26. August 2020

Raus aus der Komfortzone, rein in die Märkte der Zukunft

Seit 1999 verwendet die Finanz-Community den Global Industry Standard, der Unternehmen nach Sektoren aufteilt, als Orientierung bei der Geldanlage [1]. In den letzten 20 Jahren hat sich die Welt aber grundlegend gewandelt.

Rahul Bhushan, Mitgründer von Rize ETF
Rahul Bhushan, Mitgründer von Rize ETF

In den letzten 20 Jahren hat sich die Welt aber grundlegend gewandelt: Neue Rahmenbedingungen prägen Märkte und Verbraucher, so beispielsweise die Digitalisierung. Dennoch arbeitet die Investmentbranche nach wie vor weitgehend mit dem sektorbasierten Ansatz. Rahul Bhushan, Mitgründer des britischen Investmenthauses Rize ETF, plädiert für eine Evolution der Herangehensweise – das Investieren nach Anlagethemen.

Zeitenwende in der Finanzbranche? Wenn es nach dem auf Anlagethemen spezialisierten Emittenten Rize ETF geht, steht dem nichts mehr im Wege. „Wir stellen uns die Frage, wie man erwarten kann, ein besseres Ergebnis als andere Investoren zu erzielen, wenn man genau dasselbe macht. S&P Dow Jones [2] zufolge hat es in den vergangenen zehn Jahren die Mehrheit der Fondsmanager nicht geschafft, ihre Benchmark zu schlagen. Es wird Zeit, die vermeintliche Sicherheit der Herde zu verlassen und sich auf den Weg in die Zukunft zu bewegen. Die Finanzwelt muss anfangen, thematisch zu denken und nicht mehr in Sektoren“, meint Bhushan und nennt drei entscheidende Gründe, die für den thematischen Investmentansatz sprechen.

1. Sektoren bilden vielfältigste Geschäftsmodelle ab – nicht alle darin gelisteten Titel profitieren von tiefgreifenden Veränderungen/sind automatisch ein Gewinner

Wie der Name Sektor schon vermuten lässt, bauen traditionelle Investoren ein Portfolio aus Aktien auf, die in einem bestimmten Wirtschaftsbereich angesiedelt sind, oftmals jedoch mit einem weit auseinander liegenden thematischen Fokus. So beispielsweise der Sektor Kommunikationsdienstleistungen: An einem Ende seines Spektrums stehen die Kabelfirma Comcast und der Mobilfunkanbieter Verizon. Am anderen Ende befinden sich der Entertainment-Konzern Walt Disney und die beiden Videospiel-Unternehmen Activision und Take-Two. Bhushan fragt sich, ob all diese Unternehmen wirklich als direkte Konkurrenten betrachtet werden können. „Unsere Antwort lautet Nein. Dieses Sammelsurium an verschiedensten Unternehmen liefert keine valide Datenbasis, um in die Zukunft zu blicken. Zudem berücksichtigt das Sektormodell nicht, dass Unternehmen ihre Geschäftsmodelle im Laufe der Zeit ändern“, ist er überzeugt.

2. Wer thematisch investiert, blickt weit voraus – und wird dafür auch oft belohnt

Beim Thematischen Investieren geht es um das frühzeitige Erkennen von strukturellen Veränderungen, welche die Märkte, also das Verbraucherverhalten, prägen und beeinflussen. So werden Unternehmen dazu gebracht, ihre Geschäftsmodelle anzupassen oder zu verändern, indem neue Investitionen getätigt werden. „So haben wir beispielsweise immer weniger natürliche Ressourcen und Platz, um eine konstant wachsende Weltbevölkerung auf umweltschonende Weise zu ernähren. Es gibt heute schon Unternehmen, die sich der massiven Tragweite dieses Problems bewusst sind und aktiv etwas dagegen tun“, erläutert der Rize-ETF-Gründer.

Für die Titelauswahl braucht es tiefes sektorales Fachwissen. Unternehmen wie Cloudflare oder Ping Identity, welche für den Wandel gut positioniert sind und stark wachsen können, in der Masse zu finden ist kein leichtes Unterfangen. Je unterbewerteter (und sehr oft auch unterindexierter) diese Aktien im Verhältnis zu den vor ihnen liegenden Geschäftsmöglichkeiten sind, desto besser. Dazu Bhushan: „Die größten Chancen ergeben sich, wenn mehrere Themen zusammenlaufen und sich gegenseitig verstärken. Diese Firmen können auf diese Weise zusätzliche Einnahmen generieren und Gewinne steigern. Ihre Bewertungen steigen um ein Vielfaches und Investoren werden belohnt.“   

3. Die thematische Titelselektion meidet kurzlebige Modetrends

Das Wort Trend hat im deutschen Sprachgebrauch eine vielfältige Bedeutung. Einerseits werden damit „Zeit-Investments“ mit kurzem Lebenszyklus wie Fidget Spinner oder PokemonGo erfasst, welche heute da und morgen wieder weg sind. Die zum thematischen Investieren passendere Trend-Definition geht tiefer. Ein Megatrend resultiert aus einer veränderten Wirtschaft, Demographie, Psychografie, Technologie, oft verstärkt durch neue Regularien. Die Pandemie zeigte beispielsweise auf, dass Arbeit heute orts- und zeitunabhängiger stattfinden muss. Und sie hat bereits jetzt eine tiefgreifende Verhaltensänderung bewirkt, welche die gesamte Arbeitswelt stark prägen wird. Sektorales Investieren schafft es dem Experten zufolge nicht, diesen langfristigen Trend klar abzubilden.

„Wir unterliegen ständigem Wandel, das können wir nicht beeinflussen. Was wir aber beeinflussen können ist erstens, ob wir bestimmte Entwicklungen rechtzeitig erkennen und zweitens, unsere Art damit umzugehen. Deshalb müssen wir die Komfortzone verlassen, aus der Herde ausbrechen und anfangen, die Märkte thematisch zu analysieren. Es wird Zeit dorthin zu gehen, wo sich Verbraucher morgen befinden werden und nicht, wo sie heute sind“, so Bhushan abschließend.

[1] https://en.wikipedia.org/wiki/Global_Industry_Classification_Standard#:~:text=The%20Global%20Industry%20Classification%20Standard,by%20the%20global%20financial%20community.&text=The%20system%20is%20similar%20to,structure%20maintained%20by%20FTSE%20Group.
[2] https://www.welt.de/finanzen/article201693566/Gemanagte-Fonds-Fondsmanager-sind-noch-schlechter-als-ihr-Ruf.html

Rize ETF/sj

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