Midterms bestätigen Szenario
Die US-Zwischenwahlen verändern die politischen Kräfteverhältnisse in Washington, für die Kapitalmärkte sind sie aus Sicht von Peter Reichel, Chief Investment Officer der ODDO BHF SE, jedoch keine grundlegende Überraschung. Die Demokraten dürften künftig beide Kammern des Kongresses kontrollieren. Nach einer zunächst deutlichen Marktreaktion setzte rasch eine Erholung ein. ODDO BHF sieht deshalb derzeit keinen Anlass für grundlegende Portfolioänderungen und bleibt mit Blick auf 2027 konstruktiv.
Warum reagieren einige Investoren dennoch nervös?

Im sehr frühen asiatischen Handel gerieten zunächst vor allem Technologie- und Halbleiterwerte unter Druck. Die Futures auf den S&P 500 verloren zeitweise mehr als 1 %, holten einen erheblichen Teil der Verluste jedoch rasch wieder auf. Noch deutlicher war die Bewegung in Südkorea: Der KOSPI fiel zwischenzeitlich um mehr als 4 %, erholte sich anschließend aber bis ungefähr auf sein Vortagesniveau. ODDO BHF wertet dies als Zeichen dafür, dass Anleger bereits zwischen der politischen Schlagzeile und den längerfristigen wirtschaftlichen Folgen unterscheiden. Positiv bewertet Reichel zudem, dass Präsident Trump signalisiert habe, das Wahlergebnis zu akzeptieren und mit den neuen demokratischen Mehrheiten zusammenarbeiten zu wollen.
Ein wichtiger Unsicherheitsfaktor bleibt der Investitionsboom rund um künstliche Intelligenz. Politische Veränderungen, insbesondere auf Ebene der Bundesstaaten, könnten den Bau neuer Rechenzentren erschweren – etwa bei Fragen zu Standorten, Strom- und Wasserversorgung sowie zur Finanzierung der notwendigen Infrastruktur. Eine grundlegende Trendwende im KI-Investitionszyklus hält ODDO BHF dennoch für unwahrscheinlich. Viele Projekte seien bereits geplant oder im Bau, während der Bedarf an Rechenleistung, Energie und Netzinfrastruktur hoch bleibe. Wahrscheinlicher seien zusätzliche regulatorische Hürden und eine stärkere Differenzierung zwischen einzelnen Unternehmen und Projekten.
Zugleich schauen Investoren kritischer auf KI-Investitionen. Entscheidend sei nicht mehr allein das Investitionsvolumen, sondern die Frage, welche Unternehmen daraus nachhaltige Gewinne und freie Cashflows generieren können. Bilanzqualität, Finanzierung und Rentabilität gewinnen damit an Bedeutung. Auch der politische Druck auf Banken, Technologieunternehmen und KI könnte zunehmen. Da die Demokraten jedoch nicht das Weiße Haus kontrollieren, bleiben ihre Möglichkeiten begrenzt, Unternehmenssteuern oder regulatorische Rahmenbedingungen grundlegend zu verändern. Im Senat erhalten sie allerdings mehr Einfluss auf wichtige Personalentscheidungen bei Aufsichtsbehörden, wodurch Teile der Deregulierungsagenda langsamer vorankommen könnten. Größere gesetzliche Veränderungen bleiben wegen des Vetorechts des Präsidenten und fehlender breiter Mehrheiten schwierig.
Auch andere Anlageklassen reagierten auf den Wahlausgang. Die Anleiherenditen sanken zunächst, da ein demokratisch kontrollierter Kongress zusätzliche Staatsausgaben erschweren und damit den Druck auf Staatsfinanzen und langfristige Zinsen etwas begrenzen könnte. Der US-Dollar gab ebenfalls nach, wobei ODDO BHF daraus keinen längerfristigen Trend ableitet. Für die Währung bleiben vor allem Wachstum, Inflation und die Geldpolitik der Fed entscheidend. Handels- und Einwanderungspolitik liegen weiterhin weitgehend in der Hand der Regierung und können über Preise, Löhne und Arbeitsmarkt indirekt auch die Notenbank beeinflussen.
Gold behält für ODDO BHF seine Funktion als Diversifikationsbaustein. Mindestens ebenso wichtig bleibt der Ölpreis. Hoffnungen auf diplomatische Fortschritte zwischen den USA und Iran haben die Energiepreise zuletzt entlastet. Eine nachhaltige Entspannung würde den Inflationsdruck reduzieren, eine erneute Eskalation könnte diese Entwicklung schnell umkehren. Für die Märkte könnten die Energiepreise damit mindestens ebenso wichtig werden wie das Wahlergebnis selbst.
Was bedeutet das für die Portfolios?
Die politische Richtung des Wahlergebnisses entspricht weitgehend dem bevorzugten Szenario und der bestehenden Positionierung von ODDO BHF. Grundlegende Portfolioänderungen seien deshalb derzeit nicht notwendig. Sollten Anpassungen erforderlich werden, dürften diese eher selektiv erfolgen, insbesondere bei Technologie- und KI-Investments.
Mit Blick auf 2027 bleibt ODDO BHF konstruktiv. Die US-Wirtschaft startet aus einer robusten Ausgangslage, die Unternehmensgewinne bilden weiterhin ein solides Fundament und die jüngsten Marktkorrekturen haben einen Teil der zuvor hohen Erwartungen reduziert. Gleichzeitig richtet sich der Blick bereits auf die Präsidentschaftswahl 2028. Ein künftiges Szenario mit einem demokratischen Präsidenten und weiterhin demokratischen Mehrheiten im Kongress könnte weitreichendere Folgen für Unternehmenssteuern, Wettbewerbspolitik und Regulierung haben. Derzeit handelt es sich dabei jedoch um Beobachtungsszenarien und nicht um Gründe für Portfolioänderungen.
Fazit
Die Midterms verändern die politischen Machtverhältnisse in Washington, nicht aber die fundamentalen Treiber der Kapitalmärkte. Wachstum, Inflation, Zinsen und Unternehmensgewinne bleiben aus Sicht von ODDO BHF wichtiger als die Parteizugehörigkeit.
Der Wahlausgang ist damit eher eine Bestätigung als eine Überraschung. Breite taktische Veränderungen erscheinen derzeit nicht notwendig, selektive Anpassungen bleiben jedoch möglich. An der konstruktiven Einschätzung für 2027 hält ODDO BHF fest.
ODDO BHF/IJ