Listed Infrastructure im Jahr 2026 Pascal Kielkopf, Kapitalmarktstratege bei HQ Trust, sieht das Profil der Anlageklasse bestätigt: „Die wichtigste Schlussfolgerung vorweg: An unserer grundsätzlichen Einschätzung von Listed Infrastructure hat sich seit Januar wenig geändert.“ Bis Ende Juli 2026 legte der S&P Global Infrastructure Index auf Euro-TotalReturn-Basis um 11,9 Prozent zu, der MSCI ACWI um 13,7 Prozent. Dafür blieb die Volatilität mit 9,0 Prozent unter den 10,1 Prozent des Weltaktienindex; auch der maximale Rückgang war mit minus 4,3 Prozent geringer als dessen minus 6,6 Prozent. „Der bisherige Jahresverlauf bestätigt damit grundsätzlich das typische Profil von Listed Infrastructure: etwas geringere Partizipation an starken Aktienmarktphasen, dafür eine tendenziell höhere Stabilität in Rücksetzern.“ Zu den Wachstumsperspektiven in den kommenden fünf bis zehn Jahren äußert sich Kielkopf: „Den stärksten strukturellen Investitionsbedarf sehen wir derzeit in drei Bereichen: Stromnetze und Elektrifizierung, digitale Infrastruktur sowie die Modernisierung alter Infrastruktur.“ „Zyklische Werte sind dagegen stärker mit dem Aktienmarkt korreliert und verhalten sich in Stressphasen häufig ähnlich wie klassische Industrie- oder Technologiewerte.“ Karin Kunrath, Chief Investment Officer der Raiffeisen KAG Ausgabe Nr. 4/2026 – GELD-MAGAZIN . 47 ren auf unserer Einschätzung des Unternehmenswerts über eine angenommene Haltedauer von typischerweise drei Jahren. Entsprechend werden unsere Bewertungen nicht von emotionalen Reaktionen des Aktienmarktes auf Ereignisse und Nachrichten beeinflusst, deren Bedeutung weniger nachhaltig sind. Solche Aktienkursbewegungen betrachten wir als ,Rauschen‘“. Derzeit sieht Cliquet Bewertungspotenzial bei US-Telekommunikationsmasten und regulierten Stromversorgern. Aber es kann auch mit volatileren US-Eisenbahnunternehmen Geld verdient werden: „Über die vergangenen 20 Jahre war dies der Sektor mit dem größten Einzelbeitrag zur Wertentwicklung unserer Strategie.“ Versorgungsnetze für Strom, Gas und Wasser zählen dagegen zu den widerstandsfähigsten Anlagen, weil Vergütung und Absatzmenge häufig entkoppelt sind. Versorger in Großbritannien, Europa und Australien sowie Flughäfen und Mautstraßen verfügen aufgrund ihrer Regulierung oder Konzessionen über eine Inflationsbindung. US-Versorger, Eisenbahnen und Kommunikationsinfrastruktur gleichen Teuerung eher über regulatorische oder vertragliche Mechanismen mit nominalen Renditen aus. Mittelfristig erwartet Cliquet für „Preferred Infrastructure“ organisches Wachstum im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich, warnt aber vor überzogenen Preisen. Ausgeprägte Inflationsschübe wirken sich laut Cliquet „positiv auf die Cashflows von Mautstrassen, Flughäfen, Eisenbahnen und Versorgern außerhalb der USA“ aus. Neue Infrastruktur und ESG Die stärkere Ausrichtung auf Digitalisierung, Dekarbonisierung und Mobilitätswende im Raiffeisen NewInfrastructure ESG kommentiert Karin Kunrath, Chief Investment Officer der Raiffeisen KAG: „Das Renditepotenzial ist gestiegen, da der Fonds nun direkter an Wachstumsthemen wie digitaler Infrastruktur, Cloud, Rechenzentren oder Halbleitern teilnimmt. Gleichzeitig hat die Volatilität zugenommen, weil technologische und wachstumsorientierte Infrastrukturwerte stärker auf Zinsänderungen, Konjunkturzyklen und die Marktstimmung reagieren als klassische defensive Versorger.“ Digitale Infrastruktur und Cloud waren seit der Neuausrichtung die wichtigsten Performancetreiber. Energiewende und Speichertechnologien blieben teilweise hinter den Erwartungen zurück. Kunrath skizziert die Portfoliostruktur: „Zur Steuerung dieses Gegensatzes eignet sich ein Core-Satellite-Ansatz. Der Kern des Portfolios, etwa 65 bis 70 Prozent, bleibt in defensive Betreiber investiert, um Abwärtsschutz und stabile Dividenden zu sichern. Der Satellitenanteil von rund 30 bis 35 Prozent zielt auf Wachstumswerte, die mit Megatrends wie Dekarbonisierung, Digitalisierung oder technologischer Infrastruktur verbunden sind“, und sie verweist auf unterschiedliche Marktreaktionen: „Defensive Betreiber profitieren von bestehenden Vermögenswerten, die Cashflows generieren, und reagieren stärker auf Zinsänderungen als auf den Börsenzyklus. Zyklische Werte sind dagegen stärker mit dem Aktienmarkt korreliert und verhalten sich in Stressphasen häufig ähnlich wie klassische Industrie- oder Technologiewerte.“ Besonders widerstandsfähig seien regulierte Strom-, Gas- und Wassernetze sowie essenzielle digitale Infrastruktur wie Funkmasten. Der Inflationsschutz variiert. Mautstraßen können Tarife meist rasch indexieren; regulierte Versorger müssen höhere Kosten oft bis zur nächsten Tarifanpassung vorfinanzieren. Funktürme stützen sich auf langfristige Verträge mit Inflationsklauseln oder festen Steigerungen. Rechenzentren besitzen nur bedingte Preissetzungsmacht. Glasfasernetze sind auslastungs- und wettbewerbsabhängig. Entlang der KI-Infrastrukturkette sieht Kunrath Chancen bei Netzkomponenten, Übertragungstechnik, Kühlung, Stromerzeugung, Verkabelung und Rohstoffen. „Besonders attraktiv sind Segmente, in denen Genehmigungszeiten lang, technische Anforderungen hoch und Produktionskapazitäten bereits über mehrere Jahre ausgelastet sind.“ Bei der Bewertung zählen EV/EBITDA, Free-Cashflow-Rendite und ROIC.
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