Märkte im Fokus
Die Eskalation im Nahen Osten hat die Börsen kurzfristig aus dem Takt gebracht, doch jenseits der Schlagzeilen bleiben fundamentale und strukturelle Trends entscheidend. Das betont Thorsten Fischer von Moventum Asset Management. Während US- und europäische Aktienmärkte auf Sicht der nächsten Monate insgesamt neutral einzuschätzen sind, rücken Marktverbreiterung, Stilrotation und langfristige Branchenthemen stärker in den Mittelpunkt.

Die militärische Eskalation führte zu steigenden Energiepreisen, höheren Inflationserwartungen, steigenden Staatsanleiherenditen und potenziellen Zinserhöhungen – mit entsprechend negativer Reaktion an den Aktienmärkten. Entspannt sich der Konflikt, dürfte sich das mittelfristige Bild normalisieren und der Fokus wieder stärker auf Makrodaten und Unternehmensgewinne rücken.

US-Aktien bleiben teuer
Auf Drei- und Zwölf-Monatssicht bleiben US-Aktien insgesamt neutral. Unterstützend wirken stabile Finanzkonditionen, ein robuster Arbeitsmarkt und eine weiterhin expansive Geldpolitik. Gleichzeitig sind US-Aktien nach wie vor teuer, was das Aufwärtspotenzial begrenzt und die Anfälligkeit für Rückschläge erhöht.
Die Bewertungen werden jedoch durch die Erwartung solider Gewinne gestützt. Effizienzgewinne, Innovation und Investitionen – etwa im Bereich Künstliche Intelligenz – ermöglichen weiterhin Gewinn- und Margensteigerungen.
Marktbreite und Stilrotation
Seit Ende 2025 zeigt sich eine zunehmende Marktbreite mit Rückenwind für Industrie-, Material- und Nebenwerte, während Software unter Druck steht. Parallel dazu verläuft eine Rotation von Growth zu Value, die sich im zweiten Quartal weiter verstärken dürfte.
Das Thema KI bleibt strukturell relevant, verschiebt sich jedoch von einer breit angelegten Begeisterung hin zu einer differenzierten Phase mit klaren Gewinnern und Verlierern. Zunehmend kommt es darauf an, die richtigen Aktien zu wählen.
Europa zwischen Risiken und Chancen
Auch in Europa hat die Eskalation die Sensibilität für geopolitische Risiken erhöht und die Verwundbarkeit bei Energieimporten offengelegt. Entsprechend fiel die Marktreaktion teils stärker aus als in den USA.
Kurzfristig bleiben europäische Aktien neutral, da ein Großteil der konjunkturellen Stabilisierung bereits eingepreist ist. Mittelfristig profitiert Europa jedoch von fiskalischen Impulsen, moderaten Bewertungen und einem relativ niedrigen Zinsumfeld, das steigende Unternehmensgewinne unterstützen kann.
Strukturelle Gewinner im Fokus
Abseits kurzfristiger Entwicklungen rücken strukturelle Trends in den Fokus. Industriemetalle profitieren von Elektrifizierung, Netzausbau, Digitalisierung und Infrastrukturentwicklung bei gleichzeitig begrenztem Angebot.
Der Ausbau der Energieinfrastruktur wird durch Elektrifizierung, Rechenzentren und KI vorangetrieben und erhöht die Anforderungen an Netze, Speicher und Versorgung. Gleichzeitig eröffnen sich im Finanzsektor Chancen durch bessere Rahmenbedingungen und effizientere Kapitalmärkte. Innerhalb der Technologie verschiebt sich der Fokus hin zu Bereichen wie Robotik, Automatisierung, industrieller Digitalisierung und KI-Infrastruktur, die direkt von steigenden Investitionen profitieren.
Fazit
In einem Umfeld erhöhter Unsicherheit, ambitionierter Bewertungen und zunehmender Differenzierung zwischen Gewinnern und Verlierern rückt eine aktive, selektive Allokation stärker in den Vordergrund als die bloße Teilnahme an breiten Indizes.
Moventum/IJ