12. August 2026

US-Small-Caps: Und täglich grüßt das Murmeltier?

US-Small-Caps zeigen 2026 ein bekanntes Muster aus starken Rückgängen und ebenso kräftigen Erholungen. Christopher Colarik, Small Cap Portfolio Manager, und Tom Harvey, Senior Equity Specialist bei Aberdeen Investments, sehen dennoch Anzeichen dafür, dass sich das Umfeld allmählich verbreitern könnte.

Starke Schlagzeilen, uneinheitliche Realität

Christopher Colarik, Small Cap Portfolio Manager bei Aberdeen Investments

Der Russell 2000 ist seit Jahresbeginn um 18,1 % gestiegen und hat damit seine relative Stärke gegenüber Large Caps fortgesetzt. Hinter der positiven Indexentwicklung steht allerdings ein deutlich differenzierteres Bild: Ein vergleichsweise kleiner Teil der Aktien war für einen überproportional hohen Anteil der Renditen verantwortlich. Im Mai etwa legte der Russell 2000 um 4,4 % zu, wobei der Anstieg von einer relativ kleinen Gruppe von Titeln getragen wurde. Die Mehrheit der Unternehmen verzeichnete deutlich moderatere Kursgewinne. Der Markt bewegt sich damit zwar nach oben, doch längst nicht alle Unternehmen profitieren gleichermaßen.

Ein eng gefasster Markt und schwierige Rahmenbedingungen

Die starke Konzentration erschwert insbesondere fundamental orientierten aktiven Strategien das Umfeld. In den vergangenen Monaten verlagerte sich die Marktführerschaft zunehmend in Bereiche mit höherem Beta und spekulativem Charakter. Gerade Unternehmen mit schwächerer Qualität oder fehlender Profitabilität schnitten während schneller Markterholungen überdurchschnittlich ab. Strategien, die stärker auf Ertragskraft und solide Bilanzen setzen, konnten mit dieser Entwicklung teilweise nur schwer Schritt halten. Ein solches Umfeld ist historisch nicht ungewöhnlich: Wenn wenige Titel einen großen Teil der Indexrendite bestimmen, geraten selektive Investmentansätze häufig unter Druck.

Ein volatiler Zyklus

Auffällig ist 2026 vor allem die deutliche Umkehr beim Qualitätsfaktor. Von Ende 2025 bis in die ersten Monate dieses Jahres hinein entwickelten sich profitable Unternehmen überdurchschnittlich. Im zweiten Quartal drehte sich das Bild jedoch: Unternehmen mit schwächeren Fundamentaldaten und fehlender Profitabilität rückten an die Spitze der Marktperformance. Unternehmen mit höherer Profitabilität oder stabileren Ertragsprofilen blieben dagegen zurück. Solche Rotationen sind zwar Teil normaler Marktzyklen, das Tempo und Ausmaß der jüngsten Verschiebung waren jedoch ungewöhnlich stark.

Anzeichen für eine breitere Marktteilnahme oder mehr vom Gleichen?

Trotz der kurzfristigen Schwankungen gibt es Hinweise darauf, dass sich das Umfeld für Small Caps grundsätzlich verbessern könnte. Seit April 2025 haben sie Large Caps übertroffen, und dieser Trend setzte sich auch 2026 fort. Entscheidend wird sein, ob sich die positive Entwicklung künftig auf mehr Unternehmen und Sektoren verteilt. Bislang wechseln die Marktführer weiterhin rasch – teilweise stärker beeinflusst von Stimmung und Liquidität als von fundamentalen Veränderungen. Dadurch entsteht ein Stop-and-Go-Muster zwischen breiterer Marktbeteiligung und kurzfristigen, momentumgetriebenen Kursbewegungen.

Was bringt das dritte Quartal?

Für das dritte Quartal stehen vor allem drei Fragen im Mittelpunkt: Kann die Outperformance von Small Caps gegenüber Large Caps anhalten? Wird sich die Marktführerschaft auf eine breitere Basis ausweiten? Und gewinnen Qualität und Profitabilität wieder stärker an Bedeutung? Eine breitere Streuung der Renditen würde das Umfeld insbesondere für fundamental orientierte Strategien verbessern. Langfristig sprechen historische Marktzyklen dafür, dass Unternehmen mit solider Profitabilität und starken Bilanzen wieder stärker in den Fokus rücken könnten.

Aberdeen Investments/IJ

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