KI ist kein Garant für Erfolg
Der Ausblick für Aktien bleibt dank des aktuellen Gewinnwachstums positiv, selbst angesichts anhaltender geopolitischer Unsicherheiten. Doch der Einsatz künstlicher Intelligenz verursacht Umwälzungen, und die Performanceunterschiede sind größer geworden. Das erfordert Diversifizierung und Selektivität bei der Titelauswahl, schreiben Nicolas Janvier und Neil Robson von Columbia Threadneedle Investments.
KI: Zunehmende Performancestreuung

Die Märkte haben geopolitische Ereignisse und die damit verbundene Unsicherheit bislang weitgehend ausgeblendet. Einige Indizes, insbesondere in den USA, haben neue Allzeithochs erreicht. Gleichzeitig sorgt KI weiterhin für eine große Streuung. Die Spitzenreiter profitieren vor allem von Investitionen in Rechenzentren. Die Investitionsausgaben sind erheblich und werden bis 2030 voraussichtlich rund 3,5 Billionen US-Dollar erreichen.
Anleger konzentrieren sich zunehmend auf Unternehmen, die vom Thema KI profitieren, und wenden sich von jenen ab, die von Disruption betroffen sind. In diesem Umfeld ist die Titelauswahl entscheidender als eine breite Allokation in den Sektor. Software- und datengesteuerte Unternehmen gelten zunehmend als anfällig für agentische KI. Zwar sind ihre Bewertungen attraktiver geworden und manche Bedenken mögen übertrieben sein. Die Unsicherheit über ihre langfristige Ertragskraft bleibt jedoch bestehen.
Jenseits des KI-Booms: Geduld ist geboten
Die Wertentwicklung in einigen KI-unabhängigen Segmenten war bislang verhalten. Der Finanz- und Energiesektor scheint jedoch attraktiv bewertet zu sein, und auch in anderen Bereichen gibt es ausgewählte Einstiegsmöglichkeiten. Bis Gewinne realisiert werden können, wird es allerdings noch einige Zeit dauern.
Ermutigende Anzeichen gibt es zudem im Maschinenbau und in der Industrie. In Japan reicht die Dynamik über KI hinaus bis in die Fabrikautomation, den Handel und die Elektronikbranche. Auch kapitalintensive Sektoren wie Industrie und Elektroausrüstung werden zunehmend attraktiver. Sie weisen hohe Markteintrittsbarrieren auf und bilden ein potenzielles Gegengewicht zu Segmenten, die derzeit unter Druck stehen, etwa der Softwarebranche.
Solides Gewinnwachstum – vor allem im Tech-Bereich

Die bisherigen Ergebnisse zeigen: Trotz geopolitischer Gegenwinde bleiben die Prognosen robust, und Unternehmen zeigen sich widerstandsfähig. Für US-Large-Caps wird ein Gewinnwachstum im niedrigen bis mittleren Zehnerbereich erwartet. Diese Stärke ist jedoch konzentriert, da eine Handvoll leistungsstarker Mega-Caps das Gesamtbild weiter verzerrt. Technologieunternehmen und verwandte Sektoren bleiben robust. Chiphersteller und Hardware-Anbieter wurden erheblich aufgewertet. Dank robuster Nachfrage und knappen Angebots verfügen starke, etablierte Unternehmen weiterhin über Preissetzungsmacht, was sich in höheren Margen und Gewinnen niederschlägt.
Qualität schlägt Wachstum, Large Caps schlagen Small Caps
Die Unterschiede werden größer – zwischen und innerhalb von Sektoren, Faktoren und Marktkapitalisierungen. Dennoch bleibt Diversifizierung entscheidend. Die Ereignisse im Nahen Osten haben dazu geführt, dass der Energiesektor unabhängig vom KI-Thema eine Outperformance erzielt hat. Gleichzeitig profitieren Sektoren der „Old Economy“, etwa Bau, Rohstoffe und Maschinenbau, von ihrer Verbindung zur KI-Infrastruktur. Insgesamt hat im Segment der Large Caps Qualität das Wachstum übertroffen. Auch gegenüber kleinen und mittelgroßen Unternehmen haben sich größere Unternehmen besser entwickelt. KI dürfte der dominierende Markttreiber bleiben, geprägt von einer kleinen Gruppe von Hyperscale-Unternehmen. Dennoch sollten kleinere Unternehmen nicht außer Acht gelassen werden, da viele von ihnen Zugang zu zyklischen Chancen bieten.
Aus geografischer Sicht ist die Attraktivität Europas hervorzuheben, da die Region durch eine expansive Fiskalpolitik gestützt wird. Hohe Energiepreise dämpfen jedoch die kurzfristigen Aussichten. Eine regionale Diversifizierung bleibt sinnvoll: Japans Transformation schreitet weiter voran, und auch die Schwellenländer gewinnen an Fahrt.
Fundamentaldaten sichern gegen Risiken ab
Die Aktienmärkte dürften sich auch in Zukunft positiv entwickeln, doch Risiken bleiben bestehen. Inflation beeinflusst weiterhin die Politik der Zentralbanken, Kostenstrukturen der Unternehmen und Konsumausgaben. Zudem dürfte die Volatilität angesichts geopolitischer Unsicherheiten anhalten. Die Fundamentaldaten bleiben daher der wichtigste Faktor bei der Titelauswahl, insbesondere Cashflows und Rentabilität. Langfristiger Erfolg beruht im zweiten Halbjahr 2026 umso mehr darauf, qualitativ hochwertige und attraktiv bewertete Unternehmen zu finden.
Columbia Threadneedle/IJ