GELD-Magazin, Nr. 4/2026

EZB agiert etwas restriktiver. Überrascht hat es niemanden, erfreulich war es dennoch nicht: Mitte September hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Einlagensatz um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent angehoben, die zweite Zinserhöhung in diesem Jahr. Leider wird es auch nicht die letzte gewesen sein. Wegen des Inflationsdrucks und keiner absehbaren Lösung im USIran-Krieg dürfte der Leitzins vor Weihnachten zumindest noch einmal um 0,25 Prozent steigen. Auch der Ausblick für 2027 ist wenig rosig: Weitere Zinsanhebungen sind in Sicht. Und je länger der Kostenschub anhält, desto größer wird die Gefahr, dass sich die Teuerung in der Wirtschaft festsetzt und „Zweitrundeneffekte“ (z.B. durch höhere Löhne) auslöst. Immerhin wurden auch die Konjunkturprognosen angehoben, da sich die Weltwirtschaft bisher erstaunlich robust entwickelt. Und so könnten erfreuliche Gewinnschätzungen für die Unternehmen auch die europäischen Aktienmärkte gut unterstützen. Immerhin hat die EZB demonstriert, dass sie nicht hinter der Zinskurve herhinkt. Die Kernrate der Teuerung ohne Energie und Nahrungsmittel sank zuletzt auf 2,4 Prozent, erwartet worden waren 2,5 Prozent. Die Dienstleistungen, das Herzstück der hausgemachten Inflation, fielen von 3,3 auf 3,0 Prozent: der tiefste Stand seit vier Monaten. Auch die Einzelhandelsumsätze fielen schwächer aus als erwartet. (wr) Yen-Schock. Ende Juli schien es, als hätten die Finanzberater der US-Administration die Nerven verloren: Sie rieten Finanzminister Bessent zu gemeinsamen Deviseninterventionen mit der japanischen Notenbank, um die Yen-Schwäche auf diese Weise zu bekämpfen, nachdem alle anderen Versuche, Nippons Währung zu stabilisieren, gescheitert waren. Wie sagen die Amerikaner so schön: „Let sleeping dogs lie“ (Schlafende Hunde soll man nicht wecken). Doch ihre Finanzexperten hielten sich nicht an dieses Sprichwort. Das hatte wenig erfreuliche Konsequenzen: Am Devisenmarkt in Asien kam es zu äußerst unruhigen Handelstagen, der Yen schoss in die Höhe und es sah zeitweise so aus, als würden die Zauberlehrlinge in Washington die Geister, die sie gerufen hatten, so schnell nicht mehr loswerden. Dabei weiß jeder informierte Investor, dass es enorm hohe spekulative Short-Positionen im Yen gibt, denn ein Carry-Trade (man verschuldet sich in einer niedrig verzinsten Währung und kauft damit eine höher verzinste) kann sehr lukrativ sein. Bisher war das auch so, doch zuletzt wurde der Yen für Donald Trumps Geschmack offenbar doch etwas zu schwach. Dass aber auch große US-Investoren mit dieser Yen-Schwäche hohe Renditen erzielt hatten, war ihm wohl nicht bewusst. Sollten sich die Schwankungen nicht beruhigen, könnte ein zu schnell steigender Yen Japans Konjunkturaufschwung ausbremsen. (wr) EUROPA . Zweite Zinserhöhung 2026 - und nicht die letzte Ölpreis sorgt für Unruhe Der Euro Stoxx 50-Index geriet nach seinem erneuten Rekordhoch im August bei 6.535 Punkten im Anschluss daran in eine Korrekturphase, die nach wie vor anhält. Wichtig wäre es, die Unterstützung bei 6.000 Punkten zu verteidigen. Yen-Chaos bremst Nikkei aus Als Folge unerwarteter, in dieser Form zuletzt 1998 (!) erfolgter gemeinsamer Devisenmarktinterventionen der US- und japanischen Notenbanken, schoss derYen in die Höhe, japanische Aktien gerieten zudem unter starken Abgabedruck. EURO STOXX 50 NIKKEI 225 JAPAN . Devisenmarkt-Interventionen sorgen für Unruhe Indexpunkte in EUR 3.500 4.000 4.500 5.000 7.000 6.000 6.500 5.500 3.000 2021 2022 2023 2024 2025 2026 Indexpunkte in JPY 75.000 70.000 55.000 65.000 60.000 50.000 45.000 35.000 25.000 30.000 40.000 20.000 2021 2022 2023 2024 2025 2026 Ausgabe Nr. 4/2026 – GELD-MAGAZIN . 53

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