25. August 2026

Bullenmarkt vor Bewährungsprobe

Die Märkte stehen diese Woche vor drei wichtigen Prüfungen: den Nvidia-Ergebnissen, Jackson Hole und den neuesten PCE-Inflationsdaten. Marcus Weyerer, CFA, Director ETF Investment Strategy bei Franklin Templeton, sieht die anstehenden Nvidia-Zahlen dabei nicht nur als Test für die Aktie selbst, sondern auch für den breiteren KI-Handel und den gesamten Aktienmarkt.

Nvidia: ein Wegweiser, der weit über eine einzelne Aktie hinausgeht

Nvidia ist mittlerweile mehr als nur eine weitere Gewinnveröffentlichung der „Magnificent Seven“. Die Ergebnisse liefern wichtige Anhaltspunkte für den breiteren KI-Investitionszyklus, die Investitionsausgaben der Hyperscaler und die Nachhaltigkeit der Nachfrage nach KI-Infrastruktur.

Marcus Weyerer, CFA, Director ETF Investment Strategy bei Franklin Templeton

Die Vergangenheit zeigt, dass die Auswirkungen über die Aktie hinausreichen. In den fünf Tagen vor den jüngsten Nvidia-Ergebnissen verzeichnete Nvidia im Durchschnitt eine Überrendite von -2,5 %, während auch die „Magnificent Seven“ (-1,6 %) und der S&P 500 (-1,0 %) schwächer tendierten. Am ersten Tag nach der Veröffentlichung erzielte Nvidia im Durchschnitt eine Überrendite von rund +2,5 %. In den folgenden fünf Tagen lagen die „Magnificent Seven“ im Schnitt rund +0,6 % über dem Markt, verglichen mit etwa +0,1 % beim S&P 500. Diese historischen Daten sind keine Prognose, unterstreichen aber die Bedeutung von Nvidia als Informationsereignis für den gesamten KI-Sektor.

Die Zahlen kommen zudem nach einer außergewöhnlich starken Berichtssaison. Laut FactSet haben mehr als 90 % der S&P-500-Unternehmen ihre Ergebnisse vorgelegt, 86 % übertrafen die EPS-Schätzungen und 76 % die Umsatzerwartungen. Selbst ohne die ungewöhnlich starken Effekte von Alphabet und Amazon lag das gemittelte Gewinnwachstum im zweiten Quartal noch bei rund 32 %.

Die ETF-Kapitalflüsse zeigen dieselbe Vorsicht vor der Gewinnsaison

Auch die ETF-Kapitalflüsse deuten auf eine selektivere Positionierung hin. Die Mittelzuflüsse in globale Technologie-ETFs drehten von rund 12,8 Milliarden US-Dollar im Juli auf Abflüsse von 6,9 Milliarden US-Dollar im August. Technologie-ETFs steuern damit auf ihren erst dritten Monat mit Nettoabflüssen seit Februar 2025 zu.

Small-Cap-ETFs verzeichneten im August hingegen bislang mehr als 3,1 Milliarden US-Dollar an Zuflüssen und könnten damit einen ihrer stärksten Monate der vergangenen zwei Jahre erreichen. Gleichzeitig flossen rund 16,6 Milliarden US-Dollar in Wachstums-ETFs. Die absolute Nachfrage nach Aktien bleibt damit beträchtlich, doch die marginalen Zuflüsse haben sich von der früher dominierenden Führungsrolle der Technologie- und Mega-Cap-Unternehmen wegbewegt.

Das steht im Einklang mit der breiteren Marktteilnahme der vergangenen 18 Monate. Untersuchungen des Franklin Templeton Institute zeigen, dass sich die Beteiligung über Marktkapitalisierungen, Anlagestile und Regionen hinweg ausgeweitet hat.

Jackson Hole und PCE: die andere Seite der Bewertungsgleichung

Die beiden weiteren Prüfsteine dieser Woche betreffen die Zinsen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt bei rund 4,7 % und damit nahe dem oberen Ende der von Franklin Templeton erwarteten Spanne von 4,25 % bis 4,75 %. Der Anstieg rückt das lange Ende der Zinskurve stärker in die Bewertungsdebatte. Finanzminister Scott Bessent hat unterdessen Elemente der „Operation Twist“ wiederbelebt und kauft längerfristige Staatsanleihen. Das anfängliche Volumen von rund zwei Milliarden US-Dollar ist zwar begrenzt, der mögliche Signaleffekt jedoch relevant.

Im Fokus steht zudem der Kern-PCE. Das Franklin Templeton Institute erwartet für 2026 einen Wert von 3,0 % bis 3,5 %, nach 3,3 % im Juni. Ein schwächerer Wert könnte den Druck auf die längerfristigen Renditen mindern, während eine erneute Inflationsdynamik dafür sprechen würde, dass die Geldpolitik länger restriktiv bleibt.

Eine höhere Hürde, kein gescheiterter Bullenmarkt

Das gemeinsame Thema ist, dass der Bullenmarkt vor einer höheren Hürde steht. Nvidia muss die Erwartungen hinsichtlich KI-Investitionen und künftiger Nachfrage bestätigen, der PCE-Index hinsichtlich der Inflation Beruhigung schaffen und Jackson Hole mehr Klarheit über die Reaktionsfunktion der Fed liefern. Die ETF-Zuflüsse deuten laut Weyerer darauf hin, dass Anleger selektiver vorgehen und nicht grundsätzlich pessimistischer werden. Die Nachfrage nach Technologiewerten hat sich kurzfristig abgeschwächt, gleichzeitig fließt weiterhin erhebliches Kapital in Aktien, darunter Small Caps. Eine breitere Marktteilnahme könnte den Bullenmarkt weniger abhängig davon machen, dass Nvidia ein weiteres perfektes Quartal liefert.

Franklin Templeton/IJ

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