3. September 2026

Anleihenrenditen auf 25-Jahres-Hoch

Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen ist so hoch wie seit 25 Jahren nicht mehr. Keith Patton, Head of Global Rates and Unconstrained Fixed Income bei Columbia Threadneedle Investments, sieht darin jedoch weniger ein grundsätzliches Problem am Anleihemarkt als eine Neubewertung von Risiken. Neben anhaltenden Defiziten, Inflation und einem steigenden staatlichen Emissionsbedarf sorgt auch die wachsende Konkurrenz durch große Technologieunternehmen für Aufwärtsdruck bei den Renditen.

Anhaltende Defizite, wachsender Emissionsbedarf, Inflation

Keith Patton, Head of Global Rates and Unconstrained Fixed Income bei Columbia Threadneedle Investments

Die USA haben die Marke von 40 Billionen US-Dollar bei der Staatsverschuldung überschritten. Aufgrund anhaltender Defizite, des wachsenden staatlichen Emissionsbedarfs, veränderter Fed-Politik und der Inflation verlangen Anleger höhere Prämien für die langfristige Kapitalbindung. Damit kehrt sich ein Teil jener Entwicklung um, die während der Ära der quantitativen Lockerung nach der Finanzkrise und als Reaktion auf die Corona-Krise zu beobachten war.

Konkurrenz um Anlegerkapital durch Tech-Unternehmen

Große Technologieunternehmen werden zu immer bedeutenderen Emittenten langfristiger Anleihen. Sie nehmen verstärkt Kapital auf, um in großem Umfang in KI-Infrastruktur, Cloud-Computing und Rechenzentren zu investieren. Die jüngsten Emissionen einiger der größten US-Technologiekonzerne beliefen sich auf Hunderte Milliarden US-Dollar und dürften weiter zunehmen. Dadurch wächst das Angebot an langfristigen Anleihen deutlich. Diese zusätzliche Konkurrenz um Anlegerkapital ist laut Patton ein wichtiger Faktor für den Aufwärtsdruck bei den Renditen.

Der Anleihenmarkt funktioniert wie er soll …

Die zentrale Frage ist, ob die Entwicklung der US-Staatsanleihen tatsächlich ein Problem darstellt oder ob der Markt angesichts des höheren Emissionsvolumens lediglich einen neuen Gleichgewichtspreis findet. Ein genauerer Blick zeigt laut Patton, dass sich die Anleiherenditen nicht auf Extremwerten befinden, sondern sich eher wieder in Richtung der Durchschnittswerte dieses Jahrhunderts bewegen. Die 30-jährigen Inflationsbreakeven-Renditen in den USA liegen bei 2,26 und damit nahe dem Durchschnitt von 2,24. Die 2-30-Kurve liegt bei 0,96 und damit deutlich unter ihrem Durchschnitt von 1,63, während die Kreditspreads weiterhin auf historischen Tiefstständen verharren. Das spricht aus seiner Sicht für einen Markt, der grundsätzlich funktioniert.

… doch das US-Finanzministerium ist auf dem Holzweg

Kritisch sieht Patton den jüngsten Rückkaufplan des US-Finanzministeriums. Dieser sei relativ begrenzt und habe daher vor allem Signalwirkung. Vorübergehende Käufe länger laufender Staatsanleihen könnten zwar kurzfristig zu niedrigeren Renditen führen, die strukturellen Ursachen des Defizits aber nicht beheben.

Zudem könnte der Rückkaufplan den Emissionsdruck am kurzen Ende der Zinskurve erhöhen. Patton verweist in diesem Zusammenhang auf das bekannte Zitat des früheren Clinton-Beraters James Carville, der den Einfluss des Anleihemarktes als besonders mächtig beschrieb. Statt kurzfristiger Eingriffe sollte sich die US-Regierung aus Sicht des Experten stärker auf die langfristigen strukturellen Ursachen des Defizits konzentrieren.

Staatsanleihen bleiben sicherer Hafen

Trotz höherer Renditen bleiben hochwertige Staatsanleihen ein wichtiges Diversifizierungsinstrument. In fünf der letzten sieben Phasen, in denen der S&P 500 um mindestens zehn Prozent fiel, stiegen die Kurse 30-jähriger US-Staatsanleihen und boten damit Diversifizierungsvorteile. Verändert hat sich vor allem der Preis für diese Sicherheit. Anleger verlangen heute eine höhere Vergütung für die langfristige Bindung ihres Kapitals. Höhere Renditen stehen daher laut Patton eher für eine Normalisierung der Risikobepreisung als für das Ende von Staatsanleihen als defensive Kernanlageklasse.

Chancen durch Durationssteuerung und Derivate

Für aktive Anleihemanager eröffnet das aktuelle Umfeld zusätzliche Chancen. Sie können ihr Engagement in besonders anfälligen langen Laufzeiten reduzieren und in kürzere Laufzeiten umschichten, während die Gesamt-Duration des Portfolios gezielt beibehalten wird. Auch Derivate können eingesetzt werden, um die Durationssteuerung präziser auszurichten. So lassen sich Chancen entlang der Zinsstrukturkurve oder durch marktübergreifende Unterschiede nutzen, anstatt sich ausschließlich auf das allgemeine Zinsniveau zu verlassen.

Columbia Threadneedle/IJ

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