden, ist der Verbleib auf dem Konvergenzkurs ein wesentlicher Faktor für die Bonität dieser Staaten. Angesichts des zunehmenden demografischen Drucks werden ein anhaltend hohes Investitionsniveau sowie die Umsetzung produktivitätssteigernder Reformen entscheidend sein, um die Konvergenzpfade langfristig zu wahren. MÄRKTE . Kurzmeldungen China und KI: Immense Investitionen Immer mehr Datencenter. Was bei US-Technologiekonzernen bereits für Kurskorrekturen gesorgt hat, erreicht nun auch China: Sorgen über die hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI). Die jüngste Kapitalerhöhung von Alibaba ließ die Aktie des Technologieriesen deutlich fallen und löste einen breiteren Ausverkauf chinesischer Technologiewerte aus. Ist Alibaba ein Einzelfall oder markiert der Schritt erst den Beginn einer neuen KI-Investitionswelle? Philipp Mettler, Senior Portfoliomanager bei Swisscanto/ZKB, sieht die Sache so: „Der Investitionsbedarf für Datenzentren ist auch in China enorm. Die Kapitalerhöhung von Alibaba dürfte daher kein Einzelfall bleiben. Wie sich die Unternehmen finanzieren, wird allerdings von ihrer jeweiligen Situation abhängen.“ Am besten positioniert sind laut dem Spezialisten aktuell Unternehmen aus Zulieferketten, die Zugang zu besonders knappen Ressourcen und Kapazitäten haben – etwa bei Speicherchips, Fertigungskapazitäten, Strominfrastruktur oder optischen Komponenten. Rekordverdächtig. US-Staatsanleihen bekommen Konkurrenz durch Tech-Konzerne, die Geld für ihre KI-Investitionen aufnehmen. „Dieser Wettbewerb um Anlegerkapital trägt dazu bei, dass die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen mittlerweile so hoch ist, wie seit 25 Jahren nicht mehr“, sagt Keith Patton, Fixed Income-Spezialist bei Columbia Threadneedle Investments. Laut dem Experten gehören hochwertige Staatsanleihen in Zeiten wirtschaftlicher Schwäche, Rezession oder Risikoaversion nach wie vor zu den effektivsten Diversifizierungsinstrumenten. In fünf der letzten sieben Phasen, in denen der S&P um mindestens zehn Prozent fiel, stiegen die Kurse 30-jähriger Anleihen und sorgten so für diese Diversifizierungsvorteile. Patton: „Daran ändert auch die aktuelle Situation nichts. Was sich dagegen verändert hat, ist der Preis für diese Sicherheit. Anleger verlangen heute eine höhere Vergütung für die langfristige Bindung ihres Kapitals.“ Anleihen: Hohe Rendite Keith Patton, Fixed Income-Experte bei Columbia Threadneedle Hoffnungsvoll. Das Wirtschaftswachstum Indiens hat im zweiten Quartal erneut positiv überrascht: Das BIP legte im Vorjahresvergleich um 7,8 Prozent zu, nachdem der Zuwachs im ersten Quartal bei 8,6 Prozent gelegen hatte. Erfreulich war das starke Wachstum der Anlageinvestitionen (plus 11,9 Prozent im Jahresvergleich) und der privaten Konsumausgaben (plus 7,1 Prozent). Währenddessen fiel der Anstieg bei Staatsausgaben mit 4,3 Prozent im Jahresvergleich deutlich geringer aus. Die DekaBank beurteilt die Situation positiv: „Damit hat sich die indische Volkswirtschaft im Umfeld deutlich erhöhter Energiepreise bisher gut geschlagen. Die gute Wirtschaftsentwicklung dürfte der indischen Notenbank im weiteren Jahresverlauf die Entscheidung für eine Leitzinsanhebung erleichtern. Die Bereitschaft, den indischen Markt stärker für ausländische Konkurrenz zu öffnen, ist ein positives Signal.“ Die Staatsfinanzen bleiben allerdings ein Schwachpunkt. Die öffentlichen Schulden liegen bei über 80 Prozent des BIP. Indien: Interessante Chancen
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