7. Juli 2026

Österreichs Versicherer bleiben krisenfest

Österreichs Versicherungsunternehmen bleiben trotz wirtschaftlicher Unsicherheit, hoher Schadenjahre und anhaltender regulatorischer Veränderungen finanziell sehr solide aufgestellt. Gleichzeitig wird Versicherungsschutz für Kund:innen weiter teurer: Die verrechneten Prämien stiegen 2025 um 4,9 Prozent und damit stärker als die Inflation von 3,6 Prozent. Das zeigt die aktuelle EY-Analyse der Solvency-II-Kennzahlen, für die sämtliche österreichischen Versicherungsunternehmen analysiert wurden, die der heimischen Versicherungsaufsicht unterliegen.

Solvenzquoten bleiben über dem europäischen Durchschnitt

Barbara Czanik, Partnerin und Leiterin des Bereichs Versicherungsprüfungen bei EY Österreich

Versicherer müssen auch in einem Umfeld mit höheren Zinsen, steigenden Kosten, Naturkatastrophenrisiken und neuen regulatorischen Vorgaben ausreichend Kapital halten. Laut Studie gelingt das der Branche weiterhin gut. Die durchschnittliche Solvenzkapitalquote (SCR-Quote) steigt 2025 auf 275,5 Prozent nach 255,4 Prozent im Vorjahr und liegt damit weiterhin über dem europäischen Durchschnitt.

„Die österreichische Versicherungsbranche zeigt sich auch 2025 sehr robust. Die Solvenzquoten sind gestiegen und liegen weiterhin über dem europäischen Durchschnitt. Das ist ein starkes Stabilitätssignal – gerade in einem Umfeld, in dem Versicherer gleichzeitig mit höheren Schadenrisiken, Kapitalmarktveränderungen und zunehmender Regulierung umgehen müssen“, sagt Barbara Czanik, Partnerin und Leiterin des Bereichs Versicherungsprüfungen bei EY Österreich.

Mehr Eigenmittel, hohe Kapitalqualität

Christopher Grocholski, Senior Manager und Aktuar bei EY Österreich

Ein wesentlicher Grund für die verbesserte Solvenzlage ist der deutliche Anstieg der anrechenbaren Eigenmittel. Die sogenannten Own Funds zur Bedeckung des Solvenzkapitalerfordernisses stiegen 2025 um 12,3 Prozent, nach 1,5 Prozent im Vorjahr. Gleichzeitig bleibt die Qualität der Eigenmittel hoch: 94,1 Prozent der anrechenbaren Eigenmittel entfallen auf Eigenmittel höchster Qualität.

„Die Kapitalausstattung der österreichischen Versicherer ist nicht nur hoch, sondern auch qualitativ stark. Das ist entscheidend, weil Solvenz nicht nur eine regulatorische Kennzahl ist, sondern die Fähigkeit eines Versicherers widerspiegelt, Verpflichtungen gegenüber Kund:innen auch unter Stressbedingungen erfüllen zu können“, erklärt Christopher Grocholski, Senior Manager und Aktuar bei EY Österreich.

Prämien steigen weiter

Die verrechneten Prämien stiegen 2025 um 4,9 Prozent auf 24,3 Milliarden Euro. Damit liegt das Wachstum zwar unter dem Vorjahreswert von 5,5 Prozent, aber weiterhin über der Inflationsrate.

Den größten Marktanteil hält das Nicht-Lebensversicherungsgeschäft mit 64,2 Prozent der Prämien, gefolgt von der Lebensversicherung (21,7 Prozent) und der Krankenversicherung (14,1 Prozent). Im Bereich Non-Life legten die Prämien um 4,9 Prozent zu, besonders stark bei Assistance-Versicherungen (+9,6 Prozent) und sonstigen Kraftfahrtversicherungen (+8,8 Prozent). Die Krankenversicherung wuchs um 8,5 Prozent, die Lebensversicherung um 2,6 Prozent und damit so stark wie seit fünf Jahren nicht mehr.

„Prämiensteigerungen sind für Kund:innen unmittelbar spürbar. Für Versicherer spiegeln sie aber auch ein Umfeld wider, in dem Kosten, Schadenaufwand, medizinische Leistungen, Reparaturkosten und Risiken weiter steigen. Die Branche muss daher eine schwierige Balance halten: leistbaren Versicherungsschutz anbieten und gleichzeitig langfristig ausreichend Kapital und Ertragskraft sichern“, so Czanik.

Österreichische Versicherer im europäischen Vergleich stark

Auch im europäischen Vergleich schneiden Österreichs Versicherer gut ab. Die mediane SCR-Quote der Lebensversicherer liegt mit 266,6 Prozent über dem europäischen Wert von 244,4 Prozent. Im Bereich Non-Life erreicht Österreich einen Median von 256 Prozent und liegt ebenfalls über dem europäischen Vergleichswert von 219 Prozent. Bei den Prämien wächst Österreich in der Lebensversicherung mit einem Median von 4,7 Prozent schwächer als Europa (6,6 Prozent). Im Nicht-Lebensversicherungsgeschäft liegt Österreich mit 5,9 Prozent hingegen über dem europäischen Durchschnitt von 4,5 Prozent.

„Österreichs Versicherungsmarkt ist im europäischen Vergleich sehr solide kapitalisiert. Gleichzeitig sieht man, dass Wachstum und Profitabilität je nach Sparte sehr unterschiedlich ausfallen. Für Versicherer wird es daher immer wichtiger, Kapital, Risiko und Wachstum aktiv und integriert zu steuern“, sagt Grocholski.

Solvency-II-Review bringt neue Anforderungen

Neben der aktuellen Kapitalstärke rückt auch der regulatorische Ausblick in den Fokus. Der Solvency-II-Review soll Effektivität und Proportionalität verbessern, langfristige Investitionen fördern und Berichtspflichten vereinfachen. Gleichzeitig werden technische Anpassungen unter anderem bei Zinskurve, Risikomarge und Volatilitätsanpassung sowie Naturkatastrophenparameter unter Berücksichtigung klimabezogener Risiken umgesetzt. Für Versicherer steigen damit die Anforderungen an Risiko-, Kapital- und Datenmanagement. Auch der Umgang mit langfristigen Garantien, Kapitalmarktvolatilität und Nachhaltigkeitsrisiken gewinnt weiter an Bedeutung.

„Der Solvency-II-Review ist kein rein technisches Regulierungsthema. Er beeinflusst, wie Versicherer Kapital einsetzen, Risiken bewerten, langfristig investieren und gegenüber Aufsicht und Öffentlichkeit berichten. Unternehmen sollten die Änderungen daher frühzeitig analysieren und ihre Modelle, Prozesse und Berichterstattung entsprechend vorbereiten“, sagt Czanik.

EY/IJ

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