1. September 2026

Stromboom überfordert Netze

Reindustrialisierung, Elektrifizierung und der Ausbau von KI-Rechenzentren treiben den Stromverbrauch wieder deutlich nach oben. Christian Rom, Portfoliomanager bei DNB Asset Management, sieht darin einen strukturellen Trend – und zugleich wachsenden Investitionsbedarf bei Netzinfrastruktur, Stromerzeugung, Halbleitern und Speichern.

Elektrifizierungs-Infrastruktur weniger politikabhängig

Christian Rom, Co-Portfolio Manager DNB Fund – Renewable Energy
Christian Rom, Portfoliomanager bei DNB Asset Management

Der Ausbau, die Modernisierung und die Flexibilisierung der Netze erfordern erhebliche Investitionen in Übertragungs- und Verteiltechnik, Schaltanlagen, Hochspannungstechnik, Kabel, Leistungselektronik, Netzsoftware, Energiespeicher und Lösungen zur Steuerung der Nachfrage. Auch Energieeffizienz und die Elektrifizierung von Wärme können Energieverbrauch und Emissionen senken und bieten laut Rom teils berechenbareres und weniger politikabhängiges Wachstum als die Entwicklung erneuerbarer Stromerzeugung selbst.

Zu den Unternehmen, die unterschiedliche Teile dieses Themas abdecken, zählen Monolithic Power und Onsemi bei Halbleitern für die Stromumwandlung, Amphenol bei Sensoren und Steckverbindern, Prysmian und Nexans bei Kabeln sowie Schneider Electric bei elektrischer Ausrüstung. Hinzu kommen Orsted und EDPR in der Stromerzeugung und CATL bei Batteriespeichern.

79 Prozent mehr Batteriespeichervolumen in 2025 installiert

Die Engpässe in der Infrastruktur sind bereits sichtbar. Transformatoren haben lange Lieferzeiten, Fertigungskapazitäten sind begrenzt und auch bei Hochspannungskabeln, Schaltanlagen sowie spezialisierten Elektromaterialien können Knappheiten entstehen. Gleichzeitig gewinnt Leistungselektronik für die Integration von erneuerbaren Energien, Speichern und Rechenzentren an Bedeutung. Nach Angaben von Volta stiegen die Installationen von Batteriespeichersystemen 2025 gemessen an der Leistung im Jahresvergleich um 79 Prozent. Allein 2025 wurden 40 Prozent der kumulierten weltweiten Kapazität installiert. Treiber waren stark fallende Kosten, unterstützende Speicherpolitik, neue Märkte und eine verbesserte Produktleistung. Speicher können einen höheren Anteil erneuerbarer Energien ermöglichen und zugleich die Folgen begrenzter Netzinvestitionen abfedern.

Auch Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft gewinnen an Bedeutung. Da die Energiewende materialintensiv ist, dürften Recycling, Materialrückgewinnung und Technologien zur Senkung des Verbrauchs kritischer Mineralien, von Energie und Wasser wichtiger werden. Lösungen wie Wärmepumpen und Dämmung sind bereits verfügbar, lassen sich vergleichsweise schnell ausrollen und können kurze Amortisationszeiten bieten.

DNB/IJ

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