Tech unter Druck
Die zweite Woche der US-Berichtssaison rückt die großen Technologiekonzerne in den Mittelpunkt. Serge Nussbaumer, Head Public Solutions und Kapitalmarktexperte bei Maverix, sieht weiterhin starkes Umsatzwachstum, gleichzeitig aber deutlich steigende Investitionskosten. Für Anleger wird damit zunehmend entscheidend, ob hohe Bewertungen durch nachhaltig steigende Gewinne und freie Cashflows gerechtfertigt sind.
Netflix und SpaceX: Wachstum allein genügt nicht

Netflix steigerte den Umsatz um 12 % auf 12,9 Mrd. US-Dollar und verbesserte die operative Marge auf 34,6 %. Dennoch verlor die Aktie rund 5 %. Ausschlaggebend war der schwächere Ausblick: Die erwarteten Werbeerlöse für 2026 wurden von 3,0 auf 2,7 Mrd. US-Dollar reduziert. Die Profitabilität bleibt hoch, doch nachlassendes Umsatzwachstum und zunehmender Wettbewerb belasten die Bewertung.
SpaceX meldete deutlich stärkere Wachstumszahlen. Der Umsatz stieg um 161 % auf 14,6 Mrd. US-Dollar, der Nettogewinn erreichte 4,4 Mrd. US-Dollar. Besonders das Geschäft mit KI-Infrastruktur expandierte kräftig, die Aktie gewann knapp 8 %. Gleichzeitig beliefen sich die Investitionen im Quartal auf rund 19,5 Mrd. US-Dollar. Das operative Wachstum ist damit zwar außergewöhnlich, der hohe Kapitalbedarf wirft jedoch Fragen zur künftigen Cashflow-Entwicklung und zur Nachhaltigkeit der Bewertung auf.
Tesla und Meta: KI-Investitionen auf dem Prüfstand
Tesla profitierte von einer Erholung der Fahrzeugauslieferungen und dem wachsenden Energiespeichergeschäft. Der freie Cashflow fiel besser aus als erwartet, während die Profitabilität im Automobilgeschäft weiter unter Druck steht. Ein erheblicher Teil der Bewertung hängt weiterhin von den Zukunftsthemen autonomes Fahren und Robotik ab.
Zusätzliche Kursfantasie schafft eine mögliche Fusion von Tesla und SpaceX. Ein Zusammenschluss könnte technologische Synergien bringen, würde zugleich aber erhebliche Bewertungs- und Governance-Fragen aufwerfen. Entscheidend wäre insbesondere, zu welchen Konditionen die Aktionäre beider Unternehmen an künftigen Erträgen beteiligt würden. Eine Fusion allein schafft noch keinen wirtschaftlichen Mehrwert.
Meta steigerte den Quartalsumsatz um 26 % auf 64,2 Mrd. US-Dollar. Das profitable Werbegeschäft bleibt der wichtigste Wachstumstreiber. Der Nettogewinn sank jedoch auf 9,8 Mrd. US-Dollar, was vor allem auf eine Rechtsrückstellung von 9,9 Mrd. US-Dollar zurückzuführen war. Gleichzeitig erhöhte Meta die Untergrenze der geplanten Investitionsausgaben für 2026 auf 135 Mrd. US-Dollar bei einer Obergrenze von 145 Mrd. US-Dollar.
Der freie Cashflow war im Quartal mit 2,2 Mrd. US-Dollar negativ. Die Aktie reagierte nach Börsenschluss zunächst positiv. Anleger honorieren damit weiterhin das kräftige Umsatzwachstum, nehmen dafür aber eine deutlich höhere Kapitalintensität in Kauf. Ob die KI-Investitionen angemessene Renditen erzielen, bleibt offen.
Hohe Bewertungen, steigender Druck auf die Kapitalrendite
Die zweite Berichtswoche bestätigt die grundsätzlich hohe Ertragskraft führender US-Technologiekonzerne, zeigt aber zugleich deutliche Unterschiede. Netflix wird trotz hoher Margen für einen schwächeren Ausblick abgestraft, während SpaceX für sein außergewöhnliches Wachstum belohnt wird. Bei Tesla und Meta hängt ein wachsender Teil der Investmentthese von künftigen Erträgen aus kapitalintensiven Technologien ab.
Die Märkte sind weiterhin bereit, hohe Bewertungen für Wachstum zu akzeptieren. Die eigentliche Bewährungsprobe steht jedoch noch bevor: Die massiven Investitionen in KI und neue Geschäftsmodelle müssen sich erst in nachhaltig höheren Kapitalrenditen und freien Cashflows niederschlagen.
Maverix/IJ