Ungarn im Fokus
Trotz politischer und wirtschaftlicher Herausforderungen könnte sich Ungarn laut James Donald, Portfoliomanager und Leiter der Emerging-Markets-Plattform bei Lazard Asset Management, zu einer attraktiven Investmentchance entwickeln. Die jüngste Parlamentswahl könne den Beginn einer schrittweisen Neubewertung des Landes markieren – vorausgesetzt, der neuen Regierung gelingt es, die Beziehungen zur Europäischen Union zu verbessern und das Vertrauen der Kapitalmärkte nachhaltig zu stärken.
„Ungarn könnte vor einer Phase größerer politischer und institutioneller Stabilität stehen“, erklärt Donald. Entscheidend sei nun, ob die neue Regierung ihre wirtschafts- und europapolitischen Ziele glaubwürdig umsetzen könne.
Verbesserte Beziehungen zur EU könnten Wachstum und Investitionen stützen

Besonders relevant für Investoren sei die Beziehung Ungarns zur Europäischen Union. Konflikte über Rechtsstaatlichkeit und Governance hatten zuletzt dazu geführt, dass für Ungarn vorgesehene EU-Mittel in Höhe von rund 20 bis 22 Milliarden Euro eingefroren wurden. Fortschritte bei der Zusammenarbeit mit Brüssel könnten laut Donald jedoch zu einer deutlichen Verbesserung des Investitionsumfelds beitragen.
„Sollte es gelingen, das Verhältnis zur EU zu stabilisieren, könnte dies das Vertrauen internationaler Investoren stärken und langfristig zu einer Normalisierung der Risikoprämie führen“, so Donald. Freigegebene EU-Mittel könnten wichtige Impulse für Infrastrukturinvestitionen, Wachstum und fiskalische Stabilität liefern. Darüber hinaus könnte Ungarn von zusätzlichen europäischen Finanzierungsprogrammen profitieren.
Ungarische Aktien trotz schwierigem Umfeld mit starker Entwicklung
Trotz hoher Inflation, straffer Finanzierungsbedingungen und politischer Unsicherheiten entwickelte sich der ungarische Aktienmarkt zuletzt robust. Der MSCI Hungary Index erzielte per 31. März 2026 über drei Jahre annualisierte Renditen von mehr als 46 % und über fünf Jahre hinweg rund 20 % pro Jahr.
„Bemerkenswert ist, dass die Entwicklung des Aktienmarkts zuletzt stärker von den Fundamentaldaten der Unternehmen als von politischen Schlagzeilen bestimmt wurde“, sagt Donald. Viele börsennotierte Unternehmen seien regional diversifiziert und erzielten einen erheblichen Teil ihrer Gewinne außerhalb Ungarns. Vor allem Banken-, Energie- und Telekommunikationsunternehmen hätten ihre Ertragskraft auch in Phasen hoher makroökonomischer Volatilität behaupten können.
Attraktive Bewertungen trotz Kursanstiegen
Obwohl sich ungarische Aktien bereits deutlich positiv entwickelt hätten, seien die Bewertungen weiterhin attraktiv. Der Markt werde aktuell lediglich mit dem rund 7,6-Fachen der erwarteten Gewinne bewertet und notiere damit weiterhin mit einem deutlichen Abschlag gegenüber vielen anderen Emerging Markets.Gleichzeitig blieben die Eigenkapitalrenditen vieler Unternehmen im deutlich zweistelligen Bereich. „Die Kombination aus vergleichsweise günstigen Bewertungen und robuster Profitabilität ist international inzwischen eher selten geworden“, erklärt Donald.
Allerdings weist der Experte darauf hin, dass der ungarische Aktienmarkt vergleichsweise klein und stark auf wenige große Unternehmen konzentriert sei. Deshalb bleibe die sorgfältige Analyse einzelner Geschäftsmodelle entscheidend.
Umsetzung bleibt entscheidender Faktor
Trotz konstruktiver Perspektive warnt Donald davor, politische Risiken zu unterschätzen. Entscheidend werde sein, ob die neue Regierung Reformen glaubwürdig umsetzen und Fortschritte bei Fiskaldisziplin, institutioneller Unabhängigkeit und Governance erreichen könne. „Die Kapitalmärkte werden genau beobachten, wie konsequent die angekündigten Reformen umgesetzt werden“, betont Donald. Sollte dies gelingen, könnte Ungarn für internationale Investoren wieder stärker in den Fokus rücken und von einer schrittweisen Verbesserung der Anlegerstimmung profitieren.
Lazard/IJ
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