BRICS-Gipfel: Indien übernimmt den Vorsitz
Indien übernimmt den Vorsitz beim 18. BRICS-Gipfel am 12. und 13. September 2026 in Neu-Delhi. Kim Catechis, Senior Investment Strategist beim Franklin Templeton Institute, sieht vor allem die Energiesicherheit, den Ausbau eigener Finanz- und Zahlungsinfrastrukturen sowie das Verhältnis zu den USA und China als zentrale Themen. Der Iran-Konflikt hat zugleich gezeigt, wie begrenzt der politische Zusammenhalt innerhalb der BRICS-Staaten weiterhin ist.
Neue Entwicklungsbank und BRICS Pay
Die BRICS haben in den vergangenen Jahren konkrete Institutionen aufgebaut, darunter die Neue Entwicklungsbank (NDB), das Contingent Reserve Arrangement und BRICS Pay. Sie schaffen wirtschaftliche Verflechtungen auch dort, wo der politische Konsens begrenzt ist. Die ursprünglich von China geförderte NDB finanziert Infrastruktur und industrielle Entwicklung mit weniger politischen Auflagen als IWF oder Weltbank. BRICS Pay soll grenzüberschreitende Zahlungen und die stärkere Nutzung nationaler Währungen erleichtern.

Offiziell verstehen sich diese Institutionen als Ergänzung zu den Bretton-Woods-Institutionen. In der Praxis funktionieren sie laut Catechis jedoch nach anderen Prinzipien: weniger transparent, politisch stärker abhängig und enger mit den strategischen Interessen der Mitglieder verbunden. Je stärker solche Alternativen genutzt werden, desto mehr könnte die relative Bedeutung westlich geführter Institutionen langfristig abnehmen.
Aufbau einer souveränen Zahlungsinfrastruktur
Viele Staaten wollen die Abwicklung von Transaktionen stärker im eigenen Land halten, Gebühren senken, die finanzielle Inklusion ausweiten und die Abhängigkeit von ausländischen Zahlungsnetzen reduzieren. Die BRICS bieten dafür einen Rahmen zum Wissensaustausch und zum Aufbau alternativer Infrastrukturen.
Chinas CIPS zählte Ende 2025 rund 1.500 teilnehmende Institute, gegenüber etwa 1.300 zwei Jahre zuvor. Das tägliche Transaktionsvolumen überschritt 80 Milliarden US-Dollar. Indiens UPI ist inzwischen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Singapur, Sri Lanka, Frankreich und Mauritius vernetzt; weitere Gespräche laufen. Russlands SPFS kommt auf rund 600 teilnehmende Institutionen. Keines dieser Systeme ersetzt SWIFT, zusammen schaffen sie jedoch zusätzliche Redundanz – insbesondere für Akteure, die von Sanktionen betroffen sind.
Donald Trumps zweite Amtszeit als Präsident hatte in den BRICS-Staaten sehr unterschiedliche Auswirkungen.
Für China und Russland hat der teilweise Rückzug der USA aus der liberalen internationalen Ordnung strategische Chancen eröffnet. Beide Länder sowie der Iran haben stärkere Anreize, alternative Finanzvereinbarungen zu entwickeln und ihre Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern. Für Indien und Brasilien dagegen haben Zölle, diplomatische Interventionen und konfrontative Rhetorik die Beziehungen zu den USA belastet. Der Warenhandel innerhalb der BRICS-Staaten hat sich seit 2003 mehr als verdreizehnfacht und erreichte 2024 Exporte von 1,17 Billionen US-Dollar. Dennoch macht der Handel innerhalb der Gruppe weiterhin nur rund 5 % des Welthandels und etwa 20 % des Süd-Süd-Handels aus. Das deutet laut Catechis auf erhebliches ungenutztes Potenzial hin.
Auch die Sorge vor einem geschlossenen antiamerikanischen Block hält er für überzogen. „BRICS Pay“ steckt noch in den Anfängen, Alternativen zum US-Dollar bleiben begrenzt und die Mitglieder stimmen sich strategisch nur selten ab. Der Iran-Konflikt habe dies deutlich gezeigt: Indien, China und Russland verfolgten jeweils eigene Interessen, ohne eine koordinierte BRICS-Strategie oder militärische Unterstützung.
Ausblick: Zwischen Plattform des Globalen Südens und Bedeutungslosigkeit
Der Iran-Konflikt hat die zentrale Schwäche der BRICS offengelegt: Wenn nationale Interessen auseinandergehen, fällt es der Gruppe schwer, mit einer Stimme zu sprechen. Ein ausdrücklich antiwestliches BRICS+ bleibt daher unwahrscheinlich. Indien und Brasilien pflegen weiterhin umfangreiche Beziehungen zu westlichen Demokratien, während mehrere Golfstaaten enge Sicherheitspartner der USA sind.
Wahrscheinlicher ist, dass BRICS+ eine Plattform für selektive Koordinierung des Globalen Südens bleibt. Im besten Fall entwickelt die Gruppe praktische Institutionen für Infrastruktur, Finanzierung und internationale Zusammenarbeit und nähert sich damit einer modernen Form der Bewegung der Blockfreien Länder an. Im ungünstigsten Fall setzt sich die Erweiterung ohne größeren Zusammenhalt fort und BRICS+ bleibt vor allem ein repräsentatives, aber wenig wirksames Forum. Entscheidend wird daher weniger das weitere Mitgliederwachstum sein als die Frage, ob gemeinsame Interessen in konkrete Institutionen und Ergebnisse übersetzt werden können.
Franklin Templeton/IJ