Märkte im Macau-Syndrom
Anfang 2026 kam es an den Aktienmärkten zu ungewöhnlichen Verwerfungen, bei denen statistische Zusammenhänge zeitweise nicht mehr wie gewohnt funktionierten. Yann Giordmaina, Leiter des Value-Bereichs und Fondsmanager bei LFDE, sieht darin ein zunehmend von Spekulation und kurzfristigem Verhalten geprägtes Marktumfeld – und zugleich Chancen für antizyklische Value-Investoren.
„Macau-Syndrom“ an den Märkten

Besonders auffällig war zu Jahresbeginn das Handelsmuster von ASML. Wenn der größte europäische Börsenwert innerhalb weniger Handelstage Kursschwankungen von plus 5, minus 9, plus 6 und minus 6 Prozent verzeichnet, deutet dies laut Giordmaina auf tiefgreifende Veränderungen an den Märkten hin.
Volatilität gilt üblicherweise als verlässliches Barometer für die Marktstimmung. Angesichts der weiten Verbreitung systematischer Strategien mit integrierter Volatilitätssteuerung und gehebelter ETFs stellt sich jedoch die Frage, ob das weiterhin uneingeschränkt gilt. Das Gamma-Exposure der Banken – also die Sensitivität ihrer Optionspositionen gegenüber Kursbewegungen und der daraus entstehende Absicherungsbedarf – habe ein bislang nicht gekanntes Ausmaß erreicht. US-Privatanleger standen zunächst im Zentrum dieses Trends, zuletzt rückte auch der südkoreanische Aktienmarkt stärker in den Fokus.
Die zu Jahresbeginn beobachtete Dislokation habe sich in den vergangenen sechs Monaten zu einem Phänomen entwickelt, das Giordmaina als „Macau-Syndrom“ bezeichnet – als Anspielung auf ein zunehmend von Spekulation und glücksspielähnlichem Verhalten geprägtes Marktumfeld. Mitte Juni könnte diese Entwicklung ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht haben, als SpaceX bei mehr als 200 US-Dollar schloss.
Die Stunde für antizyklische Value-Investoren
Für antizyklische Value-Investoren können solche Marktphasen Chancen eröffnen. Unabhängig davon, welche Finanzinstrumente und Anlagetechniken zum Einsatz kommen, bestimmen laut Giordmaina Gier und Angst weiterhin die Kapitalströme. Zugleich scheint die Bewertung wieder stärker an Bedeutung zu gewinnen. Freundliche und feindliche Übernahmeangebote, Fusionen und Akquisitionen sowie Abspaltungen haben zuletzt zugenommen – insbesondere am britischen Aktienmarkt.
Das Jahr 2026 stellt die Robustheit und Konsistenz aktiver Investmentprozesse damit auf eine aussagekräftige Probe. In einem solchen Umfeld kann ein disziplinierter Value-Ansatz helfen, Chancen zu identifizieren und zugleich eine langfristige Perspektive zu wahren. Kennzahlen wie Sortino Ratio, Hit Rate und Gewinn-Verlust-Verhältnis können Hinweise darauf geben, wie verlässlich ein Investmentprozess unter unterschiedlichen Marktbedingungen funktioniert.LFDE/IJ
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