Goldminen im Fokus
Zu Jahresbeginn 2026 stieg der Goldpreis innerhalb weniger Wochen um rund 25 Prozent auf ein neues Allzeithoch von 5.595 US-Dollar je Unze, bevor eine massive Korrektur folgte. In der Spitze verlor Gold knapp 30 Prozent und notiert aktuell bei rund 4.400 US-Dollar je Unze. Stefan Breintner, Leiter Research & Portfoliomanagement sowie Manager des DJE – Gold & Ressourcen, und Manuel Zeuch, Co-Fondsmanager und Analyst für den Rohstoffsektor bei der DJE Kapital AG, sehen darin jedoch keine strukturelle Schwäche.
Goldpreis bleibt der wichtigste Treiber für Minenaktien

Auslöser der Korrektur waren unter anderem der Nahostkonflikt, höhere energiegetriebene Inflation, eine restriktivere Geldpolitik der US-Notenbank Fed, steigende Realzinsen und ein stärkerer US-Dollar. Gleichzeitig war die Markttechnik nach dem zuvor sehr hohen Optimismus schwach. Der Goldpreis ist weiterhin der wichtigste Einflussfaktor auf die Gewinnentwicklung von Goldminenunternehmen. Entsprechend gerieten auch Goldaktien unter Druck und korrigierten von ihren Höchstständen zwischenzeitlich um 35 bis 40 Prozent. Zusätzlich belasteten höhere Energiekosten die Kostenprognosen.
Nach der jüngsten Korrektur spiegeln die Bewertungen der Goldminenunternehmen im Durchschnitt einen langfristigen Goldpreis von rund 3.200 bis 3.700 US-Dollar je Unze wider und liegen damit weiterhin unter dem aktuellen Spotpreis. Gleichzeitig präsentiert sich die Branche operativ und bilanziell robuster als in früheren Zyklen. Kostendisziplin, solide Bilanzen und überwiegend Nettoliquidität erhöhen die Widerstandsfähigkeit, während robuste freie Cashflows zusätzlichen Spielraum für Kapitalmaßnahmen wie Aktienrückkäufe schaffen.
Newmont Mining meldete für das zweite Quartal 2026 einen Gewinn je Aktie von 2,10 US-Dollar, einen freien Cashflow von 2,2 Milliarden US-Dollar und eine Nettoliquidität von 3,9 Milliarden US-Dollar. Die All-in Sustaining Costs lagen mit 1.621 US-Dollar je Unze rund zehn Prozent unter den Markterwartungen. Auch Agnico Eagle bestätigte seine operative Qualität und Effizienz, während Produktion, EBITDA und bereinigtes Ergebnis über den Erwartungen lagen.
Operative und politische Risiken

Trotz der verbesserten Fundamentaldaten bleiben operative Risiken bestehen. Seismische Ereignisse und geotechnische Instabilitäten waren in den vergangenen zwölf Monaten ein größeres Thema im Sektor und führten bei mehreren Produzenten zu Produktionsausfällen oder niedrigeren Förderraten. Hinzu kommen politische Risiken. Besonders deutlich zeigt sich dies in Ghana, wo ein möglicher Lizenzentzug bei einer Mine zu erheblichen Produktions- und EBITDA-Rückgängen führen könnte. Westafrika bleibt als Goldabbaugebiet grundsätzlich attraktiv, weist aber weiterhin erhöhte politische Risiken auf.
Endeavour Mining zeigt zugleich, dass Unternehmen in der Region profitabel arbeiten können. Im zweiten Quartal lag die Produktion über den Erwartungen, während die Kosten niedriger ausfielen als erwartet. Der freie Cashflow übertraf den Konsens deutlich und die Nettoliquidität stieg auf 254 Millionen US-Dollar.
Robuste Fundamentaldaten nach der Korrektur
Insgesamt bleibt der Ausblick für Gold und Goldproduzenten aus Sicht von DJE konstruktiv. Die jüngste Korrektur sei vor allem auf zins- und makroökonomische Belastungsfaktoren in Verbindung mit zuvor hohem Optimismus zurückzuführen und weniger auf eine strukturelle Schwäche. Für die mittelfristige Entwicklung sprechen unter anderem die robuste Zentralbanknachfrage, geopolitische Unsicherheiten, der strukturelle Diversifikationsbedarf sowie die Perspektive sinkender Realzinsen und möglicher neuer Zuflüsse in börsengehandelte Goldfonds.
Besonders die chinesische Zentralbank bleibt ein wichtiger Käufer. Sie hat inzwischen 21 Monate in Folge Gold erworben und ihre Käufe im bisherigen Jahresverlauf 2026 auf 60 Tonnen erhöht. Auch Polen kaufte seit Jahresbeginn knapp 64 Tonnen. Laut einer Umfrage des World Gold Council wollen 90 Prozent der befragten Zentralbanken auch in den kommenden Jahren weiterhin aktiv Gold kaufen.
Nach der deutlichen Kurskorrektur erscheinen die Bewertungen der Goldminenaktien insgesamt nicht überzogen. Gleichzeitig haben sich Bilanzqualität, freier Cashflow, Kostendisziplin und Kapitalallokation gegenüber früheren Zyklen verbessert. Unternehmen mit hochwertiger Minenbasis, soliden Bilanzen und hoher finanzieller Flexibilität verfügen damit über eine robustere Ausgangslage.
DJE/IJ