24. Juni 2026

Jenseits der Magnificent Seven

Trotz geopolitischer Risiken und höherer Energiepreise sieht Christophe Braun, Equity Investment Director bei Capital Group, auch für die zweite Jahreshälfte 2026 attraktive Chancen an den Aktienmärkten. Besonders interessant erscheinen ihm drei Bereiche: der anhaltende KI-Investitionszyklus, neue KI-Gewinner außerhalb der USA und Unternehmen der physischen Infrastrukturwirtschaft.

Der KI-Investitionszyklus läuft weiter

Christophe Braun, Equity Investment Director bei Capital Group

Nach Einschätzung Brauns bleibt Künstliche Intelligenz der wichtigste strukturelle Wachstumstreiber an den Kapitalmärkten. Die Investitionen großer Technologieunternehmen in Rechenzentren, Infrastruktur und Rechenleistung erreichten weiterhin historische Dimensionen und zeigten bislang keine Anzeichen einer Abschwächung. Allein fünf große Hyperscaler planten in diesem Jahr Investitionen von rund 650 Milliarden US-Dollar in Rechenzentren. „Der KI-Investitionszyklus ist noch lange nicht abgeschlossen“, sagt Braun. „KI ist heute weit mehr als ein Technologiethema. Die Investitionen reichen inzwischen tief in die Realwirtschaft hinein und beeinflussen Unternehmensgewinne über viele Branchen hinweg.“

Nach Schätzungen könnte das globale Investitionsvolumen rund um KI in den kommenden zehn Jahren auf bis zu 30 Billionen US-Dollar steigen. Gleichzeitig warnt Braun davor, die Entwicklung ausschließlich auf die bekannten Gewinner der ersten Phase zu reduzieren. Mit dem weiteren Ausbau der Infrastruktur könnten sich die Nachfrage- und Wertschöpfungsschwerpunkte innerhalb der Lieferketten zunehmend verschieben. „Gerade deshalb wird Selektivität wichtiger. Die entscheidende Frage ist, welche Unternehmen die hohen Investitionen langfristig in nachhaltige Erträge übersetzen können“, so Braun.

Chancen entstehen auch außerhalb der USA

Während die großen US-Technologiekonzerne weiterhin im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stünden, sieht Braun attraktive Perspektiven in internationalen Märkten. Insbesondere in den Schwellenländern hätten sich Unternehmen etabliert, die eine zentrale Rolle innerhalb der globalen KI-Wertschöpfungskette einnehmen. Hinzu komme, dass viele internationale Märkte derzeit niedrigere Bewertungen aufwiesen als vergleichbare US-Unternehmen. Gleichzeitig würden dort teilweise deutlich höhere Gewinnzuwächse erwartet. Nach Konsensschätzungen wird für die Schwellenländer derzeit ein Gewinnwachstum von rund 49 Prozent bis Ende 2026 erwartet – deutlich mehr als in den meisten Industrieländern.

„Viele Anleger konzentrieren sich nach wie vor stark auf die USA“, erklärt Braun. „Dabei entstehen zahlreiche Chancen außerhalb des US-Marktes – sowohl in den Schwellenländern als auch bei etablierten Unternehmen in Europa und Asien, die in ihren jeweiligen Branchen globale Marktführer sind.“

Die Realwirtschaft profitiert vom Infrastrukturboom

Ein weiterer Schwerpunkt liegt für Braun auf Unternehmen der sogenannten physischen Wirtschaft. Der Ausbau von Rechenzentren und digitaler Infrastruktur erhöhe die Nachfrage nach Stromerzeugung, Netzinfrastruktur, Industrietechnik, Baumaterialien und Rohstoffen. „KI funktioniert nicht ohne physische Infrastruktur“, sagt Braun. „Wer nur auf Software und Halbleiter schaut, übersieht einen großen Teil der Wertschöpfungskette.“ Davon könnten Industrie-, Infrastruktur-, Energie- und Materialunternehmen profitieren. Gleichzeitig gebe es Geschäftsmodelle, deren Wachstum vergleichsweise unabhängig von technologischen Disruptionen verlaufe und die dadurch zusätzliche Stabilität in Portfolios bringen könnten.

Fazit: Chancen bleiben breit gestreut

Für die zweite Jahreshälfte erwartet Braun weiterhin ein konstruktives Umfeld für Aktien. Zwar blieben Risiken durch geopolitische Konflikte, steigende Energiepreise und ambitionierte Bewertungen in einzelnen Marktsegmenten bestehen. Gleichzeitig spreche das robuste Gewinnwachstum vieler Unternehmen für eine Fortsetzung der positiven Entwicklung. „Natürlich gibt es Risiken“, resümiert Braun. „Aber Anleger sollten nicht nur auf die Schlagzeilen schauen. Entscheidend ist, wo langfristiges Gewinnwachstum entsteht. Aus unserer Sicht reichen die Chancen heute deutlich weiter als die bekannten Technologie-Schwergewichte der vergangenen Jahre.“

Capital Group/IJ

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