KI treibt Märkte
Die US-Aktienmärkte erreichen trotz geopolitischer Spannungen und hoher Energiepreise neue Höchststände. Angetrieben wird die Rallye vor allem vom Thema Künstliche Intelligenz. Laut Justin Streeter, Portfoliomanager für US-Aktien bei Comgest, geht es angesichts der hohen Bewertungen nun stärker denn je darum, Unternehmen zu identifizieren, die nachhaltig Umsatz- und Gewinnwachstum generieren – auch abseits des KI-Hypes.
Seit dem Tief Ende März legte der S&P 500 um mehr als 14 % zu und verzeichnete im April die stärkste Monatsperformance seit 2020. Der Nasdaq 100 notiert ebenfalls auf Rekordniveau. Rückenwind lieferten starke Quartalsergebnisse: Laut FactSet stiegen die Gewinne der US-Unternehmen im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um rund 27 %. Für 2026 erwarten Analysten beim S&P 500 Gewinnsteigerungen von rund 22 %, vor allem getragen von Unternehmen mit KI-Bezug.
Ein zunehmend zweigeteilter Markt

Hinter dem dominierenden KI-Thema verbirgt sich laut Streeter jedoch ein zunehmend zweigeteilter Markt. „Die zyklische KI-Rallye dürfte zunächst weitergehen, nicht zuletzt wegen der hohen Investitionen. Mittelfristig werden Investoren aber darauf schauen, wem es gelingt, mit KI tatsächlich Geld zu verdienen oder wessen Geschäftsmodell durch KI im Kern gefährdet ist“, sagt Streeter.
Besonders betroffen seien Bereiche wie Software-as-a-Service, in denen KI bestehende Geschäftsmodelle verändern oder verdrängen könne. Comgest setzt deshalb gezielt auf Qualitätsunternehmen mit Preissetzungsmacht, stabilen Cashflows, hohen Markteintrittsbarrieren und soliden Bilanzen. Zu den größten Positionen im Fonds zählen Microsoft und Alphabet. Microsoft habe seine Rolle als KI-Gewinner weiter ausgebaut: Das KI-Geschäft überschritt zuletzt einen annualisierten Umsatz von 37 Milliarden US-Dollar, Azure wuchs um 40 % und Microsoft 365 Copilot erreichte mehr als 20 Millionen zahlende Nutzer.
Auch Alphabet sieht Streeter gut positioniert. Der Suchumsatz stieg im ersten Quartal 2026 um 19 % auf 60,4 Milliarden US-Dollar, während Google Cloud um 63 % auf 20 Milliarden US-Dollar zulegte. „Das zeigt, dass es neben den hohen Investitionsausgaben zunehmend auch Effizienzgewinne gibt“, so Streeter.
Erfolgreiche Monetarisierung von KI entscheidend
Auch Oracle zählt für Comgest inzwischen zu den interessanten Qualitätsunternehmen im KI-Infrastrukturmarkt. Obwohl Investoren zuletzt wegen der Partnerschaft mit OpenAI zurückhaltend gewesen seien, habe Oracle seine Umsatzprognosen angehoben und seine Position im Markt weiter verbessert.
Für Streeter bleibt KI zwar das dominierende Thema am US-Aktienmarkt, die konkreten Auswirkungen und die tatsächliche Disruption würden sich jedoch erst schrittweise zeigen. Große Unternehmen dürften künftig verstärkt auf Mischmodelle aus Standard-KI, Open-Source-Lösungen und proprietären Anwendungen setzen.
Wachstumstreiber im Portfolio bewusst diversifizieren
Comgest achtet deshalb bewusst darauf, das Portfolio nicht ausschließlich auf KI auszurichten. Neben Technologiewerten setzt das Management auch auf strukturelle Wachstumsthemen in anderen Bereichen – etwa digitale Zahlungsabwicklung bei Visa, Innovationen im Gesundheitssektor bei Eli Lilly und Johnson & Johnson oder steigende Infrastrukturinvestitionen bei Vulcan Materials.
„Aufgrund des starken Marktfokus auf KI sind viele dieser Unternehmen derzeit zu einem Bewertungsabschlag erhältlich“, erklärt Streeter. Für langfristig orientierte Anleger könnten sich daraus attraktive Chancen ergeben, um an nachhaltigen Wachstumstrends zu partizipieren und gleichzeitig die Marktvolatilität abzufedern.
Comgest/IJ