Klimapläne fehlen
Nur rund jedes fünfte Unternehmen weltweit verfügt über einen glaubwürdigen Transitionsplan zur Anpassung des Geschäftsmodells an die Pariser Klimaziele. Das zeigt eine Untersuchung von ODDO BHF Asset Management auf Basis von MSCI-Daten. Deutschland liegt mit 37 % auf Rang 11 von 44 untersuchten Ländern, die USA mit 12 % auf Rang 32.
Insgesamt verfügen 20,5 % der untersuchten Unternehmen über einen glaubwürdigen Transitionsplan. Weitere 1,7 % gelten als „reine Ermöglicher“ der Energiewende. Bei 79,5 % sind die Anpassungspläne dagegen unzureichend oder nur ansatzweise vorhanden. Untersucht wurden 8.626 Unternehmen mit MSCI ESG-Rating.

In Deutschland haben 37 % der Unternehmen einen Transitionsplan, in den USA sind es 12 %
Finnland, Irland, Frankreich, Dänemark und Spanien führen das Ranking an: Dort verfügen mehr als die Hälfte der Aktiengesellschaften über einen glaubwürdigen Transitionsplan oder werden als „Ermöglicher“ eingestuft. Deutschland liegt mit 37 % im oberen Mittelfeld, die USA mit 12 % deutlich dahinter. Marokko, Katar und Pakistan bilden die Schlusslichter.
Valentin Pernet, Global Head of Sustainable Investment Solutions bei ODDO BHF Asset Management, betont, dass Transitionspläne angesichts zunehmender Klimarisiken und geopolitischer Unsicherheiten zu einem strategischen Instrument für Unternehmen und Investoren werden. Zwar habe mehr als die Hälfte der analysierten Unternehmen einen Plan zur Reduktion ihrer CO₂-Emissionen, häufig fehle es jedoch an Glaubwürdigkeit und Transparenz.
Branche und Unternehmensgröße beeinflussen Transitionsfähigkeit
Unternehmen ohne glaubwürdigen Transitionsplan sind häufig Small- und Mid-Caps. Weitere Faktoren sind fehlende regulatorische Vorgaben, geringe Transparenz im Nachhaltigkeitsbereich und die Branchenzugehörigkeit. Besonders Unternehmen aus Energie, Gesundheit, Dienstleistungen, Handel und Baustoffen hinken bei ihren Transformationsplänen häufig hinterher.
Das vergleichsweise gute Abschneiden europäischer Unternehmen führt ODDO BHF AM auch darauf zurück, dass Energiewende und Klimaneutralität im europäischen Regulierungsrahmen eine zentrale Rolle spielen.
Kriterien für die Definition eines glaubwürdigen Transitionsplans
Für die Bewertung eines glaubwürdigen Transitionsplans berücksichtigt ODDO BHF AM mehrere Kriterien. Dazu zählen der Verzicht auf neue Anlagen für fossile Brennstoffe, Transparenz über wesentliche CO₂-Emissionen, Emissionsziele mindestens für Scope 1 und Scope 2 sowie Ziele, die mit dem Pariser Abkommen vereinbar sind.
Für Unternehmen, die als Vorreiter gelten sollen, kommen weitere Anforderungen hinzu: eine tatsächliche Reduktion der CO₂-Emissionen in den vergangenen drei Jahren, die Einbeziehung wesentlicher Scope-3-Emissionen, Investitionen und Umsätze in transitionsbezogenen Aktivitäten sowie geeignete Governance-Strukturen.
Als „Greenabler“ gelten Unternehmen, deren Geschäftsmodell vollständig zur Transition beiträgt und bei denen der überwiegende Teil der Umsätze oder Investitionen auf Produkte und Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Energiewende entfällt.
ODDO BHF AM/IJ