Credits: beigestellt; © Kerstin Hammerschmid MÄRKTE & FONDS . Momentum-Investing 42 . GELD-MAGAZIN – Ausgabe Nr. 4/2026 dass Branchenmomentum einen erheblichen Teil des Aktienmomentums erklärt. ‚Technologie‘ oder ‚Growth‘ gehört jedoch nicht dauerhaft zu Momentum – das hängt vom Markttrend ab. Vor der Finanzkrise beispielsweise waren es nicht Tech-, sondern überwiegend Finanzwerte mit positivem Momentum. Aktuell sind es überwiegend Tech-Werte“, erklärt Kanzler. Zur Integration in ein Privatanlegerportfolio äußert sich Kanzler: „Ich würde Momentum bei Privatanlegern grundsätzlich global und als Teil eines breit diversifizierten Aktienportfolios einsetzen, nicht als Ersatz für Diversifikation. Ein reiner globaler Momentum-ETF kann als Aktienbaustein funktionieren, wenn jemand die Risiken kennt und den Faktor verstanden hat.“ Factor Investing verlangt zudem Geduld: Kanzler würde Factor Investing grundsätzlich nur Anlegern empfehlen, die mehrjährige relative Underperformance aushalten können und wollen. Momentum mit Risikosteuerung Bei ARTS Asset Management ist Momentum Teil der Auswahl- und Risikosteuerung. Leo Willert, Gründer und Head of Trading bei der ARTS Asset Management GmbH, verweist auf ein Universum von über 10.000 Fonds und 3.000 ETFs. „Ein Kaufsignal entsteht dann, wenn ein Investment ein ausreichend starkes, stabiles und positives Momentum aufweist.“ Für jede Position wird bei ARTS – bereits beim Kauf – abhängig von ihrer Volatilität ein konkretes Ausstiegssignal berechnet. Die Trendanalyse umfasst Zeiträume von einer bis 52 Wochen, meist werden abhängig vom Risikoumfeld Zeitfenster von vier bis acht Wochen am stärksten gewichtet. Ein Investment muss nicht nur absolutes Momentum zeigen, sondern sich auch gegenüber anderen attraktiven Anlagemöglichkeiten durchsetzen. Kurzfristig positive Kursbewegungen oder Nachrichtenereignisse lösen per se kein Signal aus. „Relevant wird es für unser System erst dann, wenn sich ein Nachrichtenereignis nachhaltig in der Kursentwicklung niederschlägt.“ Die Vorauswahl der Zielfonds ist strikt: mindestens drei Jahre Datenhistorie, tägliche Handelbarkeit und – abhängig von der Größe des Dachfonds – rund 50 Millionen Euro Mindestvolumen. Das Universum ist in 96 Segmente gegliedert. In gemischten Mandaten gilt eine Sektorenobergrenze von zehn Prozent. Produkte mit gleichem sektoralen Schwerpunkt werden gemeinsam betrachtet. Dies wirkt Klumpenrisiken entgegen. Bei jungen ETFs kann die Historie eines vergleichbaren Index für Chancen-/ Risikoanalysen und Backtests dienen. Als besonders herausfordernd beschreibt Willert volatile Seitwärtsphasen mit hohen Ausschlägen, in denen ein analysierter Trendausbruch wieder dreht. Kurzfristige Gegenbewegungen innerhalb historischer Volatilitätsgrenzen führen nicht automatisch zum Verkauf, ein Erreichen von StopLoss-Limiten sehr wohl. „Eine ,Wird-schonwieder‘-Strategie oder ,emotionales Festhalten an Lieblings-Assets‘ gibt es bei uns nicht“, so Willert. Eine Position kann aber auch ohne Trendbruch ersetzt werden, wenn ein anderes Investment einen stärkeren Trend zeigt. Verschlechtert sich die allgemeine Aktienmarktlage, kann die Aktienquote sinken, obwohl einzelne Positionen noch gut laufen. Bei einem steilen Einbruch könne sie laut Willert innerhalb weniger Tage von 100 auf null Prozent reduziert werden. Zunächst werde in Cash oder Geldmarktanlagen umgeschichtet, danach je nach Risiko auch in Anleihen. „In der Regel erfolgt der Abbau der Aktienquote schrittweise entsprechend der Entwicklung des Aktienmarktes. Die Aktienquotensteuerung ist eben kein On/OffSchalter, sondern ähnlich einem Licht-Dimmer“, so Willert. Der Preis des Ansatzes ist der Verzicht auf perfekte Wendepunkte. „Unser Ziel ist es, einen möglichst großen Teil eines Aufwärtstrends mitzunehmen und zugleich Verluste zu minimieren, wenn dieser bricht.“ Für Trendfolgefonds nennt Willert einen Anlagehorizont von mindestens fünf Jahren. Als starke Trends bis Ende Juli erwähnte Willert Metalle (zum Jahresbeginn), Energie (mit Ausbruch des Irankonfliktes) und im weiteren Verlauf den Technologie- und Biotechnologie-Bereich. „Für ein einfaches PrivatanlegerAktienportfolio überzeugt mich der regelgebundene Momentumfaktor mehr: kostengünstiger, transparenter und einfacher zu verstehen.“ Daniel Kanzler, Head of Investment der Gerd Kommer Invest GmbH „Whipsaws lassen sich nie vollständig vermeiden – sie sind der Preis dafür, Trends überhaupt frühzeitig zu erfassen.“ Joseph Waldstein, Geschäftsführer der smn Investment Services GmbH „Ein Kaufsignal entsteht dann, wenn ein Investment ein ausreichend starkes, stabiles und positives Momentum aufweist.“ Leo Willert, Gründer und Head of Trading bei der ARTS Asset Management GmbH
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