16. April 2026

Aktien im Fokus

Auch das zweite Quartal dürfte für Aktienanleger herausfordernd bleiben. Trotz Waffenruhe könnten geopolitische Unsicherheiten, der durch die Schließung der Straße von Hormus ausgelöste Energieschock sowie eine Neuordnung der Marktdynamik weiter für Unruhe sorgen. René Nicolodi, Leiter Aktien bei Swisscanto/ZKB, sieht Chancen, mahnt aber zu Vorsicht und einer ausgewogenen Positionierung.

Schlagzeilen schlagen Fundamentaldaten

René Nicolodi, Leiter Aktien bei Swisscanto/ZKB

Das makroökonomische Umfeld bleibt von erhöhter Unsicherheit geprägt, insbesondere durch den Konflikt im Nahen Osten. Im März stieg die Risikoprämie für US-Aktien auf 3,7 Prozent, für EU-Aktien auf über 4,5 Prozent. Gleichzeitig nahm die Volatilität deutlich zu. Die angekündigte zweiwöchige Waffenruhe sorgte zwar für eine kräftige Erholungsrally, doch die Lage bleibt fragil. Im Basisszenario rechnet Swisscanto weiterhin mit einer zeitnahen Lösung im Nahen Osten. Die Anfang April signalisierten Verhandlungsabsichten stützen diese Erwartung. Sowohl die US-Regierung mit Blick auf die Zwischenwahlen im November als auch China haben großes Interesse an einer Entspannung.

Dennoch bleibt der Fortgang der Gespräche schwer einzuschätzen. Brent-Rohöl notiert selbst nach der Waffenruhe noch bei rund 100 US-Dollar pro Barrel. Eine Verlängerung der Blockade würde die wirtschaftlichen Folgen des Energiepreisschocks verschärfen – etwa durch steigende Inflationserwartungen und sinkende globale Wachstumsprognosen. Im März sprangen die US-Inflationserwartungen bereits von 2,4 auf 3,3 Prozent, während das Konsumentenvertrauen im April ein langjähriges Tief erreichte. Solange es kein dauerhaftes Friedensabkommen gibt, dürften Schlagzeilen die Märkte stärker bewegen als Fundamentaldaten.

Unterschätzen Märkte die Risiken?

Zu Jahresbeginn waren die Erwartungen noch relativ optimistisch. Trotz Unsicherheiten rund um Künstliche Intelligenz, neue Handelszölle und steigende Ausfallraten im Private-Credit-Segment erzielten Aktienmärkte bis Ende Februar attraktive Renditen – besonders Europa mit 5,6 Prozent und Schwellenländer mit 11 Prozent. Im März wurden die Bewertungen dann nach unten angepasst.

Gemessen am Ausmaß des Energieangebots-Schocks fiel die Reaktion bisher jedoch moderat aus. Seit Konfliktbeginn verloren globale Aktien per 10. April 1,5 Prozent, US-Aktien 0,75 Prozent, EU-Aktien 2,3 Prozent und Schwellenländer 3,6 Prozent. Der VIX stieg in Stressphasen nur kurz über 30 Punkte und liegt aktuell bei 20.

Gleichzeitig bleibt das Bewertungsniveau hoch. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für US-Aktien liegt mit 21 deutlich über dem langfristigen Durchschnitt von rund 17,7. Bemerkenswert ist zudem, dass die Gewinnerwartungen für 2026 und 2027 bislang kaum angepasst wurden. Entweder rechnen Anleger nicht mit gravierenden Folgen für die Weltwirtschaft – oder sie unterschätzen das Risiko einer länger anhaltenden Eskalation.

US-Aktien bleiben robust, Qualitäts-Aktien profitieren, Elektrifizierung rückt in den Fokus

Regional hat der Konflikt vor allem jene Märkte belastet, die stark auf Energielieferungen aus dem Nahen Osten angewiesen sind – insbesondere Europa und Schwellenländer. Diese Regionen leiden zusätzlich unter der Gefahr restriktiverer Geldpolitik, eines stärkeren US-Dollars und sinkender globaler Wachstumsprognosen. Die USA zeigen sich bislang widerstandsfähiger. Sie profitieren von ihrer Rolle als Netto-Ölexporteur und ziehen als sicherer Hafen weiter Kapital an.

Auf Sektorebene gehörten Energietitel mit einem Plus von 11,3 Prozent im März zu den klaren Gewinnern. Zyklische Bereiche wie Industrie und Grundstoffe verzeichneten dagegen Rückgänge von 10,6 beziehungsweise 10,7 Prozent. Zudem wurden einige Rotationen seit Jahresbeginn umgekehrt: Value-Aktien verloren ihre Outperformance, Small Caps blieben nach zuvor guter Entwicklung drei Prozent hinter Large Caps zurück. Qualitäts-Aktien entwickelten sich dagegen erneut überzeugend.

Auch Künstliche Intelligenz bleibt als struktureller Wachstumstreiber intakt. Als Profiteure gelten Halbleiterunternehmen, Anbieter von Netzwerktechnik und Unternehmen mit Fokus auf Rechenzentrumsinfrastruktur. Gleichzeitig gewinnt das Thema Elektrifizierung an Bedeutung, da Energiesicherheit und -unabhängigkeit stärker in den Vordergrund rücken.

Aktieninvestments erfordern eine neutrale bis defensive Positionierung – und Gelassenheit

Die raschen Wendungen im geopolitischen Nachrichtenfluss erfordern laut Swisscanto vor allem Gelassenheit. Vor dem Hintergrund des Basisszenarios erscheint eine neutrale bis leicht defensive Positionierung sinnvoll. Bevorzugt werden Titel aus den Bereichen Basiskonsumgüter, Versorger und Gesundheit. Auch eine stärkere Gewichtung von Qualitätsunternehmen kann die Widerstandsfähigkeit des Portfolios erhöhen.

Die Waffenruhe hat zwar kurzfristig für Entspannung gesorgt, doch die Headline-Risiken bleiben hoch. Entsprechend dürfte das Marktumfeld vorerst fragil und schwankungsanfällig bleiben.

Swisscanto/ZKB/IJ

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