Der Momentumeffekt zählt zu den am besten dokumentierten Kapitalmarktanomalien: Relativ gut gelaufene Wertpapiere tendieren über mittlere Zeiträume dazu, ihre bessere Entwicklung fortzusetzen. Daniel Kanzler, Head of Investment bei der Gerd Kommer Invest GmbH, hält mehrere Erklärungen für schlüssig: „Ich halte eine Misch-Erklärung für am plausibelsten. Kurse reagieren zunächst zu wenig, danach setzt sich die Bewegung eine Zeit lang fort und dann springen auch noch viele weitere Anleger zusätzlich auf bzw. ab, was den Effekt verstärken kann.“ Dazu passe der Disposition Effect, also die Neigung, Verlierer zu lange und Gewinner zu kurz zu halten (Hong/Stein 1999; Frazzini 2006). Momentum sei zugleich nicht frei von besonderen Risiken. „Nach Handelskosten bleibt Momentum in vielen Studien nutzbar, aber weniger spektakulär als im Backtest“, so Kanzler und ergänzt: „Bekanntheit kann Prämien abschwächen. Dass sie deshalb verschwinden müssen, folgt daraus nicht.“ SMN Diversified Futures – ein klassischer Trendfolger Der Futures-Fonds von smn verdient an fallenden und steigenden Kursen. Joseph Waldstein, Geschäftsführer der smn Investment Services GmbH, sieht für Trendfolge heute wieder ein günstigeres strukturelles Umfeld als in den 2010er-Jahren. „Ja, wir sehen deutliche Parallelen zu früheren Trendfolge-Zyklen wie den 1970er- oder frühen 2000er-Jahren.“ Nach dem Niedrigzins- und Niedrigvolatilitätsjahrzehnt haben divergierende Zentralbanken, geopolitische Schocks, fragilere Lieferketten und höhere Zinsen wieder klarere Bewegungen in Zinsen, Währungen und Rohstoffen hervorgebracht. Dass Trendfolger sowohl long als auch short agieren können, eröffnete etwa bei fallenden Anleihekursen zusätzliche Ertragsquellen. Der SMN Diversified Futures Fund handelt nach Waldsteins Angaben mehr als 200 Futures-Märkte. Neben Aktienindizes, Anleihen, Währungen, Edel- und Industriemetallen sowie Energie und Agrargütern umfasst das Spektrum auch weniger verbreitete Märkte wie Käse, Milch, neuseeländische Geldmarktzinsen oder Ether. Im Schnitt sei mehr als die Hälfte des Risikos Rohstoffen zugeordnet. Hinzu kommen synthetische Märkte, die aus einer Kombination bestehender Märkte zusammengesetzt werden. Der Grundgedanke: Trends treten selten gleichzeitig überall auf. Eine breite, möglichst unkorrelierte Marktbasis erhöht daher die Chance, zu jedem Zeitpunkt irgendwo steigende oder fallende Trends zu finden. Fehlsignale in Seitwärtsphasen bleiben Teil des Ansatzes. „Whipsaws lassen sich nie vollständig vermeiden – sie sind der Preis dafür, Trends überhaupt frühzeitig zu erfassen“, so Waldstein. SMN begrenzt dieses Risiko durch Diversifikation über viele Märkte und „durch Positionsgrößensteuerung nach Volatilität und Korrelation sowie durch klar definierte Risikobudgets je Position“. Auch Anlageklassen- und Faktor-Cluster werden überwacht, damit sich Positionen in Stressphasen nicht unbemerkt auf denselben Makrofaktor konzentrieren. Die Zielvolatilität liege aktuell bei rund 15 Prozent annualisierter Standardabweichung. „Seit 1996 hat sich vor allem die technologische und quantitative Tiefe unseres Ansatzes weiterentwickelt: mehr Märkte, robustere Signalmodelle, feinere RisikosteueMÄRKTE & FONDS . Momentum-Investing Trendfolge auf dem Prüfstand Trends gab es schon immer und es wird sie weiter geben. Doch zwischenzeitliche Verhaltensmuster der Märkte können herausfordernd sein. GELD-Magazin befragte zu diesem Thema drei renommierte Experten aus dem Portfolio-Management. MICHAEL KORDOVSKY Trendfolge vs. Momentum Ein Aktien-Momentum-ETF wählt innerhalb eines Aktienuniversums die relativen Gewinner und bleibt grundsätzlich im Aktienmarkt investiert. Trendfolge oder Time-Series-Momentum beurteilt dagegen die Kursentwicklung eines Marktes relativ zu seiner eigenen Vergangenheit und kann das Risiko über Aktien, Anleihen, Währungen oder Rohstoffe verschieben. Kanzler bringt den Unterschied auf den Punkt: „Für ein einfaches Privatanleger-Aktienportfolio überzeugt mich der regelgebundene Momentumfaktor mehr: kostengünstiger, transparenter und einfacher zu verstehen.“ Momentum und Trend sind dennoch nicht voneinander losgelöst. Die klassische Momentumforschung dokumentiert die Fortsetzung relativer Gewinner, Time-Series-Momentum wiederum die Vorhersagekraft der eigenen vergangenen Rendite eines Marktes. Starkes positives Momentum ist daher typischerweise mit einem laufenden Aufwärtstrend verbunden. Identisch sind die Konzepte nicht: Relatives Momentum kann auch bestehen, wenn ein Titel lediglich weniger stark fällt als andere. 40 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 4/2026
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