29. Januar 2021

Rize ETF Studie: Ernährungs-trends 2021

Neuesten Studien[1] zufolge wird 2020 als „Jahr der multiplen Krisen“ langanhaltende Spuren hinterlassen, infolge derer Konsumenten mehr Wert auf ihre Gesundheit und ihr ethisches Handeln legen werden. Das weltweite Ernährungssystem verändert sich schon jetzt rasant und eröffnet eine Menge neuer Investitionsmöglichkeiten.

Rahul Bhushan, Mitgründer von Rize ETF
Rahul Bhushan, Gründer des auf thematische Investments spezialisierten Asset Managers Rize ETF identifiziert die wichtigsten Ernährungstrends.

Das Gallup Institut hat im Auftrag von FAIRTRADE Österreich untersucht, welchen Stellenwert das Nachhaltigkeitsthema vor dem Hintergrund der Corona-Krise einnimmt. Der Studie zufolge ist Nachhaltigkeit für Österreicher vielmehr ein gesellschaftliches als persönliches Thema, das während der Coronakrise zugelegt hat – auch bei jenen Personen, die von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit betroffen sind. Beim Einkauf von Lebensmitteln steht mit 62 Prozent der Umfrageteilnehmer eine artgerechte Tierhaltung an oberster Stelle der Nachhaltigkeitskriterien, gefolgt von reduzierter Verpackung (53 Prozent).

Trend Nummer 1: Der „Flexitarier“ treibt Nachfrage nach pflanzlichen Produkten

Laut letzter Hochrechnung von Statista[2] nimmt die Zahl der Vegetarier und Veganer in Österreich stetig zu. Darüber hinaus spielen auch „Flexitarier“ in Österreich, die Fleisch nicht mehr als Alltagsprodukt betrachten, eine immer größere Rolle. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2019 ernähren sich bereits acht Prozent der Bevölkerung in Österreich vegetarisch oder vegan, weitere 17 Prozent tun dies zumindest zeitweise. Schätzungen zufolge legen in Österreich etwa 80.000 Veganern, 765.000 Vegetariern und 4,2 Millionen Flexitarierer, die den Konsum von Fleisch oder Milchprodukten aus unterschiedlichsten Gründen reduzieren. “Konzerne wie Unilever haben sich darauf eingestellt und ihre Umsatzziele für ihre pflanzlichen Produkte erhöht. Pure-Player wie Beyond Meat, Else Nutrition und The Very Good Company genießen allerdings mehr Verbrauchervertrauen und werden daher am meisten profitieren“, sagt Bhushan.

Trend Nummer 2: Gegenwind bei der Verschwendung von Lebensmitteln  

Laut UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) wird mehr als ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel verschwendet[3]. Das UN-Ziel für nachhaltige Entwicklung (SDG) 12.3 zielt auf die Halbierung dieser Zahl bis 2030.[4] Aus Anlageperspektive sind dies Technologien zur Effizienz-Steigerung der Lebensmittelversorgungskette, beispielsweise Logistiktechnologien, die über die gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette eines Unternehmens reichen. Auf diese Weise können automatisierte Lagerlogistiklösungen die Menge an verschwendeten Lebensmitteln reduzieren und so Lebensmittelpreise und Kohlenstoffemissionen senken.

Trend Nummer 3: Recycling und Kompost ersetzen Plastik und Einweg

Während 2020 Hygiene-Sorgen dominierten und die Abkehr von Plastik- und Einwegverpackungen verhinderten, dürfte dieses wichtige Thema im neuen Jahr wieder mehr in den Fokus rücken. Viel Potenzial bieten Unternehmen, die sich mit faserbasierten Verpackungen aus nachhaltiger Forstwirtschaft beschäftigen, unendlich recycelbare Verpackungsmaterialien aus Aluminium und Glas oder kompostierbare Verpackungsmaterialien aus wiederverwertbarem organischen Material herstellen. Die Verbrauchernachfrage und staatliche Vorgaben dürften zu einem exponentiellen Wachstum dieses Sektors führen.

Trend Nummer 4: Landgestützte Aquakultur kontert kommerzielle Fischerei

Die kommerzielle Fischerei dezimiert die natürlichen Fischbestände und schädigt die Artenvielfalt in den Weltmeeren. Landgestützte, kontrollierte Fischzucht kann dagegen Seeläuse, giftige Algen und andere externe Umweltfaktoren eliminieren. Zudem ermöglicht sie das Recyceln von Fischabfällen, die anschließend als Dünger für Nahrungspflanzen dienen oder erneuerbare Energie in Form von Biogas erzeugen. Rezirkulierende Aquakultur-Systeme (RAS) gewinnen innerhalb der landbasierten Aquakulturindustrie zunehmend an Bedeutung.[5] Nach Angaben der FAO ist die Aquakultur der mit am schnellsten wachsende Sektor der Lebensmittelproduktion und macht heute 50 Prozent des weltweit für diesen Bereich verwendeten Fisches aus.[6]

Trend Nummer 5: Präzisions-Technologien zügeln landwirtschaftliche Expansion

Das ökologische Risiko bei gleichzeitigem Bevölkerungswachstum reduzieren? Das geht mit Präzisions-Farming-Technologie, die Ressourcen effizient einsetzt und Risiken durch Wetter und Klimawandel reduziert.  Zudem rücken Indoor-, Vertikal-, Aeroponic-, Hydroponic- und Aquaponic-Technologien der Wasserverschwendung und dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf den Leib. Rize ETF Gründer Bhushan: „Großbritannien will hier Vorreiter sein und kündigte nach dem Ausstieg aus der EU eine fundamentale Umgestaltung seiner Agrarwirtschaft an. Weitere Länder dürften folgen und damit für viel Wachstum bei diesen Agrartechnologien sorgen.“

[1] marktmeinungmensch | Studien | Corona-Krise und Fairtrade in Österreich
[2] Statistiken zu Vegetarismus und Veganismus in Österreich | Statista
[3] Food and Agriculture Organisation of the United Nations, “Seeking end to loss and waste of food along production chain”, December 2019. http://www.fao.org/in-action/seeking-end-to-loss-and-waste-of-food-along-production-chain/en/
[4] United Nations Environment Programme, “SDG 12.3 Food waste index”, 2020. Available at: https://www.unenvironment.org/thinkeatsave/about/sdg-123-food-waste-index#:~:text=SDG%2012.3%3A%20%22By%202030%2C,including%20post%2Dharvest%20losses.%22&text=SDG%20Target%2012.3%20seeks%20to,loss%20during%20production%20and%20supply
[5] Food and Agriculture Organisation of the United Nations, “A Guide to Recirculation Aquaculture”. 2020. Available at: http://www.fao.org/3/a-i4626e.pdf
[6] Food and Agriculture Organisation of the United Nations, “Aquaculture”. 2020. Available at: http://www.fao.org/aquaculture/en/

Rize ETF/SJ

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