Wandelanleihen mit Risikopuffer
Wandelanleihen erleben nach Einschätzung von Arnaud Brillois, Leiter des Global Convertible-Teams bei Lazard Asset Management, ein Comeback. Seit Anfang 2025 habe die Anlageklasse deutlich an steigenden Aktienmärkten partizipiert, zugleich aber in volatilen Phasen geringere Rückschläge verzeichnet. Attraktive Renditeaufschläge, ein aktiver Primärmarkt und die Ausrichtung auf strukturelle Wachstumsthemen könnten das Umfeld zusätzlich stützen.
Credit-Markt bietet Renditeaufschläge

Seit Anfang 2025 legte der FTSE Convertible Global Focus USD-hedged bis Ende Juni 2026 um 23,5 Prozent zu, bei einem maximalen Drawdown von 6,7 Prozent. Der MSCI All Country World Index USD-hedged stieg im selben Zeitraum zwar um 35,4 Prozent, verzeichnete jedoch einen maximalen Drawdown von 16,5 Prozent. Für Brillois liegt darin der zentrale Reiz der Anlageklasse: Anleger können an steigenden Aktienmärkten partizipieren, ohne das volle Risiko eines klassischen Aktieninvestments tragen zu müssen.
Auch auf der Anleiheseite ist das Umfeld attraktiv. Viele Non-Investment Grade-Wandelanleihen handeln trotz historisch niedrigerer Ausfallraten mit höheren Spreads als vergleichbare High Yield-Anleihen. Gleichzeitig ist die Zinssensitivität mit einer Duration von rund zwei Jahren vergleichsweise gering. Der Renditevorteil beruhe daher weniger auf einer Durationswette als auf Credit-Spread-Verwerfungen.
Neuemissionen bringen frische Konvexität
In der ersten Jahreshälfte 2026 wurden weltweit Wandelanleihen im Volumen von rund 138 Milliarden US-Dollar emittiert. Damit lag das Neuemissionsvolumen bereits zur Jahresmitte über dem eines durchschnittlichen Gesamtjahres. Ein aktiver Primärmarkt ist für die Anlageklasse wichtig, da sich der asymmetrische Charakter einer Wandelanleihe im Zeitverlauf verändern kann. Neue Emissionen ersetzen ältere Titel und bringen laufend Strukturen mit einem ausgewogeneren Chance-Risiko-Profil in den Markt. Zusätzlich könnten viele Wandelanleihen von einem Pull-to-Par-Effekt profitieren. Da bis 2028 rund 26 Prozent des Marktes fällig werden, könnte dieser Effekt einen zusätzlichen Renditebeitrag leisten.
Technologie prägt den Wandelanleihenmarkt
Fast ein Drittel des Wandelanleihenmarktes entfällt auf den Technologiesektor. Dazu zählen Halbleiter, optische Netzwerktechnik sowie Rechenzentrums- und KI-Infrastruktur, ergänzt um Software- und Cybersicherheitsunternehmen. Nach den starken Kursbewegungen bei Halbleitern und Rechenzentren könnten sich die interessantesten Chancen zunehmend entlang der Wertschöpfungskette verschieben – etwa zu Halbleiterausrüstern, Unternehmen im Bereich Energie- und Stromversorgung für KI-Infrastruktur sowie ausgewählten Software- und Cybersicherheitsunternehmen.
Regional gibt es Unterschiede: In Europa ist das Wandelanleihenuniversum kleiner, aber stärker industriell geprägt, etwa durch Verteidigung, Luftfahrt, Infrastruktur, Elektrifizierung und Energiewende. In China könnten konsumorientierte Emittenten profitieren, sofern Stimulusmaßnahmen die Binnenkonjunktur beleben.
Aufholpotenzial bei US-Mid-Caps und Growth-Werten
Ein großer Teil der globalen Wandelanleihen besteht aus US-amerikanischen Mid-Cap- und Wachstumswerten. Dieses Segment hat sich seit 2021 deutlich schwächer entwickelt als große US-Indizes, obwohl sich die Gewinnentwicklung vieler Unternehmen verbessert hat. „In vielen Fällen sind die Bewertungen gesunken, während die Erträge gestiegen sind“, erklärt Brillois. Für Wandelanleihen sei dieses Umfeld besonders interessant, weil Anleger an einer möglichen Neubewertung im Growth- und Mid-Cap-Bereich partizipieren können, ohne das volle Risiko eines direkten Aktieninvestments einzugehen.
Aus Sicht von Brillois verbinden Wandelanleihen damit derzeit mehrere strukturelle Vorteile: attraktive Renditeaufschläge auf der Credit-Seite, einen Primärmarkt mit hohem Emissionsvolumen, Zugang zu langfristigen Wachstumsthemen und Bewertungsaufholpotenzial bei ausgewählten zugrunde liegenden Aktien.
Lazard/IJ