4. November 2026

Ergebnisse der US-Zwischenwahlen

Nach den US-Zwischenwahlen haben die Demokraten Mehrheiten im Repräsentantenhaus und im Senat gewonnen. Damit stehen die USA vor einer Phase geteilter Machtverhältnisse, die größere gesetzgeberische Vorhaben in den kommenden zwei Jahren erschweren dürfte. Gil Fortgang, Blerina Uruçi und Tim Murray von T. Rowe Price erwarten zugleich, dass für Wirtschaft und Finanzmärkte andere Faktoren – insbesondere Energiepreise, Geldpolitik, Staatsfinanzen und KI-Investitionen – wichtiger bleiben als das Wahlergebnis selbst. Das Ergebnis einer demokratischen Mehrheit in beiden Kongresskammern wurde inzwischen auch von Reuters bestätigt.

Geteilte Machtverhältnisse, geringfügige politische Veränderungen

Gilad Fortgang, Washington Analyst bei T. Rowe Price
Gilad Fortgang, Washington Analyst bei T. Rowe Price

Die neue Machtverteilung dürfte die Gesetzgebungsagenda vor allem auf unverzichtbare Ausgaben beschränken und die Verhandlungsposition der Demokraten stärken. Zu den wichtigsten anstehenden Entscheidungen zählen die voraussichtlich Ende 2027 notwendige Anhebung der Schuldenobergrenze, die jährlichen Haushaltsgesetze sowie Fortschritte beim Farm Bill und bei der erneuten gesetzlichen Ermächtigung für Verkehrs- und Infrastrukturausgaben. T. Rowe Price rechnet bei besonders wichtigen Abstimmungen wie jener zur Schuldenobergrenze mit harten politischen Verhandlungen, bevor letztlich ein Kompromiss erzielt wird.

Zu den Prioritäten der Demokraten dürfte gehören, geplante Kürzungen bei Medicaid und Lebensmittelhilfe abzumildern. Auch niedrigere Arzneimittelpreise könnten bei den Verhandlungen über die Schuldenobergrenze zu einem parteiübergreifenden Thema werden, wobei die Trump-Regierung eher Vereinbarungen mit Unternehmen als gesetzlich festgelegte Preiskontrollen bevorzugt. Höhere Verteidigungsausgaben benötigen künftig parteiübergreifende Zustimmung, während das Budget der National Institutes of Health steigen könnte. KI und Rechenzentren bleiben ebenfalls ein politisches Thema: Auf Bundesebene erwartet T. Rowe Price nur begrenzte neue Regulierung, Einschränkungen einzelner Bundesstaaten könnten jedoch Versorger sowie Ingenieur- und Bauunternehmen treffen und Projekte in andere Staaten verlagern. Ein grundlegender politischer Kurswechsel wird dennoch nicht erwartet, da die Regierung viele Ziele bei Handel, Geopolitik und Deregulierung weiterhin über Exekutivmaßnahmen verfolgen kann. Erst längerfristig könnte das starke Abschneiden der Demokraten den politischen Handlungsspielraum ab 2029 verändern.

Wirtschaft: Andere Faktoren wiegen schwerer

Blerina Uruci, Chefökonomin für die USA bei T. Rowe Price

Für den Wirtschaftsausblick dürfte das Wahlergebnis nur eine begrenzte Rolle spielen. Blerina Uruçi sieht für 2027 vor allem den Energieschock, die Reaktion der Federal Reserve auf Inflationsrisiken und KI-Investitionen als entscheidend an. Die US-Wirtschaft zeigte sich 2026 robust, obwohl das Wachstum von vergleichsweise wenigen Faktoren getragen wurde. KI-Investitionen bleiben ein wichtiger Wachstumsmotor und dürften dies auch 2027 bleiben. Höhere Ölpreise und der geldpolitische Straffungszyklus könnten allerdings die Realeinkommen insbesondere von Haushalten mit niedrigen und mittleren Einkommen belasten und das Konsumwachstum abschwächen.

Das Haushaltsdefizit dürfte 2027 weiterhin bei rund 5,7 % des BIP liegen. Nach Einschätzung von T. Rowe Price beeinflusst das Wahlergebnis eher Zusammensetzung und Zeitpunkt fiskalischer Maßnahmen als die Höhe des Defizits. Gleichzeitig steigt das Risiko politischer Auseinandersetzungen über Haushaltsmittel und Schuldenobergrenze. Der aktuelle Übergangshaushalt läuft am 11. Dezember aus, während die Schuldenobergrenze von 41,1 Billionen US-Dollar voraussichtlich um die Jahresmitte 2027 erreicht wird. Das sogenannte X-Datum, an dem verfügbare Barmittel und außerordentliche Maßnahmen des Finanzministeriums ausgeschöpft sein könnten, wird für Ende 2027 oder Anfang 2028 erwartet. Die Inflation dürfte sich nur langsam dem Fed-Ziel von 2 % annähern; zugleich könnten Rohstoffpreise zusätzlichen Preisdruck erzeugen. T. Rowe Price rechnet deshalb auch 2027 mit weiteren Zinserhöhungen. Eine schnelle Deeskalation des Konflikts zwischen den USA und Iran oder eine stärker als erwartete Konjunkturabschwächung durch höhere Zinsen könnten diesen Ausblick jedoch verändern.

Märkte: Begrenzte Auswirkungen, doch Branchenrisiken bleiben

Tim Murray, Kapitalmarktstratege Multi-Asset bei T. Rowe Price

Die Auswirkungen der Zwischenwahlen auf die Finanzmärkte könnten nach Einschätzung von Tim Murray begrenzt bleiben, da die neue Machtverteilung bereits während eines Großteils des Jahres 2026 weitgehend eingepreist wurde. Ein geringerer politischer Handlungsspielraum des Präsidenten könnte die Unsicherheit reduzieren und den US-Dollar etwas stützen. Für Staatsanleihen bedeuten geteilte Machtverhältnisse jedoch nicht automatisch mehr Haushaltsdisziplin: Anhaltende Defizite und weitere Emissionen könnten den Aufwärtsdruck auf die Renditen aufrechterhalten. Gleichzeitig steigt der Kapitalbedarf durch KI-Investitionen, da Hyperscaler und andere Unternehmen ihre Expansion zunehmend auch mit Fremdkapital finanzieren.

Auch der historisch häufig beobachtete Auftrieb bei Aktien nach Zwischenwahlen könnte diesmal schwächer ausfallen. Größere Auswirkungen erwartet T. Rowe Price auf Branchenebene: KI und Rechenzentren könnten politisch stärker geprüft werden, Finanzwerte könnten weniger Rückenwind durch Deregulierung erhalten und der Wohnungsmarkt bleibt durch die Differenz zwischen aktuellen Hypothekenzinsen und den niedrigeren Bestandszinsen vieler Eigentümer belastet. Insgesamt dürften damit der Druck auf die Staatsfinanzen, der zunehmende Wettbewerb um Kapital und branchenspezifische politische Entwicklungen für Anleger wichtiger bleiben als das Wahlergebnis selbst.

T. Rowe Price/IJ

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