Für Rebekka Haller, Abteilungsdirektorin und Spezialistin für Fondsauswahl bei M.M.Warburg, ist die Definition entscheidend. „Die Frage, was Listed Infrastructure ist, klingt banal, ist es aber nicht.“ Für Haller gehören dazu Unternehmen, die Infrastruktur besitzen und betreiben. Das wären Energie- sowie Wasser- und Abwassernetze, Mautstraßen inklusive Tunnel und Brücken, Eisenbahnen, Flughäfen, Pipelines, Mobilfunkmasten und Wind- und Solarparks. „Das Entscheidende ist das Cashflow-Profil: planbar, oft reguliert oder vertraglich gesichert, weitgehend konjunkturunabhängig. Genau das macht Infrastruktur zu einem Kerninvestment“, so Haller. Unelastische Nachfrage Wer wirklich in Infrastruktur im klassischen Sinne investiert, wie zum Beispiel in regulierte Netze, Wasserversorgung oder Fernwärme, sollte operativ in Rezessionen kaum etwas merken. „Die Nachfrage ist weitgehend unelastisch, die Einnahmen reguliert. Das ist der Kern des Versprechens. Der Kurs ist davon aber nicht automatisch entkoppelt, das ist der Unterschied zwischen operativer Stabilität und Kursstabilität“, so Haller und ergänzt: „Flughäfen und Häfen reagieren deutlicher, weil Reise- und Handelsvolumina in Rezessionen spürbar sinken“. Steigende Zinsen drücken zudem die Bewertung langfristiger Einnahmen und belasten außerdem hoch verschuldete Unternehmen bei der Refinanzierung. Besonders kritisch sieht Haller das rasch ausgeweitete Infrastruktur-Label bei Rechenzentren. Sie verstehe die Wachstumslogik, aber Vertragslaufzeiten, Mieterbonität und das technologische Risiko sind sehr unterschiedlich. Ihr Fazit: „Rechenzentren sind Listed Infrastructure verbindet stabile Cashflows mit hohen Investitionen in Strom, Netze und Daten. Doch wie stabil und ertragreich sind die einzelnen Investments wirklich? GELD-Magazin befragte dazu mehrere Investmenthäuser. MICHAEL KORDOVSKY das jüngste Kapitel. Die kurzfristige Performance war außergewöhnlich, der Beweis, dass daraus ein stabiles Infrastrukturprofil wird, steht noch aus.“ Netze im Kielwasser der KI Tom Levering, Portfolio Manager des Wellington Enduring Infrastructure Assets Fund, grenzt das Universum ein: „Wir investieren in Unternehmen mit langlebigen physischen Vermögenswerten, die in regulierten Branchen tätig sind, von langfristigen Verträgen profitieren oder über eine vorteilhafte Wettbewerbsposition verfügen. Wir meiden hingegen tendenziell Unternehmen mit einem hohen Rohstoffpreisrisiko oder einer ausgeprägten Konjunkturabhängigkeit. Für unseren Fonds suchen wir gezielt nach strukturellen Wachstumschancen, anstatt Infrastruktur lediglich aufgrund ihrer defensiven Qualitäten oder ihrer hohen und stabilen Dividendenrendite zu halten.“ Im Fokus stehen Unternehmen, die ihre Vermögensbasis durch Investitionen ausbauen. Beim Inflationsschutz differenziert Wellington nach Regionen und Geschäftsmodellen. „Im Hinblick auf die Inflation sind europäische Versorgungsunternehmen, Midstream- und Transportunternehmen sowie ausgewählte Versorger aus Schwellenländern die wichtigsten Kategorien innerhalb des AnInfrastruktur im Wandel GLOBALE INFRASTRUKTUR-AKTIENFONDS ISIN FONDSNAME VOLUMEN PERF. 1 J. 3 JAHRE 5 JAHRE TER1) AT0000A09ZK2 Raiffeisen-NewInfrastructure-ESG-Aktien 469 Mio.€ 18,0 % 47,5 % 55,7 % 2,34 % IE00BNQ4RL64 Wellington Enduring Infr. Assets Fund 2.013 Mio.€ 18,4 % 57,0 % 52,2 % 0,85 % IE00BX9C2459 Lazard Global Listed Infra. Equ. Fund 2.467 Mio.€ 6,2 % 35,8 % 40,4 % 1,82 % IE00BD4GTQ32 FTGF ClearBridge Infrastructure Value Fund 1.548 Mio.€ 10,5 % 31,7 % 38,9 % 1,97 % LU0329760770 DWS Invest Global Infrastructure 2.396 Mio.€ 6,8 % 26,9 % 26,4 % 1,59 % 1) Laufende Kosten laut Basisinformationsblatt; Quellen: MountainView, (b)baha, Fondsgesellschaften; Erhebungsdatum: 4. September 2026 „Wir sind weiterhin der Ansicht, dass regulierte Versorgungsunternehmen den effizientesten Zugang zu KI-bezogenem Wachstum bieten.“ Tom Levering, Portfolio Manager des Wellington Enduring Infrastructure Assets Fund Ausgabe Nr. 4/2026 – GELD-MAGAZIN . 45
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