Dynamische Dividendenstrategien
Geopolitische Spannungen, volatile Märkte und rasche Stimmungsumschwünge erschweren die Suche nach stabilen Erträgen. Ross McSkimming, Head of Equities Investment Specialists, Developed Markets bei Aberdeen Investments, sieht in einem dynamischen Dividendenansatz eine Möglichkeit, unterschiedliche Ertragsquellen zu kombinieren und zugleich auf Unternehmen mit widerstandsfähigen Geschäftsmodellen, soliden Bilanzen und stabilen Cashflows zu setzen.
Die Stärke von Dividenden

Unternehmen, die ihre Dividenden verlässlich ausschütten und steigern, weisen laut Aberdeen häufig ähnliche Merkmale auf: nachhaltige Geschäftsmodelle, solide Bilanzen, einen hohen und gut vorhersehbaren freien Cashflow sowie eine disziplinierte Kapitalallokation. Gerade in einem volatilen Marktumfeld können diese Eigenschaften die Widerstandsfähigkeit und langfristige Ertragskraft eines Unternehmens stützen. Entscheidend ist dabei weniger die exakte Prognose makroökonomischer Entwicklungen als die Fähigkeit eines Unternehmens, auch unter unterschiedlichen Marktbedingungen stabile Erträge zu erwirtschaften.
Ein dynamischer Ansatz für Erträge
Dividendenerträge müssen nicht ausschließlich aus langfristig gehaltenen Aktien stammen. Aberdeen kombiniert deshalb drei Ertragsquellen: Dividenden aus langfristigen Beteiligungen, Erträge rund um reguläre Dividendenereignisse sowie Chancen aus Sonderausschüttungen. Ein Kernportfolio soll dabei den Zugang zu qualitativ hochwertigen Unternehmen mit Potenzial für laufende Dividendenerträge und langfristiges Kapitalwachstum ermöglichen. Ergänzend werden weltweit Dividendenereignisse analysiert, um selektiv zusätzliche Ertragschancen zu nutzen. Ziel ist ein breiter diversifizierter Ertragsstrom, bei dem sogenannte Dividend-Capture-Strategien einen ergänzenden Beitrag leisten können.
Qualitativ hochwertige Dividenden: eine Grundlage für Widerstandsfähigkeit
Dividenden ausschüttende Unternehmen können neben laufenden Erträgen auch zur Stabilität eines Portfolios beitragen. Besonders in Stressphasen zeigt sich, wie belastbar die Gewinne und das Finanzmanagement eines Unternehmens tatsächlich sind. Unternehmen mit stabilen Cashflows und disziplinierter Kapitalallokation sind tendenziell besser in der Lage, auch unter schwierigeren Rahmenbedingungen Kapital an ihre Aktionäre zurückzuführen. Geopolitische Risiken werden dabei nicht ausgeblendet, sondern spiegeln sich häufig bereits in der operativen Entwicklung einzelner Unternehmen und Branchen wider.
Umsetzung in die Praxis
Auch wenn die Portfoliosteuerung nicht unmittelbar an makroökonomischen Ereignissen ausgerichtet wird, prägt das geopolitische und wirtschaftliche Umfeld die Chancen auf Branchen- und Unternehmensebene.
Luftfahrt und Verteidigung: strukturelles Wachstum und Planungssicherheit
Der Luftfahrt- und Verteidigungssektor profitiert von steigenden Verteidigungsausgaben und langfristigen staatlichen Budgets. Unternehmen wie BAE Systems und Lockheed Martin verfügen über umfangreiche Auftragsbestände und relativ gut vorhersehbare Cashflows, die ein kontinuierliches Dividendenwachstum unterstützen können.
Energie und Versorger: Widerstandsfähigkeit in unsicheren Zeiten
Auch im Energiesektor spielen geopolitische Risiken eine wichtige Rolle. Mögliche Störungen zentraler Transitrouten wie der Straße von Hormus unterstreichen die Bedeutung von Energiesicherheit und flexiblen Erzeugungskapazitäten. Integrierte Energieunternehmen wie TotalEnergies können dabei von einer günstigen Rohstoffdynamik profitieren. Versorger wie Engie und RWE verfügen wiederum über flexible Erzeugungs- und Energiehandelskapazitäten, die in volatilen Marktphasen zusätzliche Ertragsmöglichkeiten eröffnen können.
Defensive Sektoren: Beständigkeit über Konjunkturzyklen hinweg
Basiskonsumgüter, Gesundheitswesen und Telekommunikation zählen zu jenen Bereichen, die über Konjunkturzyklen hinweg vergleichsweise stabile Erträge liefern können. Unternehmen wie Coca-Cola, Nestlé und Mondelez profitieren von starken Marken, Preissetzungsmacht und relativ stabiler Nachfrage. Telekommunikationsunternehmen wie die Deutsche Telekom verfügen zusätzlich über wiederkehrende, abonnementbasierte Umsätze und überwiegend inländische Ertragsprofile.
Stärke mit Wachstum verbinden
Dividendenstrategien schließen Wachstum nicht aus. Einige dividendenzahlende Unternehmen profitieren gleichzeitig von langfristigen strukturellen Trends. Williams Companies könnte etwa von der steigenden Erdgasnachfrage im Zusammenhang mit dem Ausbau von Rechenzentren profitieren. Analog Devices dürfte von einer möglichen Erholung der Nachfrage in Industrie und Automobilsektor profitieren, während TSMC weiterhin zu den Unternehmen zählt, die vom weltweiten Ausbau der KI-Infrastruktur begünstigt werden könnten. Damit können laufende Erträge und langfristiges Wachstum innerhalb einer Dividendenstrategie miteinander verbunden werden.
Abschließende Gedanken…
Geopolitische Unsicherheit und Volatilität dürften die Märkte weiterhin prägen. Gleichzeitig entstehen an den globalen Aktienmärkten unterschiedliche Dividendenchancen – von Unternehmen mit langfristig steigenden Ausschüttungen über reguläre Dividendenereignisse bis hin zu Sonderausschüttungen. Ein dynamischer Ansatz kann diese unterschiedlichen Ertragsquellen kombinieren und damit zu einem breiter diversifizierten Ertragsprofil beitragen.
Aberdeen Investments/IJ