4. November 2026

Folgen der US-Midterms

Nach dem klaren Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen rücken für die Finanzmärkte vor allem der Iran und die Schuldenobergrenze in den Fokus. Thomas Hempell, Head of Macro & Market Research, und Vincent Chaigneau, Head of Research bei Generali Investments, erwarten trotz der veränderten Mehrheitsverhältnisse vorerst keine grundlegenden politischen Kurswechsel. Die erste Marktreaktion fiel gemischt aus: Technologieaktien und der US-Dollar gaben nach, während sich der allgemeine Risikoappetit leicht verbesserte.

Iran und Schuldenobergrenze rücken in den Fokus

Thomas Hempell, Head of Macro & Market Research bei Generali Investments
Thomas Hempell, Head of Macro & Market Research bei Generali Investments

Eine demokratische Senatsmehrheit könnte die Kriegsbefugnisse des Präsidenten gegenüber dem Iran stärker begrenzen. Da der neu gewählte Kongress jedoch erst im Januar zusammentritt, könnte Präsident Trump versuchen, seine außenpolitische Agenda bis dahin noch zu beschleunigen. Erneute Angriffe auf den Iran bleiben daher ein Unsicherheitsfaktor.

Gleichzeitig gab es zuletzt leichte diplomatische Fortschritte, und Trump hat das Risiko eines unmittelbar bevorstehenden Militärschlags heruntergespielt. Für die Märkte bleibt entscheidend, ob sich die Lage weiter entspannt oder ob eine neue Eskalation die Energiepreise und damit auch den Inflationsausblick wieder belastet.

Schuldenobergrenze

Vincent Chaigneau, Head of Research bei Generali Investments

Bei der Schuldenobergrenze wollen die Republikaner die verbleibenden Wochen bis Januar nutzen, um diese möglichst rasch anzuheben. Damit könnte der künftigen demokratischen Mehrheit ein wichtiges politisches Druckmittel genommen und zugleich ein zentrales Ereignisrisiko für Mitte 2027 beseitigt werden.

Die Demokraten dürften zentrale Haushaltsentscheidungen dagegen lieber in das kommende Jahr verschieben. Damit droht eine gegenseitige Blockade: Neue Ausgabenprogramme sind ohne die Unterschrift des Präsidenten kaum möglich, weitere Steuersenkungen wiederum nicht ohne Zustimmung des Kongresses.

Positiv ist aus Marktsicht, dass das Wahlergebnis so eindeutig ausfiel, dass eine Anfechtung durch Trump kaum mehr im Raum steht. Zudem nimmt die politische Unsicherheit nach Zwischenwahlen historisch häufig ab. Entsprechend waren Midterms für US-Aktien in der Vergangenheit oft wichtige Wendepunkte: Im vierten Quartal von Midterm-Jahren legte der S&P 500 im Durchschnitt um mehr als 6 % zu.

Generali Investments/IJ

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