GELD-Magazin, Nr. 4/2026

„Unsere Unternehmensbewertungen basieren auf unserer Einschätzung des Unternehmenswerts über eine angenommene Haltedauer von typischerweise drei Jahren.“ Bertrand Cliquet, Portfolio Manager und Analyst bei Lazard Asset Management Credits: beigestellt; Raiffeisen © Sabine Klimpf 46 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 4/2026 lageuniversums des Fonds, die einen ausdrücklichen Inflationsschutz bieten können“, so Levering und ergänzt: „Bei europäischen Versorgungsunternehmen ist die regulatorische Vermögensbasis an die Inflation gekoppelt. US-amerikanische Versorgungsunternehmen besitzen zwar keine inflationsindexierte regulatorische Vermögensbasis, können jedoch Brennstoffkosten weiterreichen und ihre Tarife regelmäßig neu festsetzen. Höhere Kosten schlagen sich so mit zeitlicher Verzögerung in den Tarifen nieder“, sagt Levering. Elektrifizierung als Chance Zur Bewertung nutzt Wellington den Rahmen „Intrinsic Return“. Er kombiniert die Free-Cashflow-Rendite vor Wachstumsinvestitionen, den Kapitalwert dieser Wachstumsinvestitionen und das Wachstum bzw. zusätzliches Ertragspotenzial aus inflations- oder tarifindexierter Regulierung. Levering betont: „Wichtig ist, dass wir uns nicht auf die Dividendenrendite konzentrieren. Wir bevorzugen eine niedrigere Ausschüttungsquote, da das Unternehmen so mehr Gewinne einbehalten kann, die es in weiteres Wachstum investieren kann.“ Den größten Schub erwartet Levering aus der Elektrifizierung und dem steigenden Energiebedarf. „Wir sind überzeugt, dass sich derzeit eine Infrastrukturchance von generationenprägendem Ausmaß eröffnet.“ Regulierte Strom-, Gas- und Wasserversorger profitierten von höherer Nachfrage, der Modernisierung der Netze, der Erneuerung veralteter Infrastruktur und konstruktiveren regulatorischen Rahmenbedingungen. „Wir sind weiterhin der Ansicht, dass regulierte Versorgungsunternehmen den effizientesten Zugang zu KI-bezogenem Wachstum bieten. Große Cloud- und Rechenzentrumsbetreiber schließen langfristige Stromabnahmeverträge mit „Take-or-Pay“-Verpflichtungen ab. Diese finanzieren den Ausbau neuer Infrastruktur, ohne dass die damit verbundenen Kosten auf andere Kunden abgewälzt werden, so Levering. Selektiv gegen Marktrauschen Bertrand Cliquet, Portfolio Manager und Analyst bei Lazard Asset Management, setzt auf ein eigenes Teiluniversum. „Wir bezeichnen dieses als „Preferred Infrastructure“ und investieren ausschließlich in Vermögenswerte, die diesem Ansatz entsprechen.“ Gefordert sind reale Vermögenswerte, stabile Nachfrage, Preissetzungsmacht und beherrschbare Verschuldung. Der Schwerpunkt liegt in OECD-Ländern. „Unter unsere Definition fallen Stromübertragungsnetze, Autobahnen, Flughäfen, Monopole in der Wasser- und Abwasserentsorgung sowie Telekommunikationsmasten mit langfristigen Verträgen. Daraus ergibt sich ein RisikoRendite-Profil, das unseres Wissens derzeit von keinem anderen Manager angeboten wird“, erklärt Cliquet. Baukonzerne bleiben draußen, denn „diese Unternehmen agieren in einem wettbewerbsintensiven Umfeld, in dem Marktkräfte, der Konjunkturzyklus und Kosteninflation die Gewinne erheblich beeinflussen können – sowohl positiv als auch negativ.“ Lazard akzeptiert bei Infrastrukturunternehmen nicht-monopolistische Aktivitäten nur dann, wenn sie weniger als ein Viertel der Bewertung ausmachen. Die Strategie ist Benchmark-unabhängig und bewertungsorientiert. Dazu Cliquet: „Unsere Unternehmensbewertungen basieMÄRKTE & FONDS . Infrastruktur-Investments E.ON ist ein deutsches Versorgungsunternehmen, das 75 Prozent seiner Erträge mit regulierten Netzen erzielt. „Das Unternehmen überzeugt uns u.a. durch seine solide Ertragsentwicklung, sein Potenzial für operative Verbesserungen und seine starke strategische Positionierung“, so Levering. Laut Meinung des Autors (Kordovsky) erscheint ein langfristiges Gewinnwachstum von sechs bis neun Prozent p. a. plausibel, weshalb ein für 2028 geschätztes KGV von 13,5 akzeptabel ist. American Water Works ist das größte börsennotierte Wasserversorgungsunternehmen in den USA. „Es überzeugt uns aufgrund seines hochwertigen, risikoarmen Geschäftsmodells und seiner Fähigkeit, langfristig ein attraktives und nachhaltiges Gewinnwachstum zu erzielen. In Verbindung mit einem unterstützenden regulatorischen Umfeld und einer konsequenten Umsetzung bieten diese Faktoren eine langfristige Grundlage für Gewinn- und Dividendenwachstum sowie für die Wertschöpfung“, so Levering. Laut MarketScreener sollte das Gewinnwachstum von 2024 bis 2028 bei 7,2 Prozent p. a. liegen (erw. KGV 2028: 19,6). Das für für 2028 erwartete KGV, liegt beträgt 19,6 und widerspiegelt im Pricing eine gewisser Ertragskontinuität. Zwei regulierte Wachstumswerte

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