22. Oktober 2026

Österreich: Finanzvermögen über Billion

Das Finanzvermögen der österreichischen Haushalte hat erstmals die Marke von einer Billion Euro überschritten. Laut Oesterreichischer Nationalbank (OeNB) belief es sich im zweiten Quartal 2026 auf 1.011 Mrd. Euro und lag damit 7 % über dem Vorjahreswert. Gleichzeitig gewinnen Wertpapiere beim Vermögensaufbau an Bedeutung, während die Sparquote 2026 voraussichtlich auf 8,4 % sinkt. Eine aktuelle OeNB-Erhebung bescheinigt der Bevölkerung insgesamt eine hohe Finanzkompetenz, zeigt aber weiterhin Wissenslücken bei einzelnen Finanzthemen.

Finanzvermögen erreicht historischen Höchststand

Edeltraud Stiftinger, Vize-Gouverneurin der OeNB

In den vergangenen zehn Jahren ist das Finanzvermögen der Haushalte um 60 % gestiegen. Bankeinlagen bleiben mit rund 341 Mrd. Euro und einem Anteil von 34 % die größte Vermögenskategorie. Beteiligungen, etwa an GmbHs oder Privatstiftungen, sowie Wertpapiere machen jeweils 24 % aus. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Wertpapiere am Finanzvermögen innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. OeNB-Vize-Gouverneurin Edeltraud Stiftinger verweist darauf, dass die österreichischen Haushalte in den vergangenen zehn Jahren auch real wohlhabender geworden seien. Gleichzeitig sei der Wohlstand ungleich verteilt: Viele Haushalte hätten keine Möglichkeit, Geld zu sparen oder anzulegen.

Sparquote sinkt, bleibt aber weiter auf hohem Niveau

Die Sparquote sank 2025 um 1,8 Prozentpunkte auf 9,7 %. Für 2026 prognostiziert das WIFO 8,4 %. Als Gründe für die weiterhin vergleichsweise hohe Sparneigung nennt die OeNB unter anderem die geopolitische Lage, die schwache Konjunktur und höhere Zinsen, die Sparen wieder attraktiver gemacht haben.

Verschuldung unter dem Euroraum-Durchschnitt

Die Finanzverpflichtungen der österreichischen Haushalte lagen 2025 bei 213 Mrd. Euro und damit 1 % über dem Vorjahr. Wohnbaukredite stagnierten zunächst, nahmen im ersten Halbjahr 2026 jedoch wieder zu. Im Juni 2026 belief sich die Verschuldung auf 214 Mrd. Euro. Im Verhältnis zum Finanzvermögen liegt die Verschuldung mit 21 % unter dem Durchschnitt des Euroraums von 26 %. Im Jahresvergleich ging die Quote sogar zurück, weil das Finanzvermögen stärker gewachsen ist als die Kredite.

Wertpapiersparen abhängig von Einkommen und Finanzkompetenz

Investmentfonds sind inzwischen die beliebteste Form der Wertpapierveranlagung. Im Juni 2026 entfielen mit 132 Mrd. Euro mehr als die Hälfte der Wertpapierbestände auf Fonds. Börsennotierte Aktien kamen auf 63 Mrd. Euro, verzinsliche Wertpapiere auf 47 Mrd. Euro. Die OeNB-Erhebung „Austrian Survey of Financial Literacy“ zeigt zugleich einen deutlichen Zusammenhang zwischen Einkommen, Finanzkompetenz und Wertpapiersparen. 57 % der Personen mit hohem Einkommen und hoher Finanzkompetenz gaben an, im vergangenen Jahr mit Wertpapieren gespart zu haben. Bei Menschen mit niedrigem Einkommen und geringer Finanzkompetenz waren es lediglich 14 %.

Auch unter Investor:innen bestehen Wissenslücken: Fast 30 % wissen laut OeNB nicht, dass man mit dem Kauf einer Anleihe zum Kreditgeber beziehungsweise zur Kreditgeberin wird.

Ergebnisse der OeNB-Erhebung als Auftrag für die Finanzbildung

Im Financial Literacy Score der OECD erreichen Österreicher:innen durchschnittlich 69 von 100 möglichen Punkten. Stärken zeigt die Bevölkerung laut OeNB vor allem beim alltäglichen Umgang mit Geld, Schwächen hingegen bei komplexeren Wissensinhalten und beim vorausschauenden Finanzverhalten. Finanzkompetenz gehe zwar mit höherem finanziellen Wohlbefinden einher, garantiere dieses aber nicht.

Unterdurchschnittliche Werte erreichen insbesondere Personen mit niedrigem Bildungsabschluss, geringem Einkommen, junge Menschen und Personen in Singlehaushalten. Auch beim Finanzwissen besteht weiterhin ein Gender Gap, der sich gegenüber 2023 allerdings etwas verringert hat. Die maximale Punktezahl erreichen 16 % der Frauen und 25 % der Männer. Die Ergebnisse sollen auch in die neue Nationale Finanzbildungsstrategie einfließen.

OeNB/IJ

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