ZUR PERSON Der promovierte Portfoliomanager Dr. Bert Flossbach gründete mit Kurt von Storch 1998 das Unternehmen Flossbach von Storch. Er verantwortet die Bereiche Research sowie Investment Management. Von 1991 bis 1998 war Dr. Flossbach als Executive Director bei Goldman Sachs & Co. in Frankfurt tätig. Aktien bleiben attraktiver Die Finanzmärkte stehen unter wachsender Spannung. Während Aktien Rekordhochs erreicht haben, sind die Renditen an den Anleihemärkten auf langjährige Tops gestiegen – aus Angst der Anleger vor Inflation und der hohen Staatsverschuldung. Damit werden Zinspapiere zu größeren Konkurrenten von Aktien. Fondsmanager Bert Flossbach erklärt, warum er dennoch Dividendenpapiere bevorzugt. Sehen Sie erhöhte Risiken für die Aktienmärkte wegen der Spannungen an den Anleihemärkten? Das starke Aktienmomentum hat seit Anfang Juni parallel zum Renditeanstieg der Anleihen nachgelassen. Höhere Diskontierungsraten werden damit zunehmend zum Gegenwind für Bewertungen. Aber auch wenn der Anleihemarkt mitunter deutlich höhere Renditen bietet als in der jüngeren Vergangenheit, erachten wir das Chance-Risiko-Profil in Teilen des Aktienmarktes nach wie vor als attraktiver; zumal wir davon ausgehen, dass die Inflation oberhalb der zwei Prozent liegen wird, die die großen Notenbanken als Ziel definiert haben. Wie lange können die USA 30-jährige Anleiherenditen von über 5,3 Prozent ohne Rezession überstehen? Das kann wohl niemand genau vorhersagen. Fakt ist: Je länger das aktuelle Renditeniveau anhält oder je weiter die Renditen steigen, desto stärker dürften sich die restriktiven Effekte auch auf Finanzierungskosten, Immobilien, Wachstum und den fiskalischen Spielraum des hochverschuldeten Staates übertragen. Wir würden allerdings nicht behaupten, dass dieser Mechanismus in der Realwirtschaft bereits voll eingesetzt hat. In den USA bleibt die Konjunktur bislang robuster als teilweise erwartet wurde. Haben wir eine KI-Finanzblase? KI wird aus unserer Sicht zu den am meisten prägenden Technologien der kommenden Jahrzehnte gehören. Doch die Investitionsausgaben der Hyperscaler sollen bis 2030 sieben Billionen US-Dollar erreichen. Damit nach Abzug aller Kosten eine passable Rendite herauskommen kann, müsste der Umsatz die Billionengrenze deutlich überschreiten. Doch woher soll dieser Umsatz kommen, zumal der Wettbewerb unter den KI-Modellen auch im Hinblick auf chinesische Anbieter hart ist? Zudem müssen viele Dinge gleichzeitig funktionieren: Es darf zu keinen Stromengpässen kommen, die Finanzierungsbedingungen müssen einigermaßen günstig bleiben, das Modell der zirkulären Vendor-Finanzierung (KI-Infrastrukturanbieter investieren in Anbieter von KI-Modellen, die wiederum KI-Ausrüstung bei Ersteren bestellen) muss weiterhin funktionieren, die Preise für KI-Ausrüstung dürfen nicht völlig durch die Decke gehen (Nvidia hat bereits wieder Preiserhöhungen angekündigt), eine US-Rezession wäre auch negativ, und, vor allem, muss der Zyklus der KI-Adoption möglichst ohne Disruptionen seinen Aufwärtstrend fortsetzen. Aber an der Börse spielen fundamentale Überlegungen in diesem Segment eine untergeordnete Rolle. Wir würden zwar nicht von einer KI-Blase reden, aus unserer Sicht ist aus Optimismus hier allerdings Euphorie geworden. Wirkt die Expansion von KI in der Wirtschaft eher inflationär oder werden die Preise sinken? In der derzeitigen Investitionsphase trifft Der langjährige Fondsmanager und Gründer der deutschen Vermögensverwaltung Flossbach von Storch, Bert Flossbach, hat vor allem Inflationsrisiken, Spannungen an den Anleihemärkten, aber auch übersehene Investmentchancen bei Aktien im Visier. WOLFGANG REGNER Credit: beigestellt 22 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 4/2026 INTERVIEW . Bert Flossbach, Flossbach von Storch
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