20. Oktober 2022

„Gipfel der Angst“ erreicht

Eine leichte Rezession in den USA, eine tiefere Rezession in Europa und ein Wachstumseinbruch in China scheinen heute als Basisszenario zu gelten. Damit könnte aber der Gipfel der Angst – der „Peak Fear“ – erreicht sein. Das meint Joachim Fels, Chefökonom von PIMCO.

Joachim Fels, Chefökonom des Vermögensverwalters PIMCO
Joachim Fels, Chefökonom des Vermögensverwalters PIMCO

Laut Fels waren die meisten Teilnehmer der jüngsten IWF-Jahrestagung in Washington der Meinung, dass trotz des düsteren Basiszenarios noch weitere Abwärtsrisiken bestehen: „Die Furcht vor einer (nuklearen) Eskalation des Krieges in der Ukraine war ebenso spürbar wie die Sorge vor einer Verschärfung der handelspolitischen und technologischen Spannungen zwischen den USA und China. Auch die Befürchtung, dass die Inflation noch hartnäckiger sein könnte und die Zentralbanken gezwungen sein würden, die Geldpolitik zu stark zu straffen, war bei fast jeder Sitzung zu hören.“

Übertriebene Ängste?

„Vor dem düsteren makroökonomischen Hintergrund einer drohenden Rezession, einer hartnäckigen Inflation und einer aggressiven Straffung durch die Zentralbanken waren die Teilnehmer in Bezug auf Risiko-Assets weitgehend pessimistisch eingestellt. Auch wenn ich viele dieser Bedenken teile, bin ich nach den Sitzungen zu der Überzeugung gelangt, dass der Konsens nun insgesamt zu pessimistisch geworden ist und dass wir aus drei Gründen den Höhepunkt der Angst an den Märkten, „Peak Fear“, erreicht haben oder zumindest kurz davorstehen.“

Stabiler Jobmarkt

Dazu zählt der Experte die gute Chance, dass die Arbeitsmärkte in den USA und Europa relativ stabil bleiben. Zweitens herrsche inzwischen weithin Konsens darüber, dass die Zentralbanken die Hilfe der Finanzpolitik benötigen, um die Inflation nachhaltig zu senken: „Diese Hilfe könnte nun in Aussicht gestellt werden. Eine fiskalisch bedingte Inflation scheint nun weniger wahrscheinlich, was den Zentralbanken helfen dürfte, ihre Aufgabe zu erfüllen und die längerfristigen Inflationserwartungen auf einem festen Niveau verankern.“

Ruhigere Phase

Drittens: „Nicht zuletzt könnten die Zinsmärkte nach dem drastischen Ausverkauf im Laufe dieses Jahres und den wilden Turbulenzen als Reaktion auf die britischen Haushaltsankündigungen in eine ruhigere Phase eintreten. Die Märkte preisen bereits erhebliche weitere Zinserhöhungen durch die großen Zentralbanken ein. Die absoluten Renditeniveaus erscheinen so attraktiv wie schon lange nicht mehr, einschließlich der realen Rendite von inflationsgeschützten US-Schatzpapieren (TIPS). 

Wenn sich die Anleiherenditen auf diesen höheren Niveaus stabilisieren, anstatt weiter zu steigen, könnte dies auch dazu beitragen, dass Risikoanlagen wie Aktien einen Teil der bisherigen Jahresverluste aufholen und hochwertige Segmente der Kreditmärkte wieder attraktiver werden.“

PIMCO/HK

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