Das österreichische Vorsorgesystem steht vor einem strukturellen Wendepunkt. Die demografische Entwicklung, die Kapitalmarktferne breiter Bevölkerungsschichten und die geringe Aktienquote in der privaten Vermögensbildung führen dazu, dass die langfristige finanzielle Resilienz vieler Haushalte gefährdet ist. Österreich zählt im internationalen Vergleich zu den Ländern mit der niedrigsten Aktienbeteiligung privater Haushalte – ein Befund, den die OECD seit Jahren kritisch kommentiert. 2025 erreichte das Finanzvermögen in Österreich laut OeNB mit 969 Milliarden Euro einen neuen Höchststand. Laut Statistik Austria liegt davon der größte Teil noch auf kaum verzinsten Girokonten und Sparbüchern. 24 Prozent der Haushalte sind laut Brokertest in Fonds investiert, rund sechs Prozent direkt in Aktien. Rechnet man die Aktienanteile der Fonds hinzu, ergibt sich in Österreich eine Aktienquote von 15 bis 20 Prozent des Nettofinanzvermögens. Länder wie Schweden, Dänemark oder die Niederlande zeigen, dass eine höhere Kapitalmarktteilnahme nicht nur die private Vermögensbildung stärkt, sondern auch die Innovationskraft der Volkswirtschaft. Das geplante Zukunftsdepot soll genau hier ansetzen: Es ist ein staatlich reguliertes, steuerlich begünstigtes Wertpapierdepot, das langfristiges Investieren erleichtert und die Kapitalmarktteilnahme breiter Bevölkerungsschichten fördert. Die Idee ist nicht neu, wird aber in Österreich erstmals politisch konkretisiert. Zukunftsdepot für Kinder Bundeskanzler Christian Stocker stellte Ende August im Rahmen der ORF-Sommergespräche die Eckpunkte des mit Anfang 2027 geplanten Zukunftsdepots vor: Eltern, die für das Neugeborene ein Zukunftsdepot eröffnen, würden vom Staat ein Startguthaben Förderung in jungen Jahren Bundeskanzler Christian Stocker kündigte an, jedem Neugeborenen bis zum 18. Lebensjahr ein KESt- und gebührenfreies Wertpapierdepot zu ermöglichen. Damit soll Aktiensparen in der breiten Bevölkerung ankommen. MARIO FRANZIN BRENNPUNKT . Zukunftsdepot Credit: IBEX.Media/stock.adobe.com; Mit dem Zukunftsdepot soll die Möglichkeit geschaffen werden, eine finanziell unabhängigere Generation zu fördern. RENDITE-BEISPIELE BEI HÖCHSTEINZAHLUNGEN UND BEI UNTERSCHIEDLICHEN SPARRATEN RENDITE P.A. ENDWERT NACH 18 JAHREN DAVON ERTRAG EINGEZAHLT ERSPARTE KEST 6,7 % 176.243 € 86.243 € 90.000 € (18 x 5.000 €) 23.717 € 5,0 % 147.695 € 57.695 € 90.000 € (18 x 5.000 €) 15.866 € 4,0 % 133.356 € 43.356 € 90.000 € (18 x 5.000 €) 11.923 € SPARRATE ENDWERT BEI 6,7 % ENDWERT BEI 5,0 % EINGEZAHLT ERSPARTE KEST BEI 5,0 % 50 €/Monat 20.533 € 17.333 € 10.800 € 1.797 € 100 €/Monat 41.067 € 34.666 € 21.600 € 3.593 € 200 €/Monat 82.133 € 69.333 € 43.200 € 7.186 € Quelle: finfo.at 8 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 4/2026
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